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Landessynode 2013

Grußwort von Weihbischof Dr. Thomas Löhr (Limburg) und Prof. Dr. Werner Löser SJ

Hohe Synode, sehr geehrter Präses Bruder Schneider, verehrte Geschwister im Glauben.

Heute, am Fest der Erscheinung des Herrn, beginnen Sie die 64. ordentliche Landessynode Ihrer Kirche, der großen und bedeutenden Evangelischen Kirche im Rheinland. Über alle konfessionellen Grenzen hinweg denken wir Christen an diesem Festtag an den Aufgang des Lichtes, das Christus für unsere Welt ist, und an den Aufbruch der Völker, um ihm zu begegnen und ihm zu huldigen. An der Krippe trat die Kirche aus den Juden und den Heiden ursprünglich hervor. Von ihr begann sie ihren Weg durch die Zeit, über Grenzen hinweg und von Generation zu Generation. Eine Station auf diesem Weg ist diese Landessynode. Möge der gute Stern, der den Weg zur Krippe in Bethlehem gewiesen hat, auch über Ihren Bemühungen stehen und Sie immer neu zu Christus führen, der selbst der Herr der Kirche ist.

Sie haben als Synode den Erzbischof von Köln Joachim Kardinal Meisner, wie es gute Tradition ist, eingeladen, an diesem Treffen Ihrer Kirche teilzunehmen. Er wünscht der Synode, dass es hier in Bad Neuenahr zu einer fruchtbaren Tagung Ihrer Landessynode kommt und Gottes Heiliger Geist Sie erfüllt und leitet. Als Vertretung und im Auftrag der sechs katholischen Bistümer, deren Territorien sich mit dem Ihrer ausgedehnten Landeskirche ganz oder teilweise decken, nämlich Aachen, Essen, Köln, Limburg, Münster und Trier, überbringe ich Ihnen zusammen mit Prof. Dr. Werner Löser SJ von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main die Grüße und guten Wünsche der katholischen Geschwister im Glauben.

Vieles gilt es immer wieder zu regeln, damit wir als Kirchen so aufgestellt sind, dass wir unseren Auftrag in der Welt erfüllen. Dies ist mehr als binnenkirchliche Beschäftigung mit sich selbst; vielmehr sollen unsere Strukturen Ausdruck dessen sein, was wir in der Sendung durch unseren Herrn Jesus Christus verkünden. Zugleich werden Sie sich mit den großen Themen unserer Zeit befassen. Als Christen sind wir aufgefordert, zusammen mit allen Menschen guten Willens mitzuwirken an der Gestaltung der Welt, die Gott nicht sich selbst überlässt. Unsere Zeit braucht die kritische Sicht und Stimme der Kirchen. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf, dass wir ihr die Botschaft des Glaubens und die darin grundgelegten ethischen Maßstäbe für verantwortetes Handeln nicht vorenthalten.

An vielen Orten gibt es zwischen Ihrer Landeskirche und den katholischen Bistümern eine gute Zusammenarbeit, auch im letzten Jahr, wofür an dieser Stelle ausdrücklich und geschwisterlich gedankt sei. Als Vertreter des Bistums Limburg erwähne ich eine Begegnung, die der Mehrzahl der Mitglieder Ihrer Kirche im Rheinland möglicherweise weniger bewusst ist, da sie die Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels im Bundesland Hessen betrifft. In der Gestaltung des kirchlichen Beitrages zum jährlich Hessentag, dem Landesfest, das 2012 in Wetzlar stattfand, gab es ein beispielhaftes ökumenisches Miteinander vor Ort, das Ausdruck einer gelebten und bewährten Zusammenarbeit ist und durch Ihr Kommen, lieber Bruder Schneider, sowie durch den gemeinsamen Gottesdienst mit dem Limburger Bischof Dr. Tebartz-van Elst bestätigt wurde und überregional Beachtung fand.

Der ökumenische Weg stellt sich uns dar wie ein Bahngleis, das notwendigerweise zwei Schienen hat: den gelebten Glauben im Alltag der Christen, der wirksam wird in der Liebe, und die theologische Reflexion des Glaubens im Gespräch miteinander. Weder das eine noch das andere darf ausfallen. Ich darf deshalb das Wort weitergeben an Prof. Dr. Werner Löser, Jesuit und Lehrer an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, der als namhafter Dogmatiker über mehr als zwei Jahrzehnte auch ökumenischer Berater des Bischofs von Limburg war, Mitglied der Theologischen Kommission der hessischen Kirchenleitungskonferenz und damit auch in Kontakt zur Evangelischen Kirche im Rheinland steht. Als Vorsitzender des Ökumeneausschusses des Bistums Limburg kennt er zugleich die ökumenische Praxis unserer Gemeinden und vertritt diese in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hessen-Rheinhessen.

* * *

Verehrte Geschwister im Glauben,

das ökumenische Bemühen um eine Zusammenführung der Kirchen, die seit langem eigene Wege gegangen sind, eigene Strukturen ausgebildet haben, im Auslegen der Bibel unterschiedliche Akzente gesetzt haben, ist, wie wir ständig erleben, anspruchsvoll und nicht einfach. Es muss uns nachdenklich machen und auch mit Sorge erfüllen, dass die Schere zwischen dem, was die Christen in unseren Gemeinden für möglich und richtig halten und oft genug auch schon praktizieren einerseits, und dem, was die verfassten Kirchen auf dem Hintergrund der gelehrten theologischen Reflexion und in der verantwortlichen Auslegung der Bibel und der verbindlichen Traditionen ökumenisch zustande bringen, andererseits immer weiter auseinander geht. Die einen zeigen Ungeduld, die anderen rufen dazu auf, nicht nur das schon zu tun, was schon eint, sondern auch das einstweilen zu tragen, was noch trennt. Das ist der Hintergrund für die fortdauernden Bemühungen um die rechte Gestaltung des ökumenischen Miteinanders.

In diese Situation hinein haben sich kürzlich 23 bekannte und bedeutende Persönlichkeiten aus der Welt der Politik und der Kultur und aus den Kirchen mit dem Aufruf „Ökumene jetzt“ öffentlich zu Wort gemeldet. Sie sprechen als Christen und geben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die katholischen und die evangelischen Christen „im Land der Reformation“, die ja als „Getaufte schon als Geschwister im Glauben miteinander verbunden sind“, ihren „gemeinsamen Glauben“ endlich wieder „in einer gemeinsamen Kirche“ leben können. Sie erinnern an die Reformation, die vor nahezu 500 Jahren stattgefunden hat, und an den Beginn des II. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren. Sie legen beide Ereignisse als Impulse zur Vertiefung oder Erneuerung der Einheit der Kirche aus. In diesem Aufruf meldet sich eine starke Hoffnung. Und so darf, ja muss gewürdigt und begrüßt werden, dass er den ökumenischen Bemühungen aller, die sich hier einsetzen, Rückenwind zu geben vermag.

Dies gilt, obwohl der Aufruf in seinen konkreten Deutungen und Anregungen bedauerlicherweise einige Grenzen aufweist und deswegen die beabsichtigte Schubkraft auch nur in begrenztem Maße wird entfalten können. Seine Verfasser haben wohl zu wenig berücksichtigt, dass die christlichen Kirchen nicht wie alle anderen menschlichen Gesellschaften einfach hin unserem menschlichen Verfügen anheimgegeben sind. Es ist für die christlichen Kirchen ja kennzeichnend, dass sie sich bei der Bestimmung ihrer Aufgaben und bei der Gestaltung ihrer Strukturen an die Vorgaben gebunden verstehen, die sich aus dem Glauben an das Evangelium ergeben. Sie bedenken sie in ihren Theologien und können auf die Orientierungen, die sie erschließen, nicht einfach verzichten. Hier liegt es begründet und zeigt es sich, dass sich die christlichen Kirchen in ihrer Gestalt und in ihrem Auftrag von politischen oder ökonomischen oder sonstigen Vereinigungen unterscheiden. In dem Aufruf heißt es gleichwohl: „Reichen theologische Gründe… aus, um die Kirchenspaltung fortzusetzen? Das glauben wir nicht“ und dann „Unbestritten ist, dass es unterschiedliche Positionen im Verständnis von Abendmahl, Amt und Kirchen gibt. Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen“ und schließlich „Wir können und müssen die Sorge um die Einheit der ganzen Kirche nicht ruhen lassen, bis eine theologische Einigung über das Amts- oder Abendmahlsverständnis zwischen den Kirchenleitungen erreicht worden ist.“ Solche Aussagen mindern leider das Gewicht, mit dem ihre Verfasser auf das ja nicht einfache ökumenische Geschehen Einfluss nehmen möchten. In ihnen ist nicht genügend beachtet, dass die unterschiedlichen theologischen Positionen eng mit den in den Kirchen erkannten und anerkannten Glaubensgrundlagen zusammenhängen. Sie können deswegen bei der Herbeiführung der Einheit nicht einfach hintangestellt werden. Der Aufruf hat darüber hinaus darin sei
ne Grenzen, dass er zum einen nur die katholische und die protestantische Kirche im Blick hat und die Kirchen anderer Prägung außer Acht lässt und dass er sich darüber hinaus nur an der zentraleuropäischen oder gar nur deutschen Situation interessiert zeigt. Damit bleibt er hinter den inzwischen selbstverständlich gewordenen Standards der Multilateralität und der Internationalität der ökumenischen Bewegung zurück.

Dass wir gleichwohl nicht nachlassen dürfen und wollen, uns für eine Vertiefung der sichtbaren Einheit der gespaltenen Christenheit einzusetzen, hat jüngst Papst Benedikt nachdrücklich bekräftigt, als er am 15. November des soeben zu Ende gegangenen Jahres zu den Mitgliedern der Vollversammlung des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen sprach. Er betonte dabei, dass es einen inneren Zusammenhang gebe zwischen den ökumenischen Bemühungen einerseits und den vielfältigen Einsätzen zur Gestaltung des Jahres des Glaubens, zu dem er in der Perspektive einer weltweiten neuen Evangelisierung aufgerufen hatte, andererseits. So machte der Papst darauf aufmerksam, dass das ökumenische Engagement für die katholische Kirche nicht am Rande ihrer Aktivitäten stehen darf, sondern einen integralen Teil ihres Auftrags in dieser Zeit und für diese Welt ausmacht.

Geht es um den Beitrag, den wir katholischerseits im Blick auf die Vertiefung des Miteinanders zwischen unseren Kirchen erbringen können, so hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass es nach wie vor noch einiges aus den Impulsen, die das II. Vatikanische Konzil hinterlassen hat, zu lernen gilt. Wir haben uns ja jüngst nicht nur im Innern der katholischen Kirche, sondern auch über ihre Grenzen hinaus daran erinnert, dass diese große katholische Kirchenversammlung vor 50 Jahren eröffnet wurde. Ein Thema, das bei den zahlreichen Rückblicken immer wieder erörtert wurde, war die Bedeutung des Dekrets „Unitatis redintegratio“, das den Eintritt der katholischen Kirche in die ökumenische Bewegung markierte. Im Übrigen wäre beim heutigen Nachdenken über das Konzil noch einmal zu prüfen, was das dort gezeichnete Bild der Kirche, sie sei Gottes messianisches Volk (LG 9) und bezüglich ihrer Gestalt und ihres Auftrags eine sakramentale Größe, an ökumenisch bedeutsamem Potential in sich trägt. Doch blicken wir nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Und da nehmen auch wir Katholiken wahr, dass das Reformationsjubiläum, das 2017 begangen wird, am Horizont auftaucht. Da werden wir auch katholischerseits die Frage zu beantworten haben, wie wir heute das, was damals geschehen ist, bewerten. Es stellt sich darüber hinaus aber auch die Frage, ob wir nicht mit neuen Gedanken in die Gespräche über das, was vor 500 Jahren geschehen ist und die abendländische Kirchenspaltung hervorgerufen hat, eintreten können. Ohne es entfalten zu können, will ich meinerseits nur das Stichwort formulieren, wir hätten gemeinsam noch einmal zu fragen und zu prüfen, was es bedeutet, dass das Neue Testament die Kirche Jesu Christi als Gottes Volk aus den Juden und den Heiden versteht und ihre bleibende Verwurzelung in dem Bild vom Zweig, der auf den Ölbaum Israel aufgepfropft ist und bleibt, darstellt. Was sich dabei zeigen würde, wäre nicht folgenlos für ein erweitertes Konzept der
Rechtfertigungslehre. Und dieses könnte dann auch eine stärkere Basis für ein neues Miteinander unserer Kirchen sein, als es die Gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre von 1999 zu sein vermochte. Nähmen wir dies alles noch einmal neu wahr und auch an, so versetzte es uns wohl in ungewohnte Bewegungen, hoffentlich aufeinander zu.

Wir wünschen Ihnen somit alles Gute und eine starke Führung durch Gottes Geist für Ihre Beratungen und Entscheidungen und Wahlen. Mögen Sie dazu beitragen, dass Gottes Wort und Werk auch in unserer Zeit wahrgenommen und angenommen werden, zur Ehre Gottes und zum Wohl und Heil der Menschen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 7. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 7. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 07.01.2013



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