Regionalkonferenz

Protokoll

Regionalkonferenz am 9. September, 16.30 Uhr, in Koblenz

Anwesend: ca. 120 Mitglieder von gemeindlichen und kreiskirchlichen Gremien

Begrüßung, geistlicher Impuls: Superintendent Knabe

Moderation Superintendent Knabe

1. Verwaltungsstruktur
Landeskirchenrätin Hieronimus führt in die Überlegungen ein und berichtet über die Voten der Ständigen Ausschüsse zu den Überlegungen.

Vorläufige Beratungsvorlage Struktur der Verwaltungen

Es wurden folgende Rückfragen gestellt und Voten aus dem Plenum abgegeben:
Die Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels sind im Hinblick auf eine gemeinsame Verwaltung weit voraus, da es hier schon seit vielen Jahren ein gemeinsames Rentamt gibt. Ist es sinnvoll die Kirchenkreise zusammenzuführen? Die Mindestzahl birgt die Gefahr, dass sich Spezialisten herausbilden, die nur noch jeweils in einem Gebiet einsetzbar sind. Eine fachübergreifende Ausbildung ist sinnvoller. Auch besteht die Gefahr, dass Verwaltung sich selber verwaltet. Es ist gut, dass für den Prozess kompetente externe Beratung beteiligt wird und dieses nicht ein Schmoren im eigenen Saft ist.

Was ist darunter zu verstehen, dass Geschäfte der laufenden Verwaltung gesetzlich definiert und auf die Verwaltung delegiert werden sollen? Später ist noch von der Delegation auf die Verwaltungsleitung die Rede. Bedeutet das, dass Rechte dem Presbyterium entzogen und auf die Verwaltung übertragen werden?

Es ist vorgesehen, dass ein Kirchenkreis ein Verwaltungsamt haben soll und alle Kirchengemeinden und der Kirchenkreis mit seinen Einrichtungen von der gleichen Verwaltung verwaltet werden. Was ist als Minimum vorgesehen? Auf der einen Seite sind Kompetenzzentren vorgesehen mit dem Beispiel der Immobilien. Andererseits ist die Personalverwaltung als Beispiel dafür benannt, dass diese Aufgabe nicht kirchenkreisübergreifend wahrgenommen werden kann. Ist daraus zu schließen, dass für die Personalverwaltung die mit einer Bündelung zu gewinnende Fachkompetenz nicht notwendig ist?

Führt der Prozess zu einer Teilung von Macht? Die Verwaltungsreform schafft eine Machtpyramide. Die Gemeindeverwaltung berät die Gemeinde, auch im Spannungsverhältnis zu Kirchenkreis und Landeskirche. Das Bild in der den Vortrag begleitenden Präsentation stellte Verwaltung über der Gemeinde dar. Dieses darf aber nicht sein.

Ziel ist, eine effiziente Verwaltung vorzuhalten. Aber was ist effizient? Ist damit nur kostengünstig gemeint? Die Arbeit der Verwaltung muss aber auch dem Auftrag der Kirche gerecht werden.

Im Kirchenkreis gibt es eine zentrale Verwaltung im Verband und eine davon getrennte Verwaltung des Kirchenkreises. Dieses wird als positiv sowohl im Hinblick auf die zu vertretenden unterschiedlichen Interessen, aber auch in gegenseitiger Unterstützung bei der Wahrnehmung der Aufgaben gesehen. Mit den jetzt im Raum stehenden Überlegungen sehen wir das aus unserer Sicht erfolgreiche Modell gefährdet, obwohl wir in der derzeitigen Struktur qualitativ hochwertige Arbeit machen. Wir plädieren daher, auch eine Option vorzusehen, die die Öffnung für unser Modell ermöglicht.

In Düsseldorf wurden die drei Verwaltungen von Gemeinden, Gesamtverband und Kirchenkreis zusammengelegt. Dieses wurde in einem durchaus schwierigen Prozess umgesetzt. Seit der Zusammenführung sind inhaltliche und Finanzdiskussionen miteinander verbunden. Damit kommen wir besser zu neuen Zielen und Übereinkünften. Wir sind dankbar für das Ergebnis und können daher für diesen Weg werben.

In Wetzlar arbeiten wir seit Jahren gut in einer zentralisierten Verwaltung für zwei Kirchenkreise. Darüber hinaus haben fast alle Kirchengemeinden auch noch ein Pfarrbüro. Diese Pfarrbüros sollten auch weiter möglich sein.

Wer leitet die gemeinsame Verwaltung, ist das Aufgabe des Kreissynodalvorstandes oder eines Ausschusses? Hier besteht Konfliktpotenzial.

Wir haben seit Jahrzehnten positive Erfahrungen mit der gemeinsamen Verwaltung. Die Aufsicht ist in keiner Weise beeinträchtigt. Daher ist die Argumentation der Bedenkenträger schwer nachzuvollziehen. Man muss die positiven Aspekte wahrnehmen. In der Evangelischen Kirche von Westfalen gibt es nur noch Verwaltungen auf kreiskirchlicher Ebene. Hat die Evangelische Kirche von Westfalen deswegen die presbyterial-synodale Ordnung aufgegeben?

Es besteht großes Verständnis für den Prozess in Düsseldorf. Jedoch ist das nicht zwingend übertragbar. Man muss im Blick auf Koblenz auch die unterschiedliche Lokalgeschichte und die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Es sollte kein gegenseitiges Missionieren erfolgen, sondern unterschiedliche Geschichte und Gründe sind zu würdigen und die Erfahrungen sind zu berücksichtigen.

Wir haben in Neuss ein qualifiziertes Amt, welches eng von Gemeinden begleitet wird. Aus unserer Sicht ist die Maximalforderung falsch. Zusammenschlüsse sind zu befürworten, da kann Geld gespart werden. Ein Maximum sollte vielleicht abhängig von Mitgliederzahlen im Kirchenkreis sein.

Im Kirchenkreis Dinslaken gibt es seit 2010 ein Verwaltungsamt und gleichzeitig auch einen Kindertagesstättenverbund. Für die Effizienz bedarf es jedoch nicht nur einer entsprechenden Struktur, sondern auch dazu passender qualifiziert handelnder Akteure. Der Markt von fitten Mitarbeitenden für die Verwaltung ist sehr dünn. Es gab nur ganz wenige Kandidaten. Es werden Qualitätsstandards benötigt, um handeln zu können. Wichtig für die Personalbemessung ist zu wissen, wie viel man einem Mitarbeitenden z.B. an Buchungen oder zu bearbeitenden Personalfällen zumuten kann.

Wir können vieles gutheißen. Es ist aber schwierig als verbindliches Modell. Die Effizienz von Personalarbeit zu bewerten ist schwierig. Der Aufwand für Personalbetreuung lässt sich nicht berechnen, der für die Personalabrechnung lässt sich leicht bemessen. Die Qualität ist ein anderer Aspekt als die Effizienz. Bei den Mindestgrößen ist nicht gesagt, welche Qualifikation mit den Stellen verbunden sein soll. Es erscheint schwierig, für die ganze Landeskirche eine einheitliche Lösung zu finden.

In der Kirchenordnung ist für die Zusammensetzung einer Kreissynode ein Sonderfall geregelt. Dieses müsste auch im Blick auf die Verwaltung erfolgen. Bei der Festlegung für die Verwaltung sollte im Vordergrund stehen, dass das gemeinsame Ziel zu erreichen ist, aber dies in der größtmöglichen Vielfalt ermöglicht wird.

Es ist eine Aufteilung von Pflicht- und Wahlaufgaben vorgesehen. Für das Gemeindebüro ist aber nur die Wahrnehmung von Wahlaufgaben vorgesehen. Dieses erscheint zu starr. Es sollten z.B. Buchungen auch im Pfarrbüro ermöglicht werden. Es stellt sich im Hinblick auf die weite Vernetzung die Frage, ob die vorgesehene Trennung noch up-to-date ist. Die Arbeitsteilung kann auch zu einer Rationalisierung in der Arbeit führen.

Die Überlegungen sind sympathisch, wenn die Rollen von Verwaltung und Leitung getrennt sind. Im Papier geht das an manchen Stellen durcheinander. In der Überarbeitung sollte überall die Trennung vorgesehen werden. Ohne die Trennung kann es als Einstieg der Verwaltung in die Leitung der Kirche wahrgenommen werden. Wenn Rechte gesetzlich übertragen werden, ist das Leitungsorgan nicht mehr frei, eine Delegation zu beschließen.

Ist es richtig, dass die Haushaltsaufstellung eine Pflichtaufgabe der Verwaltung ist?

Man kann effektiver und besser werden, auch wenn es jetzt schon gut ist. Aber wer kontrolliert nach 2017 die Ergebnisse und wer berichtet wem? Eine Regelung von Feedback ist wichtig, um zu sehen, was aus dem Prozess herauskommt. Es kann nicht der Verwaltung alleine überlassen werden, da die Gefahr besteht, dass es statt einer Vereinfachung komplizierter und teurer wird, obwohl gespart werden soll.

Im Modell Koblenz ist auch eine Gewaltenteilung gegeben. Hier ist nicht zu erleben, dass eine Hand nicht weiß, was die Andere tut. In Anlehnung an Korinther 12 kann man auch sagen, dass zwei Augen mehr sehen als eins.

Im Kirchenkreis Altenkirchen gibt es nur ein Verwaltungsamt im Kirchenkreis. Dieses arbeitet mit der Superintendentur zusammen. Im Hinblick auf die dargestellte Mindestgröße gehört diese ja zu mehr als der Hälfte der Kirchenkreise, die die Zahl nicht erfüllen. Ist es nicht ausreichend, wenn zwei Personen in einem Arbeitsfeld sind, damit eine Vertretungsregelung gegeben ist? Daher stellt sich die Frage, wie man auf die Mindestzahl gekommen ist?

Landeskirchenrätin Hieronimus beantwortet die gestellten Fragen:

Die Sorge um eine zu enge Spezialisierung der Mitarbeitenden ist unbegründet. Die Verwaltungsausbildung ist breit angelegt.

Mit dem Begriff der Effizienz sind Qualität und Kosten im Blick. Der Auftrag der Kirche ist daher ein Teil bei der Frage der Effizienz.

Das Ziel ist eine Verwaltung je Kirchenkreis oder eine Verwaltung für mehrere Kirchenkreise. Richtig ist, dass viele Kirchenkreise im Blick auf die Mindeststandards zu klein für eine Verwaltung sind. Vorrang soll daher der Grundsatz „ein Kirchenkreis ein Verwaltungsamt“ haben. Mit der Verwaltungsstrukturveränderung muss deshalb nicht zwingend eine kirchenkreisübergreifende Fusion von Verwaltungen verknüpft werden.

Die Delegation für Geschäfte der laufenden Verwaltung ist bereits jetzt über viele Satzungen gegeben. Im Moment handelt es sich jedoch um einen unbestimmten Rechtsbegriff. In einem gemeinsamen Grundkonsens soll dieser Rechtsbegriff definiert werden.

Die Bearbeitung von Personalfällen in Kompetenzzentren ist nicht vorgesehen, da hier keine zu großen Entfernungen zwischen den Kirchengemeinden als Personaleinsatzstellen und den personalbearbeitenden Verwaltungsstellen liegen sollten. Die Vielzahl der Personalfälle lässt eine Bearbeitung in einem kreiskirchlichen Verwaltungsamt zu. Kompetenzzentren wären nur ganz wenige auf dem Gebiet der Landeskirche oder sogar für die gesamte Landeskirche denkbar. Dieses hat sich in östlichen Gliedkirchen der EKD nicht bewährt. Eine Zusammenarbeit mehrerer Kirchenkreise durch Bildung einer gemeinsamen Verwaltung ist möglich, wenn die Verwaltung nur für einen Kirchenkreis zu klein wäre.

Die Entscheidungshoheit liegt bei den Leitungsorganen. Die Verwaltung hat dienenden Charakter und ist kein Machtinstrument. Die Leitungsorgane bleiben Herr ihrer Entscheidungen. Bezüglich der Praxis der Delegation liegen uns keine Problemanzeigen von denen vor, die sie anwenden. Wichtig ist, dass auch bei der Delegation das Vieraugenprinzip erhalten bleibt. Bei der gezeigten Folie ging es nicht über die Über- oder Unterordnung von Verwaltung, beschrieben waren die drei Verwaltungstypen: Gemeindeverwaltung, Verwaltung kreiskirchlicher Einrichtungen und Superintendentur, die in einer gemeinsamen Verwaltung zusammengefasst sein sollen.

Es ist ausdrücklich vorgesehen, die Gemeindebüros zu erhalten, sofern dieses vor Ort gewünscht ist.

Es ist zutreffend, dass es in der Evangelischen Kirche von Westfalen weniger Verwaltungen als Kirchenkreise gibt. Auch die Evangelische Kirche von Westfalen hat die presbyterial-synodale Ordnung. Diese hat sich jedoch durchaus anders entwickelt als bei uns in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Ausgangspunkt für die Überlegungen ist der Wunsch nach der Verbesserung der Qualität der Verwaltungstätigkeit. Für den Weg gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt einen Weg über die Struktur und einen über Inhalte. Verschiedentlich wurde versucht, inhaltliche Standards festzulegen. Diese Versuche sind gescheitert, da die Voraussetzungen in den Verwaltungen zu unterschiedlich waren. Natürlich ist es möglich, keine Strukturen vorzugeben, sondern inhaltliche Vorgaben zu machen. Dieses ist jedoch, da Struktur und Inhalt ineinander greifen, nicht losgelöst von der Struktur möglich. Der bessere Weg scheint der Schritt zu einer einheitlichen Struktur. Danach können dann Maßstäbe für eine Personalbemessung erfolgen, da diese eben als Voraussetzung eine einigermaßen vergleichbare Struktur haben.

Die Festlegung der Aufgaben des Verwaltungsamtes ist sorgfältig zu planen. Die notwendige Größe der Verwaltung wird nur dann erreicht, wenn in der Verwaltung die Pflichtaufgaben wahrgenommen werden.

Eine Pflichtaufgabe der Verwaltung ist die Unterstützung bei der Aufstellung des Haushaltsplanes. Hier leistet die Verwaltung eine Vorarbeit, damit das Leitungsorgan den Haushalt beraten und feststellen kann.

Die Mindestzahlen sind Vorschläge der Beratungsfirma, die auf deren Erfahrungen beruhen. Dabei hat die Beratungsfirma keine Rücksicht auf vorhandene Strukturen genommen, sondern sie rein aus dem Qualitätsgesichtspunkt festgelegt. Im Hinblick auf die Mindestgröße und die Kongruenz zum Kirchenkreis war abzuwägen, welcher Aspekt wichtiger ist. Dabei haben wir uns für die Kirchenkreisgrenzen entschieden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Kirchenkreise, die die Mindestgröße im Verwaltungsamt nicht schaffen, sich einen Kooperationspartner suchen, um unabhängig von Gemeindegliederzahl die Mindestgröße für ein Verwaltungsamt zu erreichen. Der Wert einer einheitlichen Lösung ist zur Vorbereitung einer Entscheidung für die Landessynode deutlicher darzustellen. Man muss sehen, dass derzeitige Modelle nicht übereinstimmen. Da stellt sich die Frage, wie viele Ausnahmen man vertragen kann oder sind wir dann nicht mehr bei einheitlicher Lösung. Das Zusammenwirken von Superintendentur und Verwaltung ist noch mal in den Blick zu nehmen. Fest steht, dass Superintendenturen zurzeit oft zu wenig Personal für eine qualifizierte Zuarbeit für den Kreissynodalvorstand haben. Wie sieht ein Zusammenwirken im Kirchenkreis aus? Kann eine Innenrevision Aufsicht ersetzen, oder stehen obligatorische Berichte zukünftig anstelle von Genehmigungen? Es bleibt die Frage, wo die Vielgestaltigkeit wichtig ist und wo sie aus Transparenz und finanziellen Gründen verzichtbar ist.

Oberkirchenrat Rekowski nimmt zu aufgeworfenen Fragen Stellung:

Dass die Verwaltungen effizienter werden müssen, darüber habe ich keinen wesentlichen Dissens gehört. Streitig ist die Frage, wie gehen wir damit um, wenn leistungsfähige Ämter bestehen. Damit werden wir uns noch auseinander setzen müssen. Diese Frage haben wir bei allen Konferenzen gehört. Zu prüfen ist, wo der konkrete Ist-Zustand zu Veränderung von Überlegungen führen muss um das Ziel trotzdem zu erreichen.

Es ist wichtig, Leitungsorgane entlasten zu können, um Freiraum für die inhaltliche Arbeit zu schaffen. Dafür sind Spielregeln zu verabreden. Es wird eine Entmachtung der Leitungsorgane befürchtet. Da es sich bei der Delegation um eine Option handelt, ist diese Gefahr nicht gegeben. Es geht hier nur um die Präzision der Spielregeln.

Oberkirchenrat Rekowski überbringt die Grüße der Kirchenleitung und gibt eine kirchenpolitische Einordnung der Veranstaltung in Bezug auf die laufenden Prozesse.

2. Personalplanung
Kirchenrat Pfarrer Dr. Lehnert führt in die Überlegungen ein und berichtet über die Voten der Ständigen Ausschüsse zu den Überlegungen.

Vorläufige Beratungsvorlage Kirchliche Personalplanung

Es wurden folgende Rückfragen gestellt und Voten aus dem Plenum abgegeben:

In der vorgeschlagenen Formulierung von Artikel 95 Kirchenordnung ist vorgesehen, dass der Kirchenkreis ein Rahmenkonzept erlässt. Ist es nicht vielmehr richtig, dass ein erarbeitetes Rahmenkonzept der Kreissynode zur Beschlussfassung vorzulegen ist?

Bei den Beschlüssen war die Landessynode friedlich, da sich die Steuerung durch die Modelle relativierte und das mit den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen besprochen werden sollte. Ist die Wahrnehmung des Beratungsstandes richtig, dass alles beim Alten bleibt? Liegt vielleicht erstmalig 2012 ein Planungsergebnis für das Sparziel der Pfarrstellenzahl im Jahr 2030 vor?

Welche Art von Beschäftigungsverhältnissen ist im Blick? Im Kirchenkreis gibt es mit diakonischen Einrichtungen viele Arbeitszweige und Beschäftigte, die übergemeindlich verantwortet werden. Oder betreffen die Überlegungen nur die bisher kirchengemeindlich beschäftigten Mitarbeitenden? Wie ist es mit den Kindertageseinrichtungen, zählen diese mit im Personalmix, wenn sie schon in Verbünden gemeinsam getragen werden? Wie ist das mit Mitarbeitenden in refinanzierten Stellen, insbesondere wenn die Refinanzierung unter einem Vorbehalt erfolgt? Wann wird das Küsteramt zu einem qualifizierten Ausbildungsberuf?

Die vorgetragenen Standpunkte der Ständigen Ausschüsse enttäuschen. Wenn es keine Korridore und Standards gibt, sind keine Konzeptionen notwendig. Die Berufsgruppen Gemeindepädagogen, Kirchenmusiker und Küster sind im Verkündigungsdienst tätig. Uns wird etwas fehlen, wenn es mit der Beschäftigung von Menschen mit dieser Qualifikation weiter bergab geht.

Das Setzen von Standards ist problematisch. In der Theorie ist es sicherlich richtig, jedoch sieht es in der Praxis anders aus. Wir haben in unserer großen Kirchengemeinde noch nie einen der Jugendleiter des kreiskirchlichen Referates gesehen. Wenn wir diese Erfahrung herunter brechen auf den Vorschlag, sind wir nur zahlendes Mitglied. Viele Entwicklungen liegen auch in den Personen selber. Wir haben nach Fehlgriffen die Stelle in der Jugendarbeit nicht wieder besetzt. Jetzt ist eine Erzieherin als Honorarkraft tätig. Wenn sie sich bewährt und gute Arbeit leistet, werden wir sie einstellen. Dann müssen wir andere bisher hauptamtliche Dienste aufgeben. Die Landeskirche hat ihre Prozente und Kirchensteueranteile bekommen. Zur Sicherung der Personalstellen vor Ort sollte die Landeskirche schauen, wo sie bei sich selbst etwas streichen könnte.

Um das Ziel zu erreichen, die Kirchenmusik attraktiv zu machen, braucht man Standards. Sonst sprechen sich Kirchengemeinen ab, was sie für nötig halten. Damit ist nichts gewonnen. Die Kirchenleitung muss daher Standards setzen. Nur dann ist eine Absicherung der Arbeit zu erreichen und Vergleichbarkeit mit dem Pfarrdienst herzustellen.

Es wäre gut, wenn es Empfehlungen gibt, damit man vergleichen kann. Die Rahmenbedingungen müssen so gesetzt sein, dass das Spezielle vor Ort mit berücksichtigt werden kann. Diese Flexibilität ist notwendig. Wenn es sinnvoll sein soll ein funktionierendes Verwaltungsamt über zwei Kirchenkreise zu bilden, können auch andere Mitarbeitende kirchenkreisübergreifend tätig sein?

Man sollte die Gedanken in eine andere Richtung lenken. Statt so viel zu strukturieren und in der Folge, nur um Stellen zu besetzen, auf Kompromisskandidaten zugehen zu müssen, sollte dort, wo man einen charismatischen Menschen hat, für diesen eine entsprechende Stelle schaffen. Wenn diese Person geht, kann man einen neuen charismatischen Menschen einstellen. Dieser muss dann nicht im bisherigen Arbeitsfeld eingesetzt werden, sondern entsprechend seiner Begabung. Wir haben einen charismatischen Menschen als Kulturbeauftragten eingestellt. Es ist ein Gewinn für den Kirchenkreis.

Wenn darauf verzichtet wird Prozente festzulegen, wird Epheser 4 nicht ernst genommen. Im Blick auf Arbeitsbereiche mit weniger Lobby sollte auf jeden Fall eine Untergrenze festgelegt werden. Ist die oft beschriebene Freiheit im Handeln nicht nur eine scheinbare Freiheit? Die Regulation schafft Sicherheit, die Freiheit wird durch Korridore erhalten.

Die Korridorlösung ist zu befürworten. Wie sind die Zahlen entstanden? Geht es um die Festschreibung des status quo als vermeintlich heile Welt oder um ein Nachdenken darüber, was ideal wäre?

Die Kosten für Pfarrer stehen für viele Jahre fest. Darüber hinaus ist ein Teil der Mittel durch die Substanzerhaltungspauschale (SEP) gebunden. Wie groß der Topf der Kirchensteuereinnahmen sein wird ist nicht klar. Wie kann man dann noch verantwortlich einen Korridor für die Beschäftigung von anderen Mitarbeitenden festlegen?

Auf Grund von SEP wurde ein Gemeindehaus aufgegeben, obwohl es intakt war. Dieses erfolgte, damit Mittel frei sind, um mit und für Menschen zu arbeiten. Ist das jetzt vorgeschlagene wirklich eine tragfähige Idee für die nächsten Jahre? Tun wir uns wirklich einen Gefallen, beamtenähnliche Absicherungen für alle Berufszweige einzuführen? Wie sollen die Kirchengemeinden das finanzieren? Mit diesen Festlegungen ist keine Kreativität vor Ort möglich, wir nehmen uns Gestaltungsmöglichkeiten. Wir müssten anders herum auch an den anderen Stellen flexibler werden. Warum passen wir nicht den Pfarrdienst in der rechtlichen Absicherung der der anderen Mitarbeitenden an, statt umgekehrt?

Teilweise kann den Vorschlägen gut gefolgt werden, auch im Hinblick auf die Frage der Finanzierung der Stellen. Teilweise ist das Geld vorhanden, jedoch fällt es schwer einen Partner zu finden. Welche Konsequenzen hat die Ausdünnung in der Kirchenmusik und der Jugendarbeit? Da von diesen Arbeitsbereichen große Bindekräfte ausgehen, sind negative Auswirkungen auf das Kirchenmitgliedschaftsverhalten zu befürchten. Dieses ist nicht berechenbar. Auch ist die Arbeit der Berufsgruppen nicht ohne Auswirkung auf den Pfarrdienst.

Eine Kirchengemeinde, die alle Bereiche abdecken kann, ist eine Insel der Glückseligen. Es ist gut, als Pfarrer kein Einzelkämpfer zu sein. Die reformierte Ämterlehre weitergedacht, ist die Schaffung von Korridoren nötig. Aus der eigenen lutherischen Tradition heraus sind Korridore abzulehnen. Auch kollidiert die Festlegung von Korridoren mit dem Selbstbestimmungsrecht der Gemeinde. Die Kosten für Verwaltung sind zu prüfen. Empfehlungen setzen uns unter Druck und helfen damit Dinge zusammenzuführen.

Es muss klare Perspektiven für Mitarbeitende und Berufszweige geben. Diese müssen zukunftsorientiert und unbefristet sein und keine prekären Arbeitsverhältnisse zur Folge haben. Das Modell sichert bestehende Arbeitsverhältnisse. Aber man kann die Korridore nicht dauerhaft garantieren. Hilfreich sind sie jedoch, um an anderen Stellen zu justieren. Auch im Bereich der Immobilien muss nachgearbeitet werden. Wir müssen langfristig entscheiden, ob in Steine oder in Mitarbeitende investiert werden soll. Die Korridorlösung sollte nicht für spezielle Berufsgruppen erfolgen, sondern das Verhältnis der anderen beruflichen Mitarbeitenden zum Pfarrdienst regeln. Dieses hilft aber nur für einen begrenzten Zeitraum. Der Korridor ist kein Allheilmittel. Es ist für einen Mitarbeitenden unzumutbar, über viele Kirchengemeinden hinweg zu pendeln. Außerdem müssen getroffene Festlegungen laufend nachjustiert werden.

Wenn sich der Personalmix an der Entwicklung des Pfarrdienstes orientiert, hat das für Mitarbeitende katastrophale Folgen, wenn der Pfarrdienst massiv abgebaut wird. Auch die Überlegungen zu den Mitarbeitenden müssten im Fünf-Jahresrhythmus justiert werden.

Wunsch und Wirklichkeit sind nicht überein zu bringen. Attraktive Stellen über Quoten zu schaffen funktioniert nicht. Das sieht man auch im Gesundheitswesen am Beispiel des Landarztes. Wir müssen unsere Attraktivität steigern, um zu binden. Es gibt keine Ideallösung. Ein Kirchenmusiker braucht ein Forum, um charismatisch tätig zu sein und um ein großes Publikum zu gewinnen und zu binden. Wir haben tolle Konzertsäle. Kirchengemeinde hat einen großen Raum zu bieten, ihr laufen Künstler nach, die dort auftreten wollen. Es sollte nicht die Zeit mit Diskussionen über Prozente und Quoren vertan werden.

Der auf Seite 33 gemachte Vorschlag bedeutet Änderung des Kirchmeisteramtes. Vorgesehen ist, dass jeder einen Personalkirchmeister beruft. Jetzt haben wir laut Kirchenordnung eine Kirchmeisterin oder einen Kirchmeister. Und es besteht die Möglichkeit das Amt zu teilen. Dann wäre es jedoch Vorschrift. Die Teilung kann im Einzelfall sinnvoll sein. Jedoch hätten wir dann noch ein qualifiziertes Amt im Presbyterium zu besetzen. So viele superqualifizierte Menschen sind (ggf. auch aus Zeitgründen) nicht zu finden. Warum soll es in einer kleinen Kirchengemeinde mit vielleicht nur einem teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter einen Personalkirchmeister geben? Wie soll Personalplanung in einem so großen Gremium erfolgen? Da kann auch gleich die Kreissynode einberufen werden. Rechtlich bedenklich ist, dass vorgesehen ist die in der Kirchenordnung festgelegte Teilungsmöglichkeit für das Kirchmeisteramt durch ein einfaches Gesetz in einen Zwang zur Aufteilung umzuändern.

Kirchenrat Pfarrer Dr. Lehnert beantwortet die gestellten Fragen:

Die vorgeschlagenen Formulierungen für eine Änderung der Kirchenordnung sind noch vorläufige Formulierung. Die endgültige Formulierung erfolgt erst nach den Rückläufen aus der Diskussion.

Wir sind nicht mehr da, wo wir losgegangen sind. Pfarrstellenplanung und andere Berufe müssen aufeinander bezogen werden. Erzieherinnen sind wegen der Refinanzierungssysteme ausgenommen, weil man nicht mit einer Vorlage alles lösen kann. Der Küsterdienst soll auch eine andere Rolle bekommen. Das stellt natürlich Anfragen an die künftige Qualifikation. Der Innerkirchliche Ausschuss und der Finanzsausschuss möchten keine landeskirchlichen Vorgaben einführen. Der Theologische Ausschuss möchte dies sehr wohl, allerdings noch nicht mit dem anzustrebenden Beschluss der Landessynode 2012. Dort wünscht er einen Grundsatzbeschluss zur Einführung einer kreiskirchlichen Personalrahmenkonzeption (Teile I und II der Vorlage). Die Frage nach möglichen landeskirchlichen Rahmenvorgaben (Teil III der Vorlage) soll dann im Laufe des Jahres 2012 nochmals ausführlich diskutiert werden.

Die Zahlen des vorgelegten Korridormodells sind noch nicht präzise genug. Sie dienen in der Vorlage lediglich dazu, das Korridormodell als ein denkbares Modell vorzustellen. Würde man darauf zugehen wollen, müsste dies nochmals sehr präzise gerechnet werden. Das steht übrigens auch so in der Vorlage, wurde aber leider bislang häufig übersehen.

Einen wie auch immer gearteten Standard festzulegen ist wichtig, weil er als zusätzlicher Faktor in die Berechnung der Pfarrstellenzielzahl 2030 einbezogen werden muss. Eine Entscheidung diesbezüglich drängt, weil an der Pfarrstellenzielzahl auch der verantwortliche Zugang zum Pfarrdienst hängt und damit die Frage nach der Quantität des zu gewinnenden Nachwuchses.

Die in Teil 3 der Vorlage vorgeschlagenen Modelle der Beteiligung der Gemeinden sind sehr komplex, das ist wahr. Es wird den Kirchenkreisen aber freigestellt bleiben, auch andere Formen der Beteiligung zu finden. Eine Verpflichtung, eine Personalkonzeption zu beschließen, kann nur durch eine Änderung der Kirchenordnung eingeführt werden.

Oberkirchenrat Rekowski nimmt zu aufgeworfenen Fragen Stellung:

Ich bin extrem zurückhaltend, Vorgaben für Korridore zu machen. Die Kirchengemeinden sind verpflichtet, Gemeindekonzepte vorzulegen. Daraus ergeben sich Schwerpunkte. Solche Konzeptionen würden durch zentrale Vorgaben zerschossen. Als Superintendent habe ich Abbau in den Kirchengemeinden erlebt. Da traue ich mich nicht zu sagen, ich wüsste es besser als die Verantwortlichen vor Ort. Kein Kirchenkreis ist daran gehindert mit allen Gemeinden Verabredungen zu treffen. Man kann jetzt schon vieles tun.

Beim Pfarrdienst erfolgt die Planung in einem Fünf-Jahreszyklus. Dabei wird auch prognostiziert, wie viel Kirchensteuer für den Pfarrdienst ausgegeben wird. Es ist eine große Gestaltungsaufgabe verantwortungsvoll für die anderen Mitarbeitenden, in der Sandwichsituation zwischen SEP und den Kosten für Pfarrdienst, zu planen.

Gestaltungsraum ist der Kirchenkreis. Kooperationen innerhalb des Sozialraums gelingen in der Regel unproblematisch.

Die Landeskirche hat keinen Bedarfsdeckungshaushalt, sondern festgelegte Prozentanteile an der Kirchensteuer. Wir sind somit im selben Boot und führen einen Prozess der Aufgabenkritik durch, um uns auf weniger zur Verfügung stehende Mittel auszurichten.

3. Kirchensteuer
Oberkirchenrat Rekowski informiert abschließend über die Entwicklung der Kirchensteuer.

Schlusswort, Dank und Reisesegen: Oberkirchenrat Rekowski

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 23. September 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 23. September 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 23.09.2011



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