Landessynode 2014
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Blick ins Plenum der Landessynode 2014 am Freitagmorgen. Blick ins Plenum der Landessynode 2014 am Freitagmorgen.

Christen und Muslime

Was wir gemeinsam sagen können

Darf man Muslime missionieren? Das Verhältnis von Christen und Muslimen ist Thema des ekir.de-Doppelinterviews mit den Kirchenleitungsmitgliedern Ökumene-Chefin Barbara Rudolph und Hartmut Rahn, Vertreter der Gemeinschaftsbewegung.

Irgendwo mitten in den diesjährigen Synodenunterlagen findet sich ein Satz, greifen wir ihn heraus, er lautet: „Das Nein der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Judenmission wird für den Islam weitergedacht.“ Hartmut Rahn, ist dieser Satz irritierend?

RAHN: Er ist zumindest insofern irritierend, als er missverständlich aufgefasst werden kann. Wir haben in Bezug auf das Verhältnis Christen und Juden gesagt, wir wollen keine Judenmission betreiben, weil das theologisch aus unserer Sicht nicht haltbar ist. Sollte das nun auch für den Islam weitergedacht werden, wäre das so gemeint, dann wäre es in der Tat irritierend. Aber ich denke, der Satz ist einfach missverständlich formuliert, denn das ist ja nicht die Position der rheinischen Kirche.

Barbara Rudolph, ist dieser Satz missverständlich formuliert?

RUDOLPH: Es gibt Menschen, die diesen Satz missverstanden haben. Allerdings ist er ein ganz verständlicher Satz, wenn man den Beschluss der Landessynode 2005 kennt. Da heißt es: den Synodalbeschluss zum Verhältnis von Christen und Juden vor 25 Jahren weiterdenken! Das heißt: Im Jahr 1980 haben wir unser Verhältnis zum Judentum neu geordnet. 25 Jahre später haben wir dann festgestellt, wir müssen an einigen Stellen weiterdenken. Eine Frage war: Wie ist das eigentlich mit dem Land? Das Verhältnis von Israelis und Palästinensern hat sich unglaublich zugespitzt, weil die Besiedlung immer weiter gegangen ist. Da können wir nicht mehr einfach so weiterreden wie im Jahr 1980. Eine zweite Frage: Wie ist es eigentlich mit der Liturgie, vor allem mit den Liedern, die zum Teil eine israelfeindliche Theologie verbreiten. Das Dritte: Wir müssen weiterdenken in der Frage der Konsequenz des Neins zur Judenmission. Wie geht das im Verhältnis zu den anderen Religionen? Das ist Weiterdenken – von dem damaligen Synodenbeschluss weiterdenken.

Lassen Sie uns kurz rekapitulieren: Warum sagen wir Nein zur Judenmission?

RUDOLPH: Wir haben zu den Juden ein ganz besonderes Verhältnis, weil Jesus Christus selbst Jude gewesen ist. Und weil wir an den einen Gott glauben. Im weiteren Nachdenken über den Beschluss von 1980 sagen wir: Juden missionieren wir nicht. Mit Juden führen wir einen Dialog. Wir lesen mit ihnen gemeinsam dieselben Heiligen Schriften.

Kann man es ganz einfach sagen: Die EKiR sagt Nein zur Mission von Muslimen – oder nicht Nein?

RUDOLPH: Das kann man nicht einfach beantworten. Es gibt unterschiedliche Meinungen in unserer Kirche. Es gibt Befürworter und Gegner. Wir bereiten gerade – und das heißt auch weiterdenken – eine neue Arbeitshilfe zum Verhältnis der Christen und Muslime vor. Sie heißt „Weggemeinschaft und Zeugnis“ und wird der nächsten Synode zur Beratung vorgelegt. Zunächst wird das Thema in den synodalen Ausschüssen beraten. Wir werden danach suchen, was wir gemeinsam sagen können und sprechen auch über Trennendes. Die unterschiedlichen Haltungen gehören zu unserer Kirche.

Hartmut Rahn, was spricht für die Mission von Muslimen?

RAHN: Zunächst einmal muss man sagen, was wir unter Mission verstehen. Schon da gibt es sehr unterschiedliche Standpunkte. Ich möchte es mit einem persönlichen Beispiel sagen: Ich habe vor einigen Jahren den Süden Tansanias besucht, wo über 90 Prozent Muslime leben. Wenn man den dort lebenden Christen sagen würde, ihr dürft Mitbürgern nicht von eurem Glauben erzählen, warum ihr Christen seid und was das für euch bedeutet, dann würden sie uns völlig verständnislos anschauen. Das würden sie nicht begreifen. Wenn wir Mission also vor allem auch so verstehen, dass wir bezeugen, was wir selber glauben, was uns wichtig ist, dann ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass wir dieses auch gegenüber Muslimen bezeugen. Leider ist der Begriff Mission historisch belastet. Es gab Zwangsmissionierungen. Das haben viele Menschen im Hinterkopf. Aber was für mich wichtig ist als Christ, was für mich christlicher Glaube bedeutet, dass ich das anderen weitersage, da mache ich keinen Unterschied, ob es ein Muslim ist, oder ein Agnostiker, oder was auch immer.

RUDOLPH: Genau in diese Richtung geht die Entwicklung in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Unser Vorgängerpapier hieß noch „Dialog und Mission in der Begegnung mit Muslimen“. Jetzt heißt es „Weggemeinschaft und Zeugnis“. Eigentlich dieselben Gedanken, nur anders formuliert. Denn: Manche Begriffe drohen zu verallgemeinern – wie das Wort Dialog. Andere verkanten sich zu sehr – wie das Wort Mission. Zeugnis abzulegen ist eine der Grundaufgaben christlichen Glaubens. Wir wünschen uns ein christliches Zeugnis gegenüber Muslimen. Viele Gemeindeglieder sind viel zu scheu über ihren Glauben zu reden. Aber es ist notwendig, dass türkische, marokkanische oder bosnische Muslime im Alltag auch wirklich erleben, wie Christen ihr christliches Leben leben. Was wir ablehnen, ist eine strategische Mission von Muslimen hier in Deutschland. Wir sagen: nicht um Jesu Christi Vertrauen zerstören. Aber um Jesu Christi Willen Zeugnis ablegen. Das ist der Unterschied zwischen einer Kampagne und dem Zeugnis. Da sind wir im Rheinland allerdings unterschiedlich unterwegs. Ich kenne auch rheinische Christinnen und Christen, die Kinderjungscharen machen und versuchen, türkische Kinder zum christlichen Glauben zu bekehren. Das halte ich nicht für einen hilfreichen Weg.

RAHN: Mit dem Begriff „strategische Mission“ kann ich nicht so viel anfangen. Und ich denke, es gibt auch wirklich akzeptable Angebote für Kinder. Ich glaube, man muss genau auf den Einzelfall schauen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 16. Januar 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. Januar 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Anna Neumann / 17.01.2014



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