Kirchenleitung

Schreiben Aufgabenkritik 8. Juli 2013

EVANGELISCHE KIRCHE IM RHEINLAND
DIE KIRCHENLEITUNG
8.7.2013

An
die Mitglieder der Landessynode
die Vorsitzenden der Ständigen Ausschüsse
die Mitarbeitenden des Landeskirchenamtes
den Konvent der Ämter, Werke, Einrichtungen
die Mitarbeitervertretungen
die Superintendentinnen und Superintendenten
den Vorstand des Diakonischen Werkes
nachrichtlich die Mitglieder der Kirchenleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

wie können wir auch in Zukunft unsere Leitvorstellung „missionarisch Volkskirche sein“ verwirklichen, wenn unsere Mitgliederzahl seit 1970 um fast ein Drittel gesunken ist und weiter kontinu-ierlich sinkt und unsere Finanzkraft nicht zuletzt dadurch nachhaltig geringer wird? Und wie soll unsere Kirche auch angesichts sich verändernder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in Zukunft aussehen? Was sind unsere Kernaufgaben?

Ausgehend von diesen Fragen hat die Kirchenleitung im Jahr 2010 eine Aufgabenkritik für alle Dienste und Einrichtungen auf landeskirchlicher Ebene begonnen. Es wurde das Ziel festgelegt, bis zum Jahr 2023 15 Prozent unserer Ausgaben zu reduzieren und damit das strukturelle Defizit im landeskirchlichen Haushalt auszugleichen. In einem aufwändigen Prozess haben die Fachabteilungen im Landeskirchenamt entsprechende Szenarien ausgearbeitet. Der von der Landessynode eingerichtete Ausschuss für Aufgabenkritik hat die Vorschläge beraten und der Kirchenleitung sein Votum dazu abgegeben. Die Diskussionen waren zielorientiert, konstruktiv und von großem Vertrauen geprägt. Die Kirchenleitung hat auf dieser Basis einen Gesamtvorschlag erarbeitet, der nun an die Ständigen Ausschüsse zur Beratung übergeben wird. Nach der Bearbeitung in den Ausschüssen wird die Kirchenleitung vor dem Hintergrund der Ausschussvoten abschließend den Vorschlag festlegen, der dann von der Landessynode im Januar 2014 beraten und beschlossen werden soll.

Im Namen der Kirchenleitung danken wir allen, die mit großer Sorgfalt, hohem Engagement und dem Willen, die Herausforderungen positiv anzugehen, die notwendigen Sparvorschläge erarbeitet haben. Wir wissen darum, wie schwer es ist, angesichts guter und oft über viele Jahrzehnte bewährter und liebgewordener Arbeit Einsparungen vorzuschlagen, die mitunter auch bedeuten, dass wir Aufgaben künftig nicht mehr wahrnehmen können. Niemandem fällt dies leicht. Unser Ziel muss aber sein, Kräfte zu bündeln und zu konzentrieren, um als Kirche Jesu Christi nahe bei den Menschen zu bleiben – auch und gerade dann, wenn unsere geringer wer-denden Ressourcen es nicht mehr in der gewohnten Breite erlauben werden.

Die Verantwortlichen im Landeskirchenamt informieren nun die betroffenen Arbeitsbereiche des LKA, die Ämter, Werke und Einrichtungen sowie von uns finanzierte bzw. finanziell geförderte Dritte über die Vorschläge, die jetzt in den landessynodalen Beratungsprozess eingespeist werden.

Als Kirchenleitung nehmen wir unseren Auftrag sehr ernst, die rheinische Kirche für die schwieriger werdenden Zeiten gut aufzustellen. Daher haben wir im laufenden Prozess der Aufgabenkritik immer wieder die Berechnungen überprüft. Dabei sind wir im Rahmen der Analyse und Interpretation der gegenwärtigen finanziellen Situation unserer Kirche zu dem Schluss gekommen, dass wir die bislang bis zum Jahr 2023 geplanten Maßnahmen der Aufgabenkritik deutlich früher umsetzen müssen, um die wirtschaftliche Stabilität der landeskirchlichen Ebene nicht zu gefährden. Das bedeutet, dass wir parallel zu den laufenden Beratungen einen weitergehenden Plan erarbeiten, welche der Sparvorschläge – und es müssen so viele wie möglich sein – vorgezogen und schon bis Ende 2015 umgesetzt werden können. Natürlich ist es unser Ziel, diese beschleunigte Umsetzung der Maßnahmen so sozial verträglich wie möglich zu gestalten.

Trotzdem können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Berechnungen und Beratungen betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Während des oben beschriebenen Prozesses der Aufgabenkritik haben sich einige Parameter und Rahmenbedingungen teils gravierend verändert. Zudem haben wir als Kirchenleitung auch unsere Betrachtung der Lage nachjustiert:

Eine Erweiterung des Einsparvolumens und die Beschleunigung der Umsetzung ist unter anderem deshalb notwendig, weil es in Bezug auf die zu erwartenden Zinserträge und die Höhe der Versorgungssicherungsumlage neue Erkenntnisse gibt, bestimmte Aufwendungen bisher unberücksichtigt blieben und wir stärker auf die demografische Entwicklung reagieren müssen.

Das Zinsniveau ist seit den Berechnungen im Jahr 2010 gesunken und die Höhe des angelegten Kapitals hat sich reduziert (u.a. um rund 21 Mio. Euro für die bbz GmbH). Der im Haushalt für Erträge aus Zinsen geplante Betrag ist von rund 7 Mio. Euro auf 4 Mio. Euro gesunken.

Bei der Versorgungssicherungsumlage wirkt sich aus, dass das zugrunde liegende Kirchensteueraufkommen aufgrund aktualisierter Schätzungen in der Planung erhöht wurde, wodurch sich der prozentuale Anteil ebenfalls erhöht. Der Betrag für das Jahr 2013 wurde daher statt in Höhe von ursprünglich 6,3 Mio. (Planung 2010) jetzt in Höhe von 6,8 Mio. Euro geplant.

Ergänzt wird dieser Betrag durch die bisher nicht berücksichtigte, aber ab dem Jahr 2014 vorgesehene Beihilfesicherungsumlage. Diese Umlage beträgt 1 % des Kirchensteueraufkommens und wird voraussichtlich auf 3 % angehoben werden. Damit fließt es in die Planung 2014 zunächst mit rund 570.000 Euro (landeskirchlicher Anteil) ein. Bei der Steigerung auf 3 % würde die Planung mit weiteren rund 1,1 Mio. Euro je Jahr belastet.

Auch die Höhe der Substanzerhaltungspauschale, die in beiden Rechnungen in ähnlicher Höhe berücksichtigt war, wird in der aktuellen Darstellung zwar mit rund 8,2 Mio. Euro deutlicher ausgewiesen, hat aber keinen wesentlich anderen Einfluss auf das Ergebnis als in früheren Berechnungen.

Und grundsätzlich müssen wir feststellen: Je später wir auf die seit langem bekannten demografischen Veränderungsprozesse reagieren, umso höher müssen unsere Sparmaßnahmen dann ausfallen. Je länger wir warten, desto härter werden uns die Folgen treffen.

Aufgrund dieser Entwicklungen gehen wir als Kirchenleitung davon aus, dass zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Kirche schließlich noch weitergehende strukturelle Veränderungen nötig sein werden. Auch darüber sind wir im intensiven Gespräch, um baldmöglichst Klarheit über den weiteren Weg zu gewinnen. Nach unseren bisherigen Berechnungen gehen wir gegenwärtig

davon aus, bis zum Jahr 2018 insgesamt 35 Prozent einsparen zu müssen. Auf diese Größenordnung stellen wir uns ein. Am 28. September findet eine „Zukunftswerkstatt“ statt: Neben der Kirchenleitung wird der Ausschuss für Aufgabenkritik, die Vorsitzenden der Ständigen Ausschüsse sowie aus jedem Ausschuss je drei weitere Mitglieder darüber beraten, wie die Evangelische Kirche im Rheinland im Jahr 2030 aussehen soll. Hiervon versprechen wir uns wichtige Impulse für die weiteren Beratungen.

Liebe Schwestern und Brüder,

die sich abzeichnenden Veränderungen innerhalb unserer Kirche und die damit verbundenen Einschnitte lassen niemanden kalt – nicht die, die darüber beraten und beschließen müssen, und erst recht nicht die, die mittelbar oder unmittelbar davon betroffen sind.

Ohne den weiteren Beratungen vorgreifen zu wollen, sehen wir unsere Aufgabe nun darin, gemeinsam grundlegende Weichenstellungen vorzunehmen, damit wir unseren Auftrag als Kirche zukünftig unabhängig von unserer Größe und Finanzkraft wahrnehmen können. Das heißt nach unserer Einschätzung, dass wir die Arbeitsweise, die Arbeitsformen und Strukturen unserer Kirche umfassend verändern müssen.

Der Kirchenleitung ist es sehr wichtig, dass wir die eingetretene Situation gemeinsam analysieren und beraten. Dazu werden wir in den nächsten Tagen und Wochen an unterschiedlichen Stellen das direkte Gespräch mit den Betroffenen, den Beteiligten und den Entscheidungsträgerinnen und -trägern suchen. Eine Mitarbeitendenversammlung im Landeskirchenamt und eine außerordentliche Sitzung des Konvents der Ämter, Werke und Einrichtungen am 16. Juli sind erste Termine dafür. An dem jetzt notwendigen Beratungsprozess werden selbstverständlich die Ständigen Ausschüsse beteiligt. Und auch mit den Landessynodalen werden wir noch vor der ordentlichen Synode im Januar 2014 das Gespräch suchen: So hat die Kirchenleitung beschlossen, die Synodalen nach der Sommerpause zu einer außerordentlichen Tagung der Landessynode einzuladen. Entsprechende Planungen laufen jetzt an.

Liebe Schwestern und Brüder,

in allem Planen und Sorgen lassen wir uns immer wieder an die Verheißung erinnern, dass der Herr der Kirche selbst mit uns auf dem Weg ist und bleiben wird. Für uns heißt das: Wir leben nicht allein von unseren Gaben und Ressourcen. Wenn wir den Auftrag Christi erfüllen, das Evangelium an alles Volk auszurichten und die Menschen für den Glauben an den lebendigen Gott zu gewinnen, dann ist er selbst mit uns unterwegs – auch auf den Wegen, die für uns derzeit schwer und steinig sind.

In diesem Sinne bitten wir Sie – auch im Namen der übrigen Mitglieder der Kirchenleitung – herzlich um die konstruktive Begleitung aller Beratungen und um Ihre Fürbitte, dass uns Gott selbst in allem unserem Planen mit seinem lebendigen Wort leitet und durch seinen heiligen Geist bewegt.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Rekowski
Präses

Dr. Johann Weusmann
Vizepräsident

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 9. Juli 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 9. Juli 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 08.07.2013



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