Friedenskonvokation

Eines von drei Themen: Friede mit der Erde

Von der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation in Kingston / Jamaika ein Beitrag von Ursula Thomé, Pfarrer im Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ) Westliches Ruhrgebiet.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Pfarrer Ursula Thomé (r.) mit den Essener Friedesnfahnen in Jamaika. LupeOberkirchenrätin Barbara Rudolph und Pfarrer Ursula Thomé (r.) mit den Essener Friedesnfahnen in Jamaika.

Die Friedenskonvokation findet auf dem Campus der Universität der West-Indies statt. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort: es war ein Ort der Gewalt. Es war eine der Zuckerrohrplantagen, auf denen afrikanische Sklaven gezwungen wurden, unter harten und grausamen Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Heute ist es ein Ort des Studiums und der Bildung - eine der führenden Universitäten der englischsprachigen Karibik.

Es ist ein sehr großes Gelände. Die verschiedenen Areale - Wohnheime, Seminargebäude, Krankenhaus - sind gut bewacht und umzäunt. Insgesamt leben und arbeiten ca. 15.000 Menschen hier. Es ist eine Stadt in der Stadt und liegt nicht direkt in Kingston, sondern außerhalb.

Zur Struktur der Konvokation: Jeder Tag beginnt mit einem Morgengebet und einer Bible study. Die Bibelarbeitsgruppen haben eine Stunde Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Danach gibt es Plenumsveranstaltung in einem großen klimatisiertem Zelt. Ein schönes Bild - das Volk Gottes, die Versammlung ist unterwegs. Auch ganz wörtlich gibt es viele Wege zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten. Es hat die Atmosphäre eines internationalen Kirchentages.

Danach Mittagessen in den verschiedenen Wohnheimsälen. Und am Nachmittag gibt es dann verschiedene Angebote: "Innerstandings", das sind Seminare mit Beiträgen und Diskussion in kleinen Gruppen zu dem jeweiligen Thema des Tages. Parallel dazu laufen die verschiedenen Workshops (insgesamt 160 )auf dem ganzen Gelände.

Am Abend jeweils ein Abendgebet und dann Dinner. Und an einigen Tagen verschiedene Abendprogramme, z.B. Filmabend (We pray the devil back to hell), ein Friedenskonzert im Emancipation Park in Kingston, heute Abend ein Musical "streetlight", das gemeinsam mit jamaikanischen jungen Leuten in der Zeit der Konvokation eingeübt wurde. Heute ist der Carabbean day.

Das ist so ungefähr die grobe Struktur. In diesem Gefüge gibt es viele Möglichkeiten mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu kommen, mal ganz kurz und manchmal intensiver - über die Arbeit zu Hause und den Bezug zum jeweiligen Thema. Es ist eine große Fülle von Erfahrungen hier versammelt. Hier zu sein ist großartig, die Vielfalt und die Schönheit der verschiedenen Kulturen zu erleben.

Die vier großen Themenbereiche - Friede in der Gemeinschaft, Friede mit der Erde, Friede in der Wirtschaft, Friede zwischen den Völkern - werden an vier Tagen bearbeitet.

Ich möchte ganz kurz etwas zum Themenbereich: Friede mit der Erde / Klimagerechtigkeit schreiben. Es gab verschiedene Beiträge, z.B. von einer indianischen Theologin aus Guatemala Ernestina Lopez Bac, die aus den Traditionen der Indigenas berichtet hat. Sie hat gesagt, dass es in Jamaika keine Ureinwohner mehr gibt aufgrund der Geschichte der Sklaverei. Sie hat von Werten gesprochen, die das Verhältnis zur "Mutter Erde" gestalten, und dass wir immer in der Anwesenheit Gottes leben auch in Gewaltsituationen.

Ein orthodoxer indischer Theologe, Prof. Dr. Kondothra M. George, Mar Thoma Kirche, hat davon gesprochen, dass die ganze Schöpfung in unserem Körper vorhanden ist. "Wir haben den schlechten Geruch des Mordes in uns." Mit diesem Bild hat er die Habgier und Zerstörung benannt. Und dass es darum geht, zum "Geruch Christi" zurückzufinden durch Heiligung. Er hat von der Erde als Mutter allen Lebens gesprochen.

In einer kleinen Gruppe gab es später eine Diskussion über die Frage, ob es einen ethischen Zusammenhang gibt zwischen der Ausbeutung der Erde und der Ausbeutung der Frauen. Das Bild "Mutter Erde" wurde intensiv diskutiert und es wurde von vielen aus unterschiedlichsten Kontexten kritisch gesehen, da es weiterhin im patriarchalischen Denken verbleibt - Gott Vater und Mutter Erde. Hier wird es sicher noch einmal wichtig, die Impulse der feministischen Theologie aufzugreifen.

Danach hat Adrian Shaw aus der Kirche von Schottland gesprochen und ganz konkrete Anregungen für Gemeinden gegeben. Gewalt gegen die Erde ist Gewalt gegen die Menschen. Er hat unseren Kontext benannt: ölabhängige Industrie (Öl, Gas, Kohle) und unser Energieverbrauch. In Schottland haben sie den "ökologischen Fußabdruck - the carbon footprint" in den Gemeinden aufgegiffen und untersucht, wie viel Energie wir in der Kirche verbrauchen. Sein Beispiel war auch auf die eigene Friedensversammlung zu schauen: insgesamt ist der carbon footprint bei 1000 Tonnen, das ist soviel Energie, wie ca. 20 große Kirchen in Schottland in einem Jahr verbrauchen.

Es gilt also, bei uns selbst zu beginnen . Er hat es in drei Schritten strukturiert: 1. Be aware 2. Take action - in jedem Jahr 5% des carbon footprints zu reduzieren (also Schritt für Schritt vorgehen) 3. Get involved - become an Eco-Congregation. Hier können wir Anregungen aus der Kirche von Schottland für unseren Kontext aufgreifen. Die Schottische Kirche hat dies gemeinsam mit ihren Partnern in Ungarn gemacht und so bildet sich ein Netzwerk von Eco-Congregations.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 14. September 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 14. September 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 14.09.2011



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