Presbytertag

Starkes Stück Kirche

Evangelisch heiraten, geht, logo. Evangelischen Gottesdienst feiern, evangelischen Kirchentag besuchen - geht alles. Aber was soll bitte dies sein: "evangelisch telefonieren"?!

Blumen sagen mehr als tausend Worte: Der Dank an die Presbyterinnen und Presbyter beim Presbytertag war zum Anfassen und Mitnehmen. LupeBlumen sagen mehr als tausend Worte: Der Dank an die Presbyterinnen und Presbyter beim Presbytertag war zum Anfassen und Mitnehmen.

Die Erfinderin dieser Kommunikationsform ist Presbyterin, nimmt am Forum 6 "Verantwortlich leiten und entscheiden" des 3. Tags rheinischer Presbyterinnen und Presbyter teil, die Debatte im Workshop hat sich zugespitzt auf eine Sündenbock-Frage. Genauer: Ob Fachleute in Presbyterien manchmal untergründiges Gebrummel ernten, etwa gegen ihr ordentlich vorgelegtes Zahlenwerk. Ob es interne Konflikte auslöst, wenn beispielsweise via Telefon Dinge bilateral vorbesprochen werden. Und da meldet sich besagte Presbyterin: "Ich behaupte, ich kann evangelisch telefonieren." Lacher, viele Lacher, dann ihre Erläuterung: "Wenn ich entdecke, dass etwas für die Gemeinde gut ist, dann rede ich darüber, vielleicht nach dem Gottesdienst, oder ich telefoniere." Klar wird, Presbyteriumssitzungen leben von Transparenz, Telefonate dürfen stattfinden, werden aber klugerweise nicht geheim gehalten, sondern berichtet - und dann klappt es auch wieder und weiter mit der Beteiligungskirche.

"Generalist, Spezialist, Lobbyist oder ...?" heißt der Workshops 6.1, kreist um die Frage, zu welchem Typ sich die Teilnehmenden rechnen und welches Selbst- oder Rollenverständnis sie in ihr Ehren- und Leitungsamt in der Kirchengemeinde einbringen. "Generalist" - dem wird sich die Mehrheit der Teilnehmenden zurechnen, gemeint ist eine Haltung der Verantwortung für die gesamte Gemeinde, inklusive Beteiligung aller an den Entscheidungen. "Spezialist", hiermit ist ein etwas anderes Rollenverständnis gemeint, etwa die Bauingenieurin, die als Baukirchmeisteirn mitarbeitet und darauf setzt, dass die anderen Presbyteriumsmitglieder ihren fachlich-sachlich vorgearbeiteten Entscheidungen gern folgen. Prompt fragt eine Teilnehmerin flapsig, ob dann "Lobbyist" das Mitglied ist, das Spezialist ist - "nur ohne Fachkenntnisse"? Lacher, viele Lacher.

Gelungen: Der Presbytertag dient auch dem Austausch der Presbyter untereinander. Bild-LupeGelungen: Der Presbytertag dient auch dem Austausch der Presbyter untereinander.

"Lobbyist" - die oder der ist einfach kämpferischer, wird dieser Prototyp näher beschrieben. Pfui? Nur vier der vierzig Teilnehmenden schließen sich für eine knappe Stunde dieser Unterarbeitsgruppe an. Pfarrer werden schon mal als "sehr bestimmend" erlebt, von fehlender Augenhöhe ist die Rede. Ein anderer Mann sagt, wer sich für seinen Bezirk einsetzt, wird schon mal als Lobbyist empfunden und stößt damit auf Ablehnung. Sein Fazit: "Der Lobbyist ist nicht gern gesehen." Das scheint auch für manche Gemeindegruppe zu gelten, wird in der späteren Diskussion deutlich - auch eine Gemeindegruppe wird schon mal als Lobbygruppe empfunden, die dem Presbyterium das Leben schwer macht. Vor allem nach schwerer Entscheidung. Vor allem beispielsweise nach einem Schließungsbeschluss. 

Die Frau in dieser Runde bricht eine Lanze für ein positives Bild: "Ich bin vom Typ her Lobbyist - ich finde, man muss für seine Anliegen kämpfen." Dafür sei man schließlich gewählt. Ihr Nebenmann entwickelt diese Formulierung: "Ich bin Lobbyist für eine konstruktive vernünftige Presbyteriumsarbeit." Schöne Vorlage, die Gruppe beginnt, Kritierien für eine konstruktive Presbyteriumsarbeit zu sammeln. Diese Stichworte fallen: Einmütigkeit. Gleichberechtigung zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Presbyterinnen und Presbytern. Partnerschaftlichkeit. Vertrauensvolle Delegation von Aufgaben an kleine Arbeitskreise.

Die Debatte der "Lobbyisten" dreht sich weiter, kreist um das Verhältnis von Presbyterium und Gemeinde, auch um die Frage, wann und wie die Gemeinde über Entscheidungen des nichtöffentlich tagenden Presbyteriums informiert wird, dass manchmal Interna ausgeplaudert werden, dass manchmal folgenschwere Beschlüsse für Unruhe sorgen. Und dann wollen alle ganz genau voneinander wissen, wie der Gottesdienstbesuch ausfällt, hier 25 bis 80, dort 70 bis 80, in einer Hauptkirche mit benachbarter größerer kirchlicher Institution geht es bis 150. "Ich finde es unheimlich schwierig, jüngere Leute in die Kirche zu kriegen", seufzt die Presbyterin, der moderierende Gemeindeberater hakt nach, ob die Presbyterien Lobbyisten für den Gottesdienst haben, was nicht in großem Stil der Fall zu sein scheint. Ja, Austausch ist eines der zentralen Ziele des Presbytertags.

Vergnügt auf dem Weg in die acht Foren. Bild-LupeVergnügt auf dem Weg in die acht Foren.

Die Vierzig kommen wieder zusammen, berichten einander ihre Ideen. Klar wird: "Spezialisten" sind Frauen und Männer der Tat, wichtig durch ihr Fachwissen, hilfreich im Kampf um Fehlervermeidung. Vielleicht hapert es schon mal an ihrer Überzeugungsarbeit, aber der Gemeinde bringen sie Reputation. "Generalist" ist häufig eine Einsteigerrolle, in kleinen Presbyterien eine Daueraufgabe. Gefragt wurde, ob Generalisten überall mitmischen wollen - und von nichts einen Ahnung haben. Ja, genau, Lacher.

Zurück zur Sachebene: "Generalist", erläutert eine Teilnehmerin, ist der "gute Grundstock des Presbyteriums", er vermittelt, wenn Lobbyisten schonmal die Ellenbogen ausfahren, und behält den Überblick, wenn die Spezialisten die Scheuklappen aufsetzen. Dass es eine vierte, offene Gruppe gab, ist noch festzuhalten, nicht zuletzt weil eben auch feststeht, dass nicht alle Presbyteriumsmitglieder einem Typ zuzuordnen sind.

Und wenn es nun aber doch verschiedene Charaktere gibt, wie kann die gemeinsame Arbeit funktionieren, wie kann man "verantwortlich leiten und entscheiden"? Bei wichtigen Themen im Zweifel eine "zweite Lesung" bzw. über der Entscheidung einmal schlafen, lautet einer der Tipps aus der Gemeindeberatung, der andere: Kontroversen zulassen, "aber wertschätzend", wie eine Teilnehmerin ergänzt. "In den Schuhen des anderen gehen", um einander besser zu verstehen. Wenn nichts mehr geht, Hilfe von außen holen. Aber auch ein ganz einfacher Rat: Schon vor Sitzungen gut informieren, bei Fragen ggf. vorher anrufen und schon mal schlau machen. Klar, da wirft jemand noch ein Zitat in die Runde: "evangelisch telefonieren".

Full House: Rund 800 Presbyterinnen und Presbyter waren in die Bonner Beethovenhalle zum 3. Tag rheinischer Presbyterinnen und Presbyter gekommen. LupeFull House: Rund 800 Presbyterinnen und Presbyter waren in die Bonner Beethovenhalle zum 3. Tag rheinischer Presbyterinnen und Presbyter gekommen.

"Wir übernehmen Verantwortung und das ist gut so", hatte am Morgen die Bonner Presbyterin Dorothea Geffert gesagt. "Ich bin eine von Ihnen", erklärte sie weiter in der Begrüßung, die sie gemeinsam mit dem Bonner Superintendenten Eckart Wüster übernommen hatte. Dieser hieß im "schönen, heute leider verregneten Bonn" willkommen. "Sie alle stehen heute im Mittelpunkt", sagte Wüster weiter. Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch betonte u.a. die Bedeutung des Presbyteramts als "hervorragendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement", bevor Vizepräses Petra Bosse-Huber die Teilnehmenden geistlich in den Tag sandte.

An Gefühle wie Stolz und Freude zu Beginn ihrer Presbyteriumsamtszeit erinnerte Präses Manfred Rekowski zu Beginn seiner Predigt im Abschlussgottesdienst des Presbytertags, an Aufbruchstimmung und feste Vorhaben, an das beflügelte Gefühl, Neuland zu betreten. Sodann sprach der Präses davon, dass manche und mancher in späterer Zeit so etwas wie Erschöpfung, Enttäuschung, Ernüchterung kennengelernt haben könnte. 

Zusage der aufgehenden Sonne der Gerechtigkeit

Auch die Bibel erzähle von beidem, von Aufbruch und Vorfreude, aber auch von Enttäuschung und Missvergnügen. Und so predigte der Präses über Maleachi 3, 20a, erinnerte an die Enttäuschung des Volkes Israel nach der Rückkehr aus babylonischer Gefangenschaft, u.a. wegen brachliegenden Landes. Sodann ermunterte der Präses die Presbyterinnen und Presbyter mit den Worten des Propheten: "Euch aber soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln."

Mittags, in der Pressekonferenz zum Presbytertag, bezeichnete der Präses das Engagement der Presbyterinnen und Presbyter als "starkes Stück Kirche" und dankte ihnen dafür . "Wir wissen, dass wir den Presbyterien wirklich viel verdanken", sagte Rekowski weiter. Im Blick auf das Wort Laien meinte er: "Wir erleben an einem Tag wie heute: Es sind alles Profis." Sie müssten viel wegstecken in Zeiten wie diesen, in denen es häufig um das Aufgeben von Aufgaben geht.

Reichtumsbericht der Kirche

Vizepräses Petra Bosse-Huber, als Abteilungsleiterin zuständig für Ehrenamt und Presbyterien, zählte die Arbeit der Presbyterien zum "Reichtumsbericht unserer Kirche". Die Abteilung unterstütze die Presbyterinnen und Presbyter nach Kräften, u.a. durch Fortbildungen, die Publikation "EKiR.info", die Gemeindeberatung und eben den Presbytertag. Besonders freue sie sich über die Nachfrage nach geistlicher Orientierung und Theologie. Fast die Hälfte der Anmeldungen galten Foren zu geistlichen Themen, also Gottesdienst, Spiritualität und das Leitbild der missionarischen Volkskirche.

Nachfragen im Pressegespräch betrafen die Bewährung der auf vier Jahre halbierten Amtszeit. Der Präses erklärte dazu, die Erfahrungen würden noch ausgewertet, womöglich sei die Entscheidung nicht gut. Auf der Tagesordnung steht demnach auch der "heikle Punkt", so Rekowski, dass in knapp der Hälfte der Kirchengemeinden keine Presbyteriumswahlen stattfanden, hier dürfe es allerdings keinen Schnellschuss geben.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Samstag, 9. März 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 11. März 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 09.03.2013



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