Regionalkonferenz

Protokoll

Regionalkonferenz am 16. Juli 2011, 9 Uhr, in Köln

Anwesend: ca. 130 Mitglieder von gemeindlichen und kreiskirchlichen Gremien

Begrüßung, geistlicher Impuls und kirchenpolitische Einordnung Oberkirchenrat Immel

Moderation Superintendent Zimmermann

1. Personalplanung
Kirchenrat Pfarrer. Dr. Lehnert führt in die Überlegungen ein und berichtet über die Voten der Ständigen Ausschüsse zu den Überlegungen.

Vorläufige Beratungsvorlag Kirchliche Personalplanung

Es wurden folgende Rückfragen gestellt und Voten aus dem Plenum abgegeben:
Welche Argumente werden vom Theologischen Ausschuss für den Wunsch nach Verschiebung angegeben?

Es sind bereits an unterschiedlichen Stellen Diskussionen zur Personalplanung erfolgt. Sind diese, wie z.B. aus der Veranstaltung in Düren, bereits in die aktuelle Vorlage mit einbezogen?

Ist die Funktion der Befähigung der Mitarbeitenden in den Überlegungen einbezogen? Sind dabei auch die Honorarkräfte im Blick?

Kann mit dem Epheser-4-Modell wirklich sichergestellt werden, dass hauptamtliche Mitarbeitende auf der Ebene der Kirchengemeinde präsent sind?

Woraus ergibt sich, dass es nur geht, wenn die Kirchengemeinde zustimmt?

Es ist angedacht, dass die hauptamtliche Kraft koordiniert. Ist hier nicht eine große Fluktuation zu erwarten und dadurch eine Verlagerung von Arbeit auf Ehrenamtliche die Folge? Wie kann diese Gefahr der daraus folgenden Überbelastung der Ehrenamtlichen verhindert werden?

Wir pflegen den Mythos der allzuständigen und alles selbst regelnden Kirchengemeinde, obwohl lokal nicht mehr alles lösbar ist. Nun ist vorgesehen, dass wir Geld für Hauptamtliche ausgeben, bei denen die Gefahr besteht, dass in den Kirchengemeinden keine Leistung ankommt. Richtig ist, dass es weiter bröckelt, wenn wir nicht handeln. Manche Kirchengemeinden kooperieren schon lange, um dieses zu verhindern. Wie hilft die Vorlage konkret weiter?

Die Stellenüberleitung ist nur bei Übereinstimmung der Kirchengemeinde mit dem Kirchenkreis möglich. Ist das nur bei bestehenden Arbeitsverhältnissen oder auch bei Neueinstellungen vorgesehen?

Es gibt Kirchengemeinden, bei denen läuft die Arbeit auch mit unterschiedlichen hauptamtlichen Mitarbeitenden sehr gut. Wir haben nicht überall eine Pastorenkirche. Es gibt viele Mitarbeitende unterschiedlicher Berufe. Von denen sind aber auch erhebliche Anteile fremdfinanziert. Ist das mal dargestellt worden?

Es bestehen grundsätzliche Bedenken gegen das Verfahren der Beteiligung durch Regionalkonferenzen und Internetforum. Diese Beteiligungsformen sind eine Erfindung der Kirchenleitung. Es fehlt das Vertrauen, dass die Beteiligung an der Regionalkonferenz nicht als Akzeptanz des Verfahrens verstanden wird und darauf basierend ein Mittragen der Vorlage angenommen wird. Das ist nicht gewollt. Es wäre besser, die Überlegungen offen anzufangen und darauf basierend diese weiter zu einem Vorschlag einzuengen. Danach müsste ein geordnetes Verfahren mit den von unserer Ordnung vorgesehenen Gremien stattfinden.

In Epheser 4 geht es um Dienste und nicht um Mitarbeitende. Ein Modell zur Sicherung von Mitarbeitendenstellen kann sich daher nicht darauf beziehen.

Finde es gut, dass wir zusammensitzen und auch Presbyterinnen und Presbyter, die nicht zu Synoden delegiert sind, sich aktiv an der Diskussion beteiligen können. Nicht immer gelingt es den Synodalen das in den Synoden zu vermitteln, was wir aus Sicht des Presbyteriums gerne hätten. Diese Möglichkeit der offenen Beteiligung sollte man positiv wahrnehmen.

Es ist gut, was in der Vorlage zur Personalplanung steht. Wir teilen uns heute schon vieles. Dieses sollte allgemein im Miteinander möglich sein. Bedauerlich ist, dass dafür zusätzliche Regelungen benötigt werden. Konzeptionen auf Ebenen oberhalb der Kirchengemeinde dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Es wäre besser es so zu begrenzen, dass diese Konzeptionen auf Kirchenkreisebene möglich sind, wenn die Kirchengemeinden sie wollen.

Es besteht der Wunsch, dass wir darauf vertrauen, was z.B. im Hinblick auf die Offenheit des Prozesses gesagt wird. Unklar ist, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Problematisch ist der Zeitdruck des Beratungsverfahrens. Warum finden so viele Prozesse parallel statt? Dieses erscheint nicht zufällig. Daher wird das Verfahren als intransparent angesehen. Wir erleben ausreichende Strukturen und Anpassungsprozesse vor Ort. Warum muss in diese Prozesse steuernd eingegriffen werden.

Der Blick auf Epheser 4 ist hilfreich. Damit sollten wir uns auch beschäftigen, wenn wir nicht über Sparmaßnahmen reden. Es gibt Schwierigkeiten die Zukunftsfähigkeit zu gestalten. Bei der Gestaltung muss viel Wert auf Freiwilligkeit liegen. Es sollte kein Zwang ausgeübt werden. Kann Presbyterium in Zukunft über einen Regionalausschuss und eine kreiskirchliche Konzeption zu Dingen genötigt werden? Dieses wäre falsch. Andererseits muss man aber auch feststellen, dass Freiwilligkeit im Hinblick auf Zusammenarbeit nicht unbedingt klappt. Zwang erscheint dann aber auch nicht als das richtige Mittel und wäre in einem solchen Fall erst recht schädlich. Zurzeit entscheidet bei frei finanzierter hauptamtlicher Arbeit das jeweilige Presbyterium allein. Zukünftig zieht jemand anderes diese Entscheidung an sich und stellt einen Mitarbeitenden für die Arbeit in der Kirchengemeinde an. Wie wird sichergestellt, dass die angestellte Person dahin passt wo sie die Arbeit machen soll? Wie werden Besonderheiten in den Kirchengemeinden geschützt? Die inhaltliche Profilierung von Kirchengemeinden kann durch den Zwang zur Zusammenarbeit zerstört werden.

Durch Zwänge wird die inhaltliche Profilierung von Kirchengemeinden den Bach heruntergehen. Daher muss vorgesehen werden, dass Ausnahmen möglich sind. Eine Pflicht zur Beratung und zur Diskussion um Zusammenarbeit zu erreichen ist sinnvoll, eventuell auch das Ausüben von Druck. Die Unterstützung der Überlegungen auf der Regionalkonferenz reicht nicht aus. Die Fragen sind auch in Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zu diskutieren, da durch eine gesetzliche Regelung der Druck erhöht wird. Es hilft nicht, wenn einer unter Druck klein bei gibt. Die Ehrenamtlichen leisten ihre Arbeit freiwillig. Es kommt zu Problemen, wenn die Zusammenarbeit von oben aufgedrückt wird. Für Veränderungen ist Überzeugungsarbeit notwendig. Sonst haben wir zwar das Beste gewollt, aber dieses wird nicht angenommen.

Der eingeschlagene Weg ist nicht zielführend, da Empowerment nicht von oben funktioniert. Der gewählte Weg ist falsch, die Motive, die vor Ort zu den Anträgen führten, aufzunehmen und so in Arbeitsaufträge umzusetzen. Die dadurch entstandenen zielführenden Vorabbeschlüsse sind kontraproduktiv, da sie Positives verhindern. Die positive Kraft hätte in Workshops mit Best Practice investiert werden sollen. Die Ergebnisse daraus müssten wir uns anschauen, um dann daraus für uns Passendes weiterzuentwickeln. Daraus könnte ein konstruktiver Diskussionsprozess entstehen. Warum wird nicht Konkretes ausgetauscht? Wird das nicht wahrgenommen, dass überall Anpassungsprozesse laufen?

Das Abbröckeln von Arbeitsfeldern ist real wahrzunehmen. Es gibt weniger Vollzeitstellen für Mitarbeitende. Die Kirchenleitung steht von Seiten der Mitarbeitenden unter Druck. Es ist weniger Geld vorhanden. Das heißt, dass es auf jeden Fall zu einer Reduzierung von Arbeitsfeldern kommt und dieses zu einem Abbau der Mitarbeitendenstellen führt. Durch die vorgesehenen Maßnahmen wird nicht eine konkrete Stelle gesichert, sondern auf die Sicherung von Vollzeitstellen abgehoben. Wenn der Küsterdienst schon jetzt ehrenamtlich organisiert ist, warum sollen wir dann einen hauptamtlichen Mitarbeiter dafür beschäftigen und wovon sollen wir das bezahlen? Wir haben auch jetzt Mitarbeitende in unterschiedlichen Berufen, die aus eigenem Interesse nicht in einer Vollzeitstelle arbeiten. Wir nehmen uns durch die Festlegung auf Vollzeitstellen Flexibilität.

Der Fokus muss auch auf das Ehrenamt gelegt werden. Bleiben wir dabei, dass alles in einer Kirchengemeinde machbar ist? Diese Arbeit muss getan werden. Die Gefahr ist, dass die dann dazu notwendigen ehrenamtlich Mitarbeitenden dazu keine Lust mehr haben. Es geht nicht nur um Befähigen zur Mitarbeit, sondern viel mehr um das Motivieren zur Mitarbeit und deren Begleitung. Dieses kommt in Ausbildung nicht vor. Das haben die Hauptamtlichen nicht gelernt.

Es ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Gremien der unterschiedlichen Ebenen festzustellen, obwohl die jeweiligen Synoden durch Delegierte aus den anderen Gremien gebildet werden. Die Landessynode 2012 muss daher noch mal einen Schritt zurück machen und die eigenen Beschlüsse von 2011 und 2009 zur Personalplanung überdenken. Alle vorgelegten Modelle führen zu einer Verkomplizierung und Verteuerung der Arbeit. Von wem soll die Planung und Entwicklung auf kreiskirchlicher Ebene durchgeführt werden? Es besteht die Gefahr, dass wir nur noch Binnenkommunikation führen, statt unserer Aufgabe der Außenkommunikation nachzukommen. Sicherlich reden wir zu wenig mit unseren Nachbarn. Ein regelmäßiger Austausch ist wichtig und muss sichergestellt werden. Dieses darf aber kein Austausch unter Zwang sein.

Glauben wir an die Funktionsfähigkeit der presbyterial-synodalen Ordnung? Wenn wir dieses glauben, benötigen wir keine Regelungen, da alles vom Gemeinsinn getragen wird. Ansonsten muss alles geregelt werden. Dazu brauchen wir dann ein Mehr an Meinungsbildung, Diskussion und Entwicklung. Dieses muss bei Beratungen auf Synoden möglich sein.

Die Betrachtung der Personalentwicklung und dieses festzuschreiben ist rückwärts gewandt und bietet keinen Raum für Zukunftsentwicklung und Neues. Die Lobbyvertreter sorgen für ihre Arbeitsfelder. Eine inhaltliche Diskussion über die Arbeitsfelder erfolgt nicht. Wir nehmen uns die Möglichkeiten der Weiterentwicklung in veränderten Situationen, wenn wir Arbeitsfelder und Proportionen festschreiben.
Der Austauschbedarf ist groß, daher ist diese Veranstaltung wichtig. Zu der Frage der Personalplanung ist jedoch ein weiteres Nachdenken in Presbyterien und Kreissynoden notwendig. Daher ist ein längerer Zeitraum für den Prozess notwendig. Auch muss ein legitimiertes Beteiligungsverfahren durchgeführt werden.

Die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden wird ausschließlich am bestehenden Hauptamt ausgerichtet. Nicht jeder Hauptamtliche ist zwingend befähigter als Ehrenamtliche.

Ist die sich in den vielen Prozessen verändernde Kirche noch mein Ort? Ist das, wie es sich verändert, noch unsere Ordnung? Sind wir noch beteiligt? Wechselseitiges Misstrauen verhindert zügiges Umsetzen von Entscheidungen. Es sind Lernprozesse auf die alle an der Leitung unserer Kirche auf allen Ebenen Beteiligten nachvollziehbar mitgenommen werden müssen, um zu erkennen welche Vorteile aus den geplanten Änderungen entstehen.

Zwang und Freiheit – wir sind empfindlich bei allem was mit Zwang verbunden ist. Der Willen zu Kooperationen ist durchaus vorhanden. Wir sind bockig, wenn uns etwas aufgedrückt wird. Man kann die in der Freiheit liegenden Möglichkeiten aber auch verfehlen. Es gibt auch in der Kirche sittenwidrige Beschäftigungsverhältnisse. Hier ist wichtig gegenzusteuern.

Die Personalplanung ist ein wichtiges Thema. Die Diskussionen brauchen Zeit. Wir können noch nicht erkennen was sich aus den Vorschlägen in den nächsten Jahren ergibt. Es ist wichtig die richtige Entscheidung zu treffen und das wir hinter der Entscheidung stehen.

Auch ohne die Beschlüsse zur Personalplanung können Gespräche von Kirchenkreisen mit Kirchengemeinden angestoßen werden.

2. Verwaltungsstruktur
Kirchenrechtsdirektorin Hieronimus führt in die Überlegungen ein und berichtet über die Voten der Ständigen Ausschüsse zu den Überlegungen.

Vorläufige Beratungsvorlage Struktur der Verwaltungen

Es wurden folgende Rückfragen gestellt und Voten aus dem Plenum abgegeben:
Warum sind NKF und Rechnungsprüfung in den Überlegungen nicht mit berücksichtigt?

Haben Fusionen von Kirchenkreisen auch Auswirkungen auf die Verwaltung, wenn eine Verwaltung auf kreiskirchlicher Ebene gerade erst gebildet ist?

Der Kirchenkreis arbeitet mit den vorhandenen Kirchenkreis-übergreifenden Verwaltungen gut zusammen. Welchen Vorteil hat es, für Kirchenkreis, Kirchengemeinden und Mitarbeitende in der Verwaltung, wenn das Modell einer Verwaltung je Kirchenkreis umgesetzt wird?

Wer sind die Teilnehmer der Arbeitsgruppe, die die Vorschläge erarbeitet?

Entsteht für die Verwaltung ein neues Leitungsorgan mit Entscheidungsvollmachten? Soll Verwaltung dienen oder leiten?

Ist der Wegfall von Genehmigungsvorbehalten auch für die landeskirchliche Ebene vorgesehen?

Superintendenturen sind von der Rolle her eine eigenständige Einheit. Ist ggf. eine Zusammenarbeit mehrerer Superintendenturen denkbar?

Die Qualität lässt sich über Finanzen steuern. Durch die Vergabe als Auftragsverwaltung entsteht Konkurrenz. Wenn die Verwaltung nicht funktioniert, stimmen die Finanzen nicht, da die Kunden wechseln.

Was ist mit funktionierenden Gemeindeämtern?

Es gibt bestehende Strukturen. In der Vorlage wird nicht aufgezeigt, welche Aufgaben von der gemeinsamen Verwaltung wahrgenommen werden sollen. Das Presbyterium entscheidet, an welche Verwaltung sich die Kirchengemeinde anschließt. Warum soll dieses so schnell wie möglich verändert werden?

Grundmodell nimmt Strukturen auf, so dass es keiner zusätzlichen Gremien bedarf. Aber nur 16 Kirchenkreise sind groß genug für eine Verwaltung. Wie soll das gehen?

Zurzeit gibt es Mischformen in der Struktur von Verwaltung - zum einen welche, die sich innerhalb des Gebietes eines Kirchenkreises befindet, aber auch welche, die Kirchengemeinden verschiedener Kirchenkreise umfassen. Wird das weiter möglich sein?

Es ist nicht angeraten, zwanghaft Funktionierendes zu zerstören. Warum soll es nicht so bleiben wie es ist? Was machen wir, wenn trotz eines Gesetzes sich Kirchengemeinden nicht anschließen?

Wird die Formulierung eines Mindeststandards nicht eine teure Angelegenheit?

Kirchenrechtsdirektorin Hieronimus beantwortet die gestellten Fragen:

Einbindung anderer Prozesse
Verwaltungsstruktur und NKF hängen eng zusammen, darauf wurde auch bei der Berufung der Arbeitsgruppe Rücksicht genommen, indem eine personelle Verzahnung vorgenommen wurde. Gespräche mit Vertretern der Rechnungsprüfung haben stattgefunden. Die Optimierung von Prozessen wird der nächste Schritt sein, wenn die Grundlagen der neuen Verwaltungsstruktur geklärt sind.

Verwaltung und Kirchenkreisfusionen
Eine Kirchenkreisfusion hätte nach dem jetzt vorgestellten Konzept in der Tat Auswirkungen auf die Verwaltung. Es ist deshalb sinnvoll, bei geplanten Fusionen die zukünftige Struktur von Verwaltung zu berücksichtigen. Denkbar ist auch eine Verwaltung mit zwei Standorten.

Ein Verwaltungsamt pro Kirchenkreis
Die Arbeitsgruppe sieht den Vorteil des Konzepts, ein Verwaltungsamt pro Kirchenkreis vorzusehen, darin:
1. Transparenz nach außen
Für Ansprechpartner von Kirchengemeinden und Kirchenkreis ist eindeutig, welche Verwaltung zuständig ist.
2. Kreissynodale Prozesse
Für Prozesse auf der Ebene des Kirchenkreises wie Pfarrstellenplanung, Personalplanung oder andere konzeptionelle Überlegungen im Blick auf die inhaltliche Arbeit und Profilierung verschiedener Gemeinden oder Regionen im Kirchenkreis ist die Zuarbeit nur einer Verwaltung notwendig, die für die Kreissynode notwendigen Daten aufbereiten und zusammenstellen kann.
3. Unterstützung und Aufsicht
Superintendentin oder Superintendent, Kreissynodalvorstand und Kreissynode können ihre Unterstützungs- und Aufsichtsfunktion gegenüber den Kirchengemeinden besser wahrnehmen, wenn die Superintendentur auf die Zuarbeit einer größeren Verwaltung mit den entsprechenden Fachkräften zurückgreifen kann und die Verantwortung für die Qualität der Verwaltung trägt.
Unter dem Stichwort Innenrevision statt Aufsicht können die Entwicklung von Standards, Personalentwicklung in der Verwaltung und die Gestaltung von Prozessen dazu führen, dass Aufsicht ganz anders wahrgenommen werden kann, sich nämlich nicht auf die Überprüfung von Verwaltungsvorgängen konzentriert, sondern inhaltliche Fragen im Blick hat.

Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppe wurde unter Berücksichtigung von regionalen, fachlichen Gesichtspunkten unter Berücksichtigung der verschiedenen Leitungsebenen und der unterschiedlichen Modelle von Verwaltung zusammengesetzt. Die beteiligten Ständigen Ausschüsse haben Vertreter entsendet. Vorsitzender ist Superintendent Pistorius aus Trier, die weiteren Namen sind auf der Internetseite veröffentlicht.

Dienende Funktion von Verwaltung
Es bleibt dabei, dass Verwaltung dienende Funktion hat. Entscheidungsträger sind die Leitungsorgane. Diese sollen auf eine gut funktionierende Verwaltung zurückgreifen können, um ihre Leitungsfunktion möglichst gut wahrnehmen zu können.

Genehmigungsvorbehalte
Der Wegfall von Genehmigungsvorbehalten ist auch für die landeskirchliche Ebene denkbar. Dieses Thema muss aber sorgfältig nach Einführung einer neuen Struktur bedacht werden.

Superintendenturen
Dem aufsichtlichen Gedanken kann durch eine besondere Organisationseinheit, die direkt dem Superintendenten oder der Superintendentin zuarbeitet, Rechnung getragen werden.
Eine Kooperation einzelner Superintendenturen ist nach dem Konzept der Arbeitsgruppe nicht denkbar. Die schon genannten Überlegungen im Blick auf das Zusammenwirken von Superintendentur und Verwaltungsamt könnten so nicht verwirklicht werden.

Konkurrenz von Verwaltungen
Die Untersuchungen im Vorfeld haben gezeigt, dass ein wirkliches Konkurrenzmodell, bei dem Gemeinden den Anbieter stetig wechseln, bei uns nicht vorkommt. Richtig ist allerdings, dass auch bei einem neuen Modell Kostenkontrolle gegeben sein muss. Hierfür sollen entsprechende Vergleichsmöglichkeiten, Personalbemessung eingeführt werden. KSV und Synode müssen mit geeigneten Instrumenten eine Steuerungsfunktion wahrnehmen können.

Aufgabe von funktionierenden Strukturen
Richtig ist, dass nicht ohne Not Funktionierendes aufgegeben werden sollte, wobei natürlich zu definieren wäre, was „Funktionieren“ heißt. Blickt man allerdings auf die gesamte Landeskirche und die Erfahrungen der Einführung von NKF in sehr unterschiedliche z.T. kleinteilige Strukturen, so wird deutlich, dass viele Prozesse von Neuerungen, die auch aus staatlichen Vorgaben her stammen, ganz zu schweigen von IT-Prozessen, es sinnvoll erscheinen lassen, vergleichbare Strukturen in der Landeskirche insgesamt zu haben. Verwaltungsvereinfachung und Synergieeffekte beim Einführen von Qualitätskriterien können nur gelingen, wenn von möglichst ähnlichen Strukturen ausgegangen werden kann. Nur so lassen sich aufs Ganze gesehen wirklich effiziente Strukturen erreichen.

Mindeststandards
Die Arbeitsgruppe war der Ansicht, dass das Element der Übereinstimmung Kirchenkreis – Verwaltung den Vorrang haben sollte vor dem Erreichen einer wirtschaftlich gerechtfertigten Mindestausstattung. Insofern wären auch Verwaltungsämter denkbar, die nicht die erforderliche Mindestausstattung erreichen, sofern sie für einen Kirchenkreis komplett zuständig sind.
Da beides in vielen Kirchenkreisen nicht erreicht werden kann, wurde das Alternativmodell vorgeschlagen, das ein Verwaltungsamt für zwei oder mehrere Kirchenkreise vorsieht.
Andere Modelle sind bisher nicht vorgesehen.
Die Einhaltung der Mindestgrößen muss nicht unbedingt teuer werden, wenn die anfallenden Fallzahlen groß genug sind. In jedem Fall sind sie aber notwendig, um Qualität zu sichern.

Es wurden folgende weitere Voten aus dem Plenum abgegeben:
Die Größe einer Einrichtung macht diese nicht immer automatisch besser. Es ist eine Frage der Organisation der Superintendentur, wie sie sich die Unterlagen der Kirchengemeinde beschafft, um Aufsicht ausüben zu können. Dafür ist nicht zwingend eine gemeinsame Verwaltung notwendig. Es gibt keine evangelische Buchhaltung, sondern die Frage von richtiger und falscher Buchung. Die Dienstgemeinschaft stellt ebenfalls keinen Sachzwang dar. Wichtig ist, gut mit Ressourcen umzugehen. Große Einheiten haben eine Eigendynamik und Eigeninteressen. Ein Sachkriterium im Hinblick auf die Verwaltung ist das Kennen der örtlichen Verhältnisse. Das ist im Hinblick auf den Gesamtauftrag von Gemeinde und Kirche entscheidend.

Habe in der Zeit der beruflichen Tätigkeit beide Modelle kennengelernt. Fühlte mich in beiden Fällen gut bedient. Wichtig erscheinen der einheitliche Standard und der Kostenvergleich unabhängig von Modell.

Warum soll die Verwaltungsstruktur so schnell umgesetzt werden? Die Wirksamkeit der anderen Prozesse sollte abgewartet werden, bis diese sich etabliert haben. Bei NKF und Rechnungsprüfung wurde mit Transparenz argumentiert. Es gibt keine Berechnung, was ein Verwaltungsamt kosten wird. Es kann nicht erwartet werden, dass wir etwas beschließen und nicht wissen, was es kostet. Wir binden mehr Geld und es bleibt nichts für die eigentliche Arbeit vor Ort. Es gibt Strukturen, wie Beteiligung stattfindet. Das Forum im Internet ist für Einzelne und kein Ort für Gremien.

Die Bildung eines Verwaltungsamtes unter Einschluss der Superintendentur ist aus verfassungsrechtlicher Sicht nichtig, da die Gewaltenteilung im Hinblick auf das Aufsichtführen nicht mehr gegeben wäre.

Der Kirchenkreis ist eine eigenständige Ebene von Kirche. Die Kirchengemeinde wäre mit der Verlagerung der Verwaltung der Aufgabe enthoben, Dienst und Fachaufsicht über ihre Verwaltung zu führen. Die Stärkung des Kirchenkreises ist sinnvoll. Bei Verwaltung kann das aber nur funktionieren, wenn die Kirchengemeinden ein starker Gegenpol sind. Daher erscheint als Rechtsform für eine gemeinsame Verwaltung der Gemeinde- und Kirchenkreisverband sinnvoll, da darin die Kirchengemeinden gleichberechtigte Partner sind.

Zu kleine Verwaltungen können nicht alle Fachgebiete abdecken. Die Struktur steigert nicht die Qualität. Es sind Kriterien für Qualität zu entwickeln. Die Struktur ist kein Qualitätsmerkmal. Der Einfluss der Kirchengemeinden ist schon jetzt recht unterschiedlich. Manche fühlen sich in einer neuen Struktur als Verlierer. Viel Macht wird mit der angedachten Struktur auf Superintendenten verlagert. Dabei ist zu bedenken, dass diese auch nur Pfarrer sind. Kann ein Pfarrer alles?

Wir haben keine Behördenstruktur wie im staatlichen Bereich. Der Kreissynodalvorstand ist das Aufsichtsorgan. Im Blick auf Verwaltung ist Kostentransparenz und Kostenkontrolle notwendig. Die Strukturfrage ist in dem Komplex nur ein Element.

Wenn sich in der Verwaltungsstruktur in den letzten Jahren schon so viel entwickelt hat, warum dann jetzt der Zeitdruck? Es gibt ja unterschiedliche Gründe für die derzeitigen Strukturen und die unterschiedlichen Auffassungen für die Weiterentwicklung. Wir brauchen in unserer Situation eine starke Verwaltung vor Ort. Diese haben wir und es ist kein Grund zu sehen, diese Verwaltung jetzt aufzugeben.

Es ist ein Paradigmenwechsel zu einer uniformen Verwaltungsstruktur. Eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ist wie ein ungedeckter Scheck. Es ist nicht klar, ob es so wird, wie wir es uns durch die Vorlage versprechen. Ein Modellversuch der Umsetzung in einem Kirchenkreis und eine Evaluierung dieser Umsetzung könnten die notwendigen Ergebnisse für eine flächendeckende Umsetzung bringen. Ein großes Fragezeichen ist die Gemeindenähe. Ein Gesicht vor Ort ist wichtig für eine gute und intensive Zusammenarbeit.

Die hier stattfindende Diskussion hat einen strukturkonservativen Ansatz. Es gibt manche Auswüchse in unserer Landeskirche, die nicht gemeindenah sind und wo die Gemeinden trotzdem den besten Nutzen haben. Sind die Strukturen, die hier verteidigt werden, wirklich so gut?

Viele Argumente werden hier gehört. Was heißt das alles für unser Verfahren? In der Aussprache sind auch viele ungeklärte Fragen zu hören. Wie ist das mit den gewachsenen Strukturen? Was macht man mit den bestehenden Verwaltungen? Es gibt keine Aussagen über die Kosten der neuen Verwaltungen. Wie ist das mit dem theologischen Verständnis von Verwaltung? Die Frage der Verwaltungsstruktur ist daher für Januar nicht entscheidungsreif. Und es war nichts zu hören, was uns drängt und den Zeitdruck erklärt.

Auch die konkrete Ausgestaltung der neuen Struktur wirft noch Probleme auf. Jetzige Gebäude müssten aufgegeben werden, es entstehen Leerstand und Neubauten. Wie kommt das im Hinblick auf Sparüberlegungen an; sicherlich nicht gut.

Im Blick auf die Kosten wiederholt sich hier etwas, was wir auch im NKF-Prozess erlebt haben, eine Aussage zu den zu erwartenden Kosten unterbleibt mit Hinweis auf die Komplexität. Auch zu den Qualitätskriterien ist noch nachzudenken. Und danach richtet sich das Personal. Es besteht somit die Gefahr, dass die neue Struktur Mehrkosten mit sich bringt. Das aber muss man wissen, um eine Entscheidung treffen zu können.

Die Unterstellung der Reformunwilligkeit ist falsch. Unsere Gemeinde und ihre Verwaltung funktionieren. Wir führen NKF ein. Es ist für uns ein Schatz, dass die Verwaltung dicht an der Basis sitzt. Wir können andere Ressourcen nutzen, da die Gemeinde über ihre Verwaltung in Kreis und Stadt vernetzt ist. In die Regelung müsste einfach eine Ausnahmemöglichkeit eingebaut werden, so dass durch Kreissynodalvorstand oder wen auch immer eine abweichende Struktur beschließbar ist.

Die Mindestpersonalausstattung kann sich nicht auf alle im Verwaltungsamt Beschäftigten, sondern nur auf die höchstqualifizierten Mitarbeitenden beziehen.

Wäre es nicht besser gewesen, wir hätten erst Verwaltungsstruktur verändert und dann NKF eingeführt?

Es wurde noch nie so viel Lob über Verwaltung geäußert. Anderseits gibt es viele, die echten Verbesserungsbedarf haben. Ein kreiskirchliches Verwaltungsamt kann die Situation vor Ort sehr entlasten.

3. Kirchensteuer
Oberkirchenrat Immel informiert über die Entwicklung der Kirchensteuer.

Es wird abschließend darauf hingewiesen, dass vereinbart wurde, dass die Protokolle der Regionalkonferenzen ins Internet gestellt werden und dass die abgegebenen Voten (mündlich in der Versammlung, schriftlich über die Rückmeldekarten oder die Foren) in den weiteren Prozessen berücksichtigt werden.

Schlusswort, Dank und Reisesegen – Oberkirchenrat Immel

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 22. September 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 22. September 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 22.09.2011



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.