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Christlich-jüdischer Dialog

Meilensteine der Erneuerung

Der Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ von 1980 war ein wegweisendes Ereignis im Verhältnis von Christen und Juden. Ausschlaggebend hierfür war zunächst die Erkenntnis christlicher Mitverantwortung und Schuld am Holocaust (vgl. den ersten Bekenntnissatz der Erklärung: „Wir bekennen betroffen die Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust.“)

Vor allem folgende theologische Gründe waren es, die die Synode der EKiR dazu veranlasst haben, sich „der geschichtlichen Notwendigkeit“ zu stellen,„... ein neues Verhältnis der Kirche zum jüdischen Volk zu gewinnen.“ Der Schwerpunkt des Beschlusses liegt auf dem Bekenntnis zum niemals gekündigten Bund Gottes mit seinem Volk Israel. Er wehrt damit der falschen judenfeindlichen Tradition von der Ersetzung des alten Bundes Gottes mit Israel durch einen neuen Bund in Jesus Christus, der dann mit der Kirche und der Menschheit geschlossen wäre.

  • Der Beschluss stellt demgegenüber das Bekenntnis zu dem Gott Israels, dem Vater Jesu Christi, in den Zusammenhang Seiner bleibenden Treue zu dem einen Bund Gottes mit Israel und erkennt, dass „... die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk (Israel) hineingenommen ist.“ [BS 37, 4 (4)].
  • Christologisch hält der Beschluss die unlösliche Verbundenheit Jesu von Nazareth mit seinem Volk Israel fest: Christen bekennen sich „zu Jesus Christus, dem Juden“, der nur als der verheißene „Messias Israels“ der Versöhner und Erlöser, d.h. „... der Retter der Welt ist und die Völker der Welt mit dem Volk Gottes (Israel) verbindet.“ [BS 37, 4 (3)].
  • Die Ersetzung Israels durch die Kirche als das so genannte „wahre Gottesvolk und wahre Israel“ war eng mit der traditionellen Reihenfolge von „Gesetz und Evangelium“ verbunden. Demgegenüber folgt der Beschluss der im Kirchenkampf gewonnenen Erkenntnis (Barmen II) von der biblisch zunächst notwendigen Umkehrung zur Reihenfolge „Evangelium und Gebot“ bzw.„Bund und Tora“ und bekennt sich zu den mit den Juden gemeinsamen Weisungen Gottes:„Wir glauben mit den Juden, dass die Einheit von Gerechtigkeit und Liebe das geschichtliche Heilshandeln Gottes kennzeichnet. Wir glauben mit den Juden Gerechtigkeit und Liebe als Weisungen Gottes für unser ganzes Leben.“ [BS 37, 4 (5)].
  • Der Beschluss sieht die Verbundenheit von Synagoge und Kirche in ihrem gemeinsamen Bekenntnis zu Gott als dem „Schöpfer des Himmels und der Erde“ gegeben. Darüber hinaus ist sie zugleich darin begründet,„... dass wir als von demselben Gott durch den aaronitischen Segen Ausgezeichnete im Alltag der Welt leben.“ [BS 37, 4 (8)].
  • Nicht zuletzt sind Juden und Christen eschatologisch durch das Bekenntnis zur „gemeinsamen (messianischen) Hoffnung eines neuen Himmels und einer neuen Erde“ verbunden und bekennen den Heiligen Geist als „... die Kraft dieser messianischen Hoffnung für das (gemeinsame) Zeugnis und das Handeln von Christen und Juden für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.“ [BS 37, 4 (8)].

Der Synodalbeschluss hatte zunächst innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland erhebliche Wirkungen.

  • Organisatorische Konsequenzen: In den rheinischen Kirchenkreisen gibt es heute Beauftragte für das Gespräch zwischen Christen und Juden. In einzelnen Regionen gibt es entsprechende intersynodale Arbeitskreise, die ständig an der praktischen Umsetzung und an der Fortentwicklung des Synodalbeschlusses arbeiten. Die Landeskirche hat einen Ausschuss „Christen und Juden“ einberufen und das Landespfarramt für christlich jüdischen Dialog im Landeskirchenamt (bis 2010: Studienstelle „Christen und Juden“) eingerichtet. An die Kirchliche Hochschule Wuppertal werden regelmäßig jüdische Gastdozentinnen und Gastdozenten berufen. Bei der ständigen Überprüfung von Methodik und Didaktik im Religionsunterricht und in der Konfirmandenarbeit werden Implikationen des Beschlusses bedacht. Im Zusammenhang der Examensreform hat der Synodalbeschluss Berücksichtigung gefunden und gehört seit der Neufassung der Prüfungsordnung für die Erste und Zweite Theologische Prüfung (30.04.2004) zum Stoffplan beider theologischen Prüfungen im Rheinland, was eine angemessene Berücksichtigung in beiden Ausbildungsphasen nach sich zieht. Im Rahmen der Fort- und Weiterbildung der EKiR (Pastoralkolleg und Ev. Akademie Rheinland) hat das christlich-jüdische Gespräch seinen festen Ort gefunden.
  • Rechtliche Konsequenzen: Im Jahr 1987 hat die Synode mehrere Artikel der Kirchenordnung geändert: Die Aufgaben der Kirchengemeinden, der Kirchenkreise und der Landessynode werden um die Beteiligung und Förderung des „... der Kirche gebotenen christlich-jüdischen Gesprächs...“ bzw. „... die Pflege der Verbundenheit der Kirche mit dem Volk Israel...“ erweitert [Art 5, 140 u. 169 KO (alt)]. Ferner werden in den Bestimmungen über die Missionswerke das Volk Israel aus „... dem Auftrag Jesu, alle Völker in seine Jüngerschaft zu rufen...“ herausgenommen [Art 215 KO (alt)].
  • Ergänzung des Grundartikels der Kirchenordnung: Die wichtigste Folgerung für das grundlegende Selbstverständnis der Kirche aus dem Synodalbeschluss von 1980 zieht die Synode im Jahr 1996 durch die Veränderung des Grundartikels ihrer Kirchenordnung. Am Ende des ersten Abschnitts sind die Sätze angefügt worden: „Sie (die Evangelische Kirche im Rheinland) bezeugt die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde“. Innerhalb des ersten Abschnitts der Kirchenordnung, der die Bekenntnisgrundlagen der Kirche umfasst, folgen diese beiden Sätze nun unmittelbar auf die Nennung der reformatorischen Bekenntnisse und der Theologischen Erklärung von Barmen und der Zitation des Artikels VII des Augsburgischen Bekenntnisses. Mit dem ersten Satz wird die Zentralaussage aus dem Synodalbeschluss von 1980 zum festen Bestand des Bekenntnisses erhoben und zugleich die Jahrhundert alte Vorstellung von der Verwerfung und Ersetzung Israels durch die Kirche als das „wahre und neue Israel“ endgültig ausgeschlossen.

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