Israel

Neuer Studienleiter ist ein „großes Geschenk“

Dr. Rainer Stuhlmann geht als Studienleiter nach Nes Ammim. Der ehemalige Kölner Schulreferent und frühere Superintendent des Kirchenkreises An Sieg und Rhein hat sich für zwei Jahre verpflichtet.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und der neue Studienleiter in Nes Ammim, Dr. Rainer Stuhlmann. LupeOberkirchenrätin Barbara Rudolph und der neue Studienleiter in Nes Ammim, Dr. Rainer Stuhlmann.

Nach mehreren Jahren wird mit ihm nun wieder ein Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) in Nes Ammim präsent sein. Der Name dieser kleinen Siedlung bei Akko im Norden Israels ist Programm: „Zeichen für die Völker“ bedeutet „Nes Ammim“, und ein Zeichen wollten seine Gründer setzen: „Man hatte erkannt, dass der Antisemitismus seine Wurzeln auch in der christlichen Tradition hat“, berichtet Stuhlmann.

Die Gründer des Dorfes, Christinnen und Christen aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz, wollten dagegen ein Zeichen der Unterstützung für den jungen Staat Israel und seine Bevölkerung setzen. Auf christliche Missionierung wurde völlig verzichtet, stattdessen sollten Nes Ammims Besucherinnen und Besucher die jüdischen Traditionen kennen lernen und sich darüber auch mit den Wurzeln des Christentums auseinandersetzen. „Das war 1963 ein unerhörter Akt. Diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland gab es noch nicht.“

Seit diesen Anfängen kommen überwiegend junge Menschen aus Deutschland und den Niederlanden nach Nes Ammim, um dort in der Regel für ein Jahr als Volontäre zu arbeiten. Früher sorgte eine Rosen- und Avocadozucht für die wirtschaftliche Grundlage, heute ein Hotel. „Das wird auch von Israelis, zum Beispiel für Familienfeiern, gut angenommen“, berichtet Stuhlmann, der zuletzt im Mai in Nes Ammim war.

Erfüllung eines Lebenstraums

Was treibt einen Theologen im Ruhestand noch einmal in die Ferne? „Als junger Student habe ich zwei Anläufe genommen, um in Jerusalem zu studieren“, erinnert sich Stuhlmann. Aber damals war das noch schwieriger. „Der Dialog zwischen Christen und Juden war immer Schwerpunkt meines theologischen Denkens.“ Und als nun unter Pfarrern im Ruhestand von der rheinischen Kirche ein neuer Studienleiter für Nes Ammim gesucht wurde, sei er „elektrisiert“ gewesen. „So erfülle ich mir einen alten Lebenstraum.“

Als Studienleiter ist er verantwortlich für das Programm aus Exkursionen und Seminaren, das Volontäre in Nes Ammim absolvieren. Auch die inhaltliche Arbeit mit Reise- und Studiengruppen, die regelmäßig nach Nes Ammim kommen, gehört zu seinen Aufgaben. „Ich werde erst einmal an das anknüpfen, was dort ist.“

Den Dialog ausweiten

Auch den Umbruch, den Nes Ammim zur Zeit angeht, hofft Stuhlmann mit zu gestalten: „Es wäre schön, wenn Nes Ammim zu einem Ort auch des Dialogs zwischen arabischen und jüdischen Israelis werden könnte.“ Der innerisraelische Dialog zwischen Juden und Arabern soll für Nes Ammim eine Ergänzung zum christlich-jüdischen Dialog bilden.

Ein erster Ansatz ist eine Umnutzung auf dem Dorfgelände: Wo früher Treibhäuser und Plantagen lagen, entstehen Baustellen für ein gemischtes Wohngebiet mit jüdischen und arabischsprachigen Bewohnerinnen und Bewohnern. Immerhin 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft.

Hervorragende Besetzung

Dr. Volker Haarmann, Landespfarrer für christlich-jüdischen Dialog, der ebenfalls den Entsendungsgottesdienst in der Friedenskirche in Köln-Mülheim mitfeierte, betont, dass Stuhlmann pädagogisch und theologisch bestens für diese Aufgabe qualifiziert ist. Er ist „eine hervorragende Besetzung für diese Stelle“ und „für uns alle ein großes Geschenk“.

Im Gottesdienst entsandte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Ökumene-Chefin der rheinischen Kirche, Stuhlmann im Namen der Kirche in seine neue Aufgabe und betonte: „Es gibt eine lange Geschichte der Verbundenheit der Evangelischen Kirche im Rheinland mit Nes Ammim. Jetzt ist es wichtig, dass wieder ein repräsentativer Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland dorthin geht.“ Ihre Einladung gilt allen Interessierten: „Hoffentlich nutzen viele von Ihnen die Gelegenheit und besuchen Nes Ammim.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 22. August 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 22. August 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / avc / 22.08.2011



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