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Gemeindebriefe

Landessynode 2003: Kostenloser Service

Insbesondere Gemeindebriefredaktionen können für ihre Berichterstattung von der Landessynode vom 5. bis 11. Januar 2003 den Service von www.ekir.de nutzen: In druckfähiger Form gibt es Fotos und Texte zum Herunterladen - und das kostenlos. Hier auf dieser Seite finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Landessynode 2003 (unten). Außerdem haben wir eine Auswahl von Bildern, die während der Tagung entstanden sind, für Sie bereit gestellt (Fotoservice-Link ganz unten). Sowohl für die Fotos als auch für Texte gilt: Die Quellenangabe "www.ekir.de" ist erwünscht. 

 

Landessynode 2003: Zusammenfassung

Neuer Präses, Veränderung der Aufgaben-Struktur und eine reformierte Kirchenordnung

Neuer Präses: Nikolaus Schneider

Nikolaus Schneider ist der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Die Landessynode wählte den 55-jährigen Theologen zum Nachfolger von Manfred Kock, der im Frühjahr aus dem Amt scheidet. In den vergangenen sechs Jahren arbeitete Schneider bereits als Vizepräses, sprich Vertreter des Präses.

In ersten Statements vor Medien betonte der neugewählte Präses: Die Kirche sei gefragt, was Grund und Halt des Lebens angeht. Und: "Wir lassen uns in Dienst nehmen von Gottes Leidenschaft für die sozial Schwachen." Die Frage von Krieg und Frieden brenne aktuell auf den Nägeln. Er werde die Linie von Präses Kock fortführen, so Nikolaus Schneider.

Seit 1997 ist Schneider Leiter der Abteilung 1 (Dienst von Theologinnen/Theologen und Kirchenbeamtinnen/Kirchenbeamte) sowie theologischer Vizepräses der rheinischen Kirche. Als Personaldezernent trägt er die Verantwortung für die zweitausend Theologinnen und Theologen in der EKiR. Er machte sich die Seelsorge an ihnen zum besonderen Anliegen.

Zuvor war Schneider zehn Jahre lang Superintendent des Kirchenkreises Moers. Nicht erst seit der Übernahme seiner ersten Pfarrstelle in Duisburg-Rheinhausen (1976-1984) stehen für Nikolaus Schneider, der aus einer Stahlarbeiterfamilie stammt, Sozialethik und Gesellschaftspolitik im Zentrum der Arbeit. Von 1984 bis 1991 arbeitete Schneider, der neben Theologie auch einige Semester Volkswirtschaftslehre studiert hat, als Diakoniepfarrer im Kirchenkreis Moers. Neben seinem Engagement im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt gilt sein Augenmerk auch dem christlich-jüdischen Dialog und der Partnerschaft zur United Church of Christ (UCC) in den USA.

Schneider ist seit 1970 mit der Lehrerin Anne Schneider verheiratet. Das Ehepaar hat drei erwachsene Töchter.

Neue Vizepräses: Petra Bosse-Huber

Die Landessynode der EKiR hat Oberkirchenrätin Petra Bosse-Huber zur neuen Vizepräses gewählt. Die Wuppertaler Theologin und Germanistin erhielt 226 von 228 Stimmen. Damit wird die 43-Jährige Mutter dreier Töchter ständige Vertreterin zuvor gewählten Präses Nikolaus Schneider (55).

Vor knapp zwei Jahren wurde Petra Bosse-Huber zur Oberkirchenrätin und damit zum hauptamtlichen Mitglied der 16-köpfigen Leitung der mit rund 3 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland gewählt. Sie ist seither auch Leiterin der Abteilung 2 (Dienst von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; Innerkirchliche Dienste) im Landeskirchenamt.

Mit dem designierten Präses Nikolaus Schneider und seiner künftigen Stellvertreterin Petra Bosse-Huber werden auch der neue Oberkirchenrat Jürgen Dembek als Leiter der Abteilung 1 im Landeskirchenamt sowie Dr. Werner Tegtmeier als ebenfalls neu gewähltes nebenamtliches, nicht theologisches Mitglied der Kirchenleitung am 27. April in einem Gottesdienst in Wuppertal in ihre Ämter eingeführt.

Jürgen Dembek (57) arbeitete bisher als Pfarrer der Kirchengemeinde Goch sowie als Superintendent des Kirchenkreises Kleve. Dr. Werner Tegtmeier (62), früherer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, arbeitet schon in der Kammer für soziale Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit.

Abschied von Manfred Kock Mit minutenlangem Beifall bedankten sich die Mitglieder der Landessynode zum Schluss ihrer Tagung bei ihrem scheidenden Präses Manfred Kock. Zuvor hatte der dienstälteste Superintendent - er hat traditionell das Schlusswort - Kock als "sensationellen Präses" gewürdigt.

Dabei bezog sich Superintendent Klaus Schneidewind (Koblenz) mit dem Wort sensationell auf das lateinische "sensus" und nannte die gemeinten Bedeutungen: Gefühl und Wahrnehmung, Bewusstsein, Verständnis und Denkkraft.

Kock, der bis zur Einführung des Nachfolgers am 27. April noch amtiert, habe rheinische Kirche und EKD entscheidend geprägt, so Schneidewind. Er habe die evangelische Stimme profiliert, wo nötig "strikt und unmissverständlich interveniert", auch die Meinungen und Interessen, die von der eigenen abwichen, ernst genommen und das Evangelium im Mittelpunkt gehalten. Schließlich dankte der Superintendent im Namen der Synode auch Kocks Ehefrau Gisela.

Kock wiederum sagte in seiner Dankesrede, er habe auch "profitiert und gelernt". Er gestand: "Ich bin mir nicht sicher, ob mir die Synode fehlen wird. Ich fürchte nein." Aber er werde sie in guter Erinnerung behalten. Weiter erklärte er, dem Amt zunutze habe er sich in der Öffentlichkeit häufig in die erste Reihe gedrängt, obwohl er eigentlich nicht dazu erzogen worden sei, sich in den Vordergrund zu schieben.

Umstrukturierung der landeskirchlichen Aufgaben Die Landessynode hat die übergemeindlichen, landeskirchlichen Aufgaben neu geordnet. Das Ergebnis kurz zusammengefasst: In Bonn-Bad Godesberg werden in Zukunft angesiedelt sein: die Evangelische Akademie (bisher Mülheim/Ruhr) und das Pädagogisch-Theologisches Institut (PTI). In Wuppertal werden künftig sein: Kirchliche Hochschule, Predigerseminar (bisher Bad Kreuznach), Pastoralkolleg (bisher Rengsdorf) und Landeskirchliche Bibliothek (bisher Düsseldorf).

Mit der Umstrukturierung soll eine "Grundsolidierung" der rheinischen Kirche erreicht werden, sagt Vizepräsident Christian Drägert bei der Diskussion im Plenum. "Eine Verdrängung der Probleme wäre unverantwortlich." Auch eine Verschiebung lehnte er ab: Sie würde die Belastung für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch erhöhen. Über einen "Konsens" freute sich nach der Abstimmung Präses Manfred Kock - und dankte der Synode dafür.

Unter dem Titel "Konzentration der landeskirchlichen Einrichtungen" lag der Landessynode zunächst ein Vorschlag der Kirchenleitung dazu vor, wie der landeskirchliche Haushalt dauerhaft und strukturell entlastet werden sollen. Dieser Vorschlag sah bereits die Verlagerung des Predigerseminars in Bad Kreuznach nach Wuppertal und die Zusammenlegung des Internats Düsseldorf-Kaiserswerth mit dem Internat in Hilden vor. Das kirchliche Verwaltungsgebäude in der Düsseldorfer Rochusstraße (Haus landeskirchliche Dienste) solle verkauft, die dortigen Einrichtungen anderswo untergebracht werden.

Aber: Das Pädagogisch-Theologische Institut (Bonn) sollte (wie die Landeskirchliche Bibliothek (Düsseldorf)) nach Wuppertal in die Kirchliche Hochschule verlegt werden. Außerdem sollte die Evangelische Akademie Mülheim/Ruhr ihr Mülheimer Haus aufgeben und ihre Arbeit künftig in Düsseldorf am Standort FilmFunkFernsehZentrum tun. 

"Rapide geänderte" politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die evangelischen Kirche in Deutschland sind dem Kirchenleitungsbeschluss zufolge die Gründe für diesen Konzentrations-Vorschlag. Finanzielle Einbußen durch die Steuerreform und die wirtschaftliche Lage sowie die demografische Entwicklung stellten die Kirchen "vor große Herausforderungen". In Zahlen: Für die EKiR sei ein dauerhaftes, jährliches Defizit von rund sechs Millionen Euro zu erwarten. Die jetzt noch "guten Chancen" für eine vernünftige Planung und Gestaltung der Strukturen sollen jetzt noch genutzt werden. 

Im Zuge der Diskussion hat die Landessynode beschlossen, dass die Landeskirche das tun soll, was Kirchengemeinden seit kurzem müssen: sich eine "Gemeindekonzeption" geben. Jedenfalls soll ein Verfahren dafür vorgeschlagen werden.

Medienverband beschlossen

Im Rahmen der Umstrukturierung hat die Landessynode auch ihre Medienarbeit neu geordnet. Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) wird einen Medienverband gründen und darin das FilmFunkFernsehZentrum (FFFZ) und den Presseverband zusammen legen. Der Verband soll in der Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung zum 1. Januar 2004 entstehen. Das beschloss die Landessynode ebenso wie die Verringerung des landeskirchlichen Zuschusses im Bereich Medien um eine Million Euro jährlich.

Die Evangelische Wochenzeitung für das Rheinland DER WEG, die binnen eines Jahres rund ein Siebtel seiner Auflage verlor, soll zum Ende des Jahres 2003 eingestellt werden. In der Debatte wurde gesagt, der WEG habe in seiner 50-jährigen Geschichte "Bindekraft, protestantisches Profil und journalistische Qualität entwickelt". Gleichwohl habe man an der Auflagen- und Kostenentwicklung nicht vorbeigehen können. Die Wochenzeitung koste pro Jahr pro Abonnement 75 Euro Zuschuss. Deshalb könne der WEG nicht mehr gehalten werden.

Anders als der WEG bekommt der im Saarland erscheinende "Sonntagsgruß" eine Fortsetzungs-Chance. Die nächsten fünf Jahre erhält der "Sonntagsgruß" einen jährlichen Zuschuss von 200.000 Euro. Schließlich sieht der Beschluss vor, "neue publizistische Produkte" zu prüfen und zu entwickeln. So soll über eine Kombination des Monatsmagazins "Chrismon plus" mit einem rheinischen Teil nachgedacht werden.

Kirchenordnung und Presbyterwahlgesetz

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) bekommt eine neue Kirchenordnung. Die Landessynode beschloss das Reformwerk, das die gut fünfzig Jahre alte Vorgängerin ablöst. Die zentralen Punkte: Das Ehrenamt wird dem Hauptamt gleichwertig zur Seite gestellt. Beide Formen gelten nun als gleichrangiger gemeinsamer Dienst in der Kirche. Und: Die unterschiedlichen Dienste der Funktionspfarrstellen, etwa im Krankenhaus, in der Telefonseelsorge, in den Schulen und in vielen anderen Arbeitsfeldern, gelten als gleichrangig mit dem pfarramtlichen Dienst in den Ortsgemeinden. Dritter Akzent: Die rechtlichen Grundlagen zur Schaffung sogenannter Personalgemeinden wurden eingefügt. Dadurch können künftig Gemeinden in bestimmten Aufgabenbereichen gebildet werden. Das war bisher nur in der Krankenhaus- und in der Militärseelsorge möglich.

Auch wurde dem Passus zugestimmt: „Frauen und Männer haben entsprechend ihren Begabungen und Fähigkeiten gleichberechtigt Zugang zu Ämtern, Diensten und weiteren Aufgaben". Mit diesem Passus, der in den Kirchenordnungen anderer Landeskirchen nicht enthalten ist, betont die rheinische Kirche eines ihrer besonderen Profile.

Die Kirchenordungsreform, an der über einen längeren Zeitraum intensiv gearbeitet worden ist, brachte eine Verschlankung und Vereinfachung. Von 220 Artikeln der Kirchenordnung blieben 170 Artikeln. Aus 82 Druckseiten wurden 60 Seiten.

Wichtige Änderungen gibt es auch für Presbyterinnen und Presbyter, also die gewählte Gemeindeleitung. So wird aus der bisherigen Kirchenordnung der Passus gestrichen, nach dem in das Presbyteramt nur gewählt werden kann, wer sich als „treues Mitglied bewährt" hat. Die Bereitschaft, das Amt zu übernehmen, soll dagegen als Chance betrachtet werden, Gemeindemitglieder einzubinden. Sie müssen allerdings zur Leitung und zum Aufbau einer Kirchengemeinde geeignet sein.

Schließlich verabschiedete die Landessynode eine Änderung im Presbyterwahlgesetz: Die Amtszeit der Presbyterinnen und Presbyter soll in Zukunft nicht mehr acht Jahre, sondern vier Jahre betragen. Die Amtszeit der bisherigen Presbyterinnen und Presbyter bleibt aber unverändert. Wählen darf man als Kirchenmitglied in der rheinischen Kirche, wenn man am Wahltag mindestens 16 Jahre alt oder konfirmiert ist. Die nächsten Presbyteriumswahlen in der rheinischen Kirche finden 2004 statt. Die neuen Regelungen können dann bereits Anwendung finden.

Die "ehrenamtliche Landschaft verändert sich rasant", erklärte Vizepräses Petra Bosse-Huber zur Halbierung der Amtszeit der Presbyterien. Die Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchte, schrumpfe nicht, wohl aber ihre Zeit. Ehrenamtliche wollten heutzutage mit ihrer Zeit besser haushalten. Insbesondere Berufstätige wollten sich nur noch selten für acht Jahre festlegen, so Bosse-Huber.

Irak-Krieg

Die Landessynode hat angesichts des Irak-Konflikts zum "Aufstehen für Frieden und Gerechtigkeit" aufgerufen. Das Böse könne nicht durch Krieg überwunden werden. Auch angesichts eines drohenden Kriegs gegen den Irak gelte der Satz: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein." Außerdem ermutigte die Landessynode die Kirchengemeinden, zu regelmäßigen Friedensgebeten einzuladen. Die Friedensgebete sollen auch interreligiös gestaltet werden.

Klonverbot

Die Debatte um die Würde des Menschen zum Lebensanfang und zum Lebensende soll weiter begleitet werden. Das hat die Landessynode der Kirchenleitung aufgetragen. Gleichzeitig dankte die Synode der Kirchenleitung für ihr bisherigen Aktivitäten zum Thema. Ausdrücklich erwähnt: „Leben vor allen Dingen“, eine Dialogveranstaltung der Kirchenleitung mit Leitenden Ärztinnen und Ärzten. In dem Beschluss zum Thema Embryonenschutz fordert die Landessynode die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf, bei der Bundesregierung vorstellig zu werden. Das Ziel: eine internationale Konvention mit einem weltweiten Verbot des Klonens von menschlichen Embryonen. Außerdem fordert die Landessynode die EKD auf, sich um das Thema Präimplantations-Diagnostik (PID) zu kümmern und in dieser Hinsicht um den Embryonenschutz zu kämpfen.

Religionsunterricht Ethik ja – Religionsunterricht nein? Dieser Haltung hat die Landessynode eine Absage erteilt - in ihrem Positionspapier zum Religionsunterricht. An den Schulen gebe es heute evangelische, katholische, muslimische und konfessionslose Kindern und Jugendlichen. Viele Schülerinnen und Schüler erfahren keine religiöse Erziehung mehr. Vor diesem Hintergrund betont das Positionspapier die Notwendigkeit der Konfessionalität im Religionsunterricht. "Evangelischer Religionsunterricht hat erkennbar theologische Grundlagen", heißt es in dem Papier. "Wir geben den Religionsunterricht auf, wenn wir ihn aus seinen theologischen Fundamenten lösen", sagte dazu Oberkirchenrat Harald Bewersdorff. "Wir brauchen eine innerkirchliche Offensive für den Religionsunterricht."

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Samstag, 11. Januar 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 8. Oktober 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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