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'Wir weigern uns Feinde zu sein': Dieses Motto, in Stein gemeißelt, steht am Eingang zum Besitz der Nassars. "Wir weigern uns Feinde zu sein": Dieses Motto, in Stein gemeißelt, steht am Eingang zum Besitz der Nassars.

Israel / Palästina

„Himmelschreiendes Unrecht“

Gegen die Zerstörungen beim Projekt „Tent of Nations“ bei Bethlehem protestiert der Studienleiter in Nes Ammim, Dr. Rainer Stuhlmann, auch gegenüber dem Botschafter Israels in Deutschland.

In der Nacht auf den 20. Mai sind auf dem Gelände der Familie Nassar, die zur „Evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land“ gehört, mit der auch die Evangelische Kirche im Rheinland eng verbunden ist, Hunderte Äpfel-, Mandel-, Olivenbäume und Weinstöcke Bulldozern zum Opfer gefallen. Dass das rund ein Hektar große Land des Versöhnungs- und Umwelt-Projekts „Zelt der Nationen“ gerodet wurde, ist für Rainer Stuhlmann „himmelschreiendes Unrecht“, wie er in seinem Online-Blog schreibt. Volontäre aus Nes Ammim sind häufig Gäste und Mitarbeiter im Tent of Nations.

„Wir weigern uns Feinde zu sein“ steht auf Deutsch und weiteren Sprachen in Stein gemeißelt am Eingang zum Besitz der Nassars. Dieser liegt, von zahlreichen jüdischen Siedlungen umringt, im Siedlungsblock Gusch Ezion westlich von Bethlehem. Versuche, das Land zu enteignen, führten zu einem zwanzigjährigen Rechtsstreit vor israelischen Gerichten, Dokumente aus ottomanischer Zeit, die das Eigentumsrecht nachweisen, wurden vom Obersten Gericht Israels anerkannt.

Insofern illustriere der Prozess das Funktionieren des Rechtsstaates Israel, schreibt Stuhlmann in seinem Blog „stuhlmannzwischendenstuehlen“. Das hindere israelische Militärbehörden allerdings nicht an weiteren Enteignungsversuchen. Gegen eine neuerliche Aufforderung, das Land zu räumen, wurde unverzüglich Widerspruch eingelegt, Trotzdem rückten wenige Tage später Bulldozer an.

Ungestörtes Leben und Wirtschaften verlangt

Stuhlmann in seinem Brief an den israelischen Botschafter: „Ich erwarte, dass die Familie Nassar für das erlittene Unrecht entschädigt wird und dauerhaft und ungestört auf ihrem eigenen Grund und Boden leben und wirtschaften kann.“ Nes Ammim, betont Stuhlmann in dem Brief, stehe für die grundsätzliche Unterstützung von Staat und Gesellschaft Israels. Aus dieser Verbundenheit heraus sieht sich Stuhlmann zur Kritik der Siedlungspolitik gedrängt. Auch die ökumenischen Beziehungen zu palästinensischen Christinnen und Christen haben Nes Ammim nie zu einem Gegner Israels gemacht.

"Zunehmende Bedrängnis"

Dr. Volker Haarmann, Landespfarrer für christlich-jüdischen Dialog der Evangelischen Kirche im Rheinland, weiß durch einen christlich-jüdischen Workshop in Jerusalem Anfang diesen Monats von einer zunehmenden Bedrängnis von Christen und Muslimen in Israel/Palästina: „Die Sorge angesichts einer eskalierenden Zahl von ,hate crimes‘ in Israel/Palästina ist groß.“ Christen und Muslime würden immer häufiger Opfer solcher sogenannter "price tag"-Angriffe durch radikale Siedler.

Haarmann: „Die Drohungen und auch Angriffe werden dabei in letzter Zeit nicht nur häufiger, sondern auch immer brutaler. Noch während wir mit unseren jüdischen und palästinensischen Gesprächspartnern zusammensaßen, erhielten wir die Nachricht von einer Morddrohung gegen einen Bischof im Norden Israels. Jetzt, wenige Wochen später, wurde nur kurz nach Abreise des Papstes ein Brandanschlag auf die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg verübt.“

Stärkeres Einschreiten durch die Polizei nötig

Wie er weiter berichtet, waren sich alle, sowohl die jüdischen als auch die christlichen Gesprächspartner, einig, dass die israelische Polizei bisher zu wenig tut, um die Täter zu verfolgen und sie vor Gericht zu stellen. Volker Haarmann: „Auch wenn es nur eine sehr kleine Anzahl von Siedlern ist, die so etwas tun, verbreiten sie doch viel Angst und Schrecken. Und das in einer ohnehin angespannten Situation.“

Zugleich betont der Landespfarrer: „Es gibt in Israel, Gott sei Dank, eine Vielzahl von Projekten und Initiativen, die sich gegen rassistische Bedrohung und die damit verbundene Gewalt wenden. Als rheinische Kirche sind wir mit unseren Kooperationspartnern in Israel und Palästina im Gespräch, wo auch wir finanziell solche Projekte unterstützen können.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 27. Mai 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 27. Mai 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 27.05.2014



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