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    Landessynode 2018

    Was Christen glauben, muss nicht auch für Muslime und Juden bedeutsam sein

    Der Baseler Theologieprofessor Reinhold Bernhardt spricht vor der Landessynode zum Thema Glauben im Kontext religiöser Pluralität.

    Andersglaubenden mit kritischer Offenheit begegnen und zugleich religiöser Engherzigkeit entgegentreten – dazu hat der Baseler Theologieprofessor Reinhold Bernhardt die evangelischen Christinnen und Christen aufgerufen. „Selbstbewusst den eigenen Glauben zu leben und daraus Kraft zu schöpfen für die Auseinandersetzung mit allem, was der radikalen Gnade Gottes entgegensteht“, das sei eine dem evangelischen Glauben angemessene Haltung, sagte er der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland.

    In einem Vortrag zum Thema „Evangelisch glauben im Kontext religiöser Pluralität“ gab er den Mitgliedern der Synode Anregungen für ihre Diskussion über eine theologische Positionsbestimmung für die Begegnung mit Musliminnen und Muslimen, dem Schwerpunktthema dieser Landessynode.

    Bernhardt griff dabei auch die Auseinandersetzung um den Begriff Mission auf, die das Diskussionspapier „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ der rheinischen Kirche vor rund zwei Jahren ausgelöst hatte. „Mission ist nicht als Bekehrung des anderen (des Andersgläubigen), sondern als Bezeugung des eigenen (des eigenen Glaubens) zu verstehen“, sagte er.

    Nicht zuerst scharfkantige Christusbekenntnisse

    Und weiter: „Die ,Mission‘ der Christen besteht nicht zuerst im Aufrichten scharfkantiger Christusbekenntnisse, sondern in der gelebten Christusnachfolge mitten in der Welt.“ Der Grundvorgang der christlichen Mission sei nicht das „Appellieren an andere, sondern die Bereitschaft, selbst immer neu umzukehren zum Grund des Glaubens. Mission wird damit deckungsgleich mit der Glaubenspraxis insgesamt.“

    Dieses Verständnis von Mission stehe nicht im Gegensatz zum Dialog, sondern lebe vielmehr von dialogischen Kommunikationsformen und sei etwa in dieser Form auch gegenüber Jüdinnen und Juden zu praktizieren. Das sei nicht zu verwechseln mit einer ,Evangelisierung unter Juden‘, die von einer Bekehrungsabsicht geleitet sei und auf die die Kirche zu verzichten habe.

    Dialog über den Dialog nötig

    Bernhardt ermutigte die Kirche, den Dialog mit Musliminnen und Muslimen auch weiterhin zu suchen, wobei sie nicht ohne weiteres erwarten könne, dass ihre Absicht auch geteilt werde. „In meinen Begegnungen mit Muslimen in der muslimischen Welt ist mir bewusst geworden, wie sehr das Programm eines Religionsdialogs selbst ein westliches Konzept ist“, sagte er. Deshalb sei immer auch ein Dialog über den Dialog erforderlich.

    In das interreligiöse Gespräch bringen Christinnen und Christen ihre Überzeugung ein, dass sich Gott mit dem Menschen Jesus Christus identifiziert und in ihm offenbart habe. „Diese Offenbarung in Christus ist eine andere als die Offenbarung Gottes im Koran – und übrigens auch eine andere als die Offenbarung auf dem Sinai“, sagte Bernhardt.

    Durch seinen Sohn gesprochen

    Daraus folgt für ihn jedoch nicht, dass auch von unterschiedlichen Göttern die Rede sei. Gott habe immer schon zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedliche Weise geredet. „Zu uns“ habe er durch seinen Sohn geredet: Gottes Wort sei kein zeit- und geschichtsloses Dekret, sondern „eine Anrede, eine Zusage, ein adressiertes Wort“. Das sei Erkenntnis der Reformatoren gewesen und zeichne auch die Barmer Theologische Erklärung, das bedeutsame evangelische Glaubenszeugnis von 1934, aus.

    Dort ist die Rede von „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt ist“. Dieses „für uns“ dürfe nicht als ein „so und nicht anders“ missverstanden werden. Denn was Christinnen und Christen glauben, müsse nicht auch für Juden, Muslime, Angehörige anderer Religionen oder Nichtreligiöse bedeutsam sein.

     

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    Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle / 08.01.2018



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