Einstieg
Landessynode 2010

Mit der Realität auseinandersetzen

Eine „juristische Rumeierei“ des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in Bezug auf die Situation in Afghanistan sieht der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider.

Präses Nikolaus Schneider während der Eröffnungspressekonferenz der Landessynode. LupePräses Nikolaus Schneider während der Eröffnungspressekonferenz der Landessynode.

„Ich spüre eine gewisse Unsicherheit in der Öffentlichkeit“, sagte er auf der Eröffnungspressekonferenz zur Diskussion um die Äußerungen zu Afghanistan der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Dies erkenne er auch in den „überzogenen Reaktionen, wie auf Margot Käßmann eingeprügelt“ wurde. Man müsse sich mit der Realität auseinandersetzen. Der Auslandseinsatz der Bundeswehr bestehe eben nicht nur im Bohren von Brunnen, so der Präses.

„In Afghanistan ist Krieg, und die Bundeswehr kämpft mit der Waffe gegen den Terror der Taliban“, sagte Schneider. Deswegen sei der Bundestag aufgefordert, bei der nächsten Beauftragung der Bundeswehr in Afghanistan gleichzeitig eine Beauftragung der zivilen Kräfte vorzunehmen. Der Bundestag solle das Zivile benennen und klar machen, dass das Militärische dem Zivilen zu dienen habe, forderte Schneider. Mit Hilfe eines solchen Vorgehens werde klar, wie viel Geld für das Militärische ausgegeben wird.

Schneider erinnerte an den Ausgangspunkt der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖKR) ,Krieg soll nach dem Willen Gottes nicht sein`. Bei jedem Kompromiss mache man sich auch schuldig, erklärte er.

Korrektur beim Kindergeld

Im Hinblick auf Kinderarmut und Kindergeld sieht der Präses „erheblichen Korrekturbedarf“. Er bevorzuge die „Finanzierung in Institutionen“. Als Pfarrer habe er in Gemeinden mit sozialem Brennpunkt erfahren, dass Kindergeld oft nicht bei den Kindern ankomme. Fatal sei jedoch, wenn die Familien gegen das System ausgespielt werden, denn das System solle die Familien stützen.

Solidarisch mit Margot Käßmann

Zum Verhältnis der evangelischen Kirche zur russisch-orthodoxen Kirche erinnerte Schneider an die Vertreter der rheinischen Landeskirche, die in der 1950er Jahren nach Moskau geflogen sind, um Gespräche mit der russisch-orthodoxen Kirche anzufangen. Damals seien sie von beiden Seiten beschimpft und mit Misstrauen bedacht worden. Aber „sie haben vor 60 Jahren ein zartes Pflänzchen gepflanzt und gehegt.“ Es sei schmerzhaft, wenn dieser Dialog nicht mehr möglich sei, weil der Patriarch mit der obersten Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht zusammentreffen wolle. Als Vertreter der Ratsvorsitzenden der EKD werde er „aus Solidarität mit Margot Käßmann“ auf jeden Fall nicht nach Russland fahren.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 18. Februar 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 18. Februar 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / pas / 18.02.2010



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