Christoph Butterwegge: Solidarität wird gekappt

„Kennen Sie einen Taxifahrer mit Riestervetrag?“, fragt Armutsforscher Christoph Butterwegge in der Möbelhalle des Mülheimer Diakoniewerks. Sein Argument: Die angebotene Altersvorsorge hilft nicht denen, die sie wirklich brauchen. Zur Auseinandersetzung mit dem Thema Armut trafen sich Mitarbeitende der Mülheimer Diakonie und Kirche beim erweiterten Pfarrkonvent.
Als Gastreferent eingeladen war Christoph Butterwegge, Armutsforscher, Autor und früherer Bundespräsidenten-Kandidat der Linken. Beim Thema Armut gehe es um ein strukturelles Problem und nicht um ein individuelles, das betonte Butterwegge bei seinem Besuch in Mülheim. Das Problem Armut werde zu oft individualisiert („selber schuld“), während Reichtum zu oft verschleiert werde. Butterwegge wünschte in der politischen Diskussion einen stärkeren Fokus auf Reichtum von Multimillionären und Milliardären und „nicht auf den Oberstudiendirektor“.
Das dahinterliegende größere Problem sei die soziale Ungleichheit. Armut breite sich immer weiter in die Gesellschaft aus, während der Reichtum sich in wenigen Händen konzentriert. „So driftet die Gesellschaft auseinander“
„Wo Solidarität anfängt Spaß zu machen, wird sie einfach gekappt“, sagt Butterwegge und fordert unter anderem:
  •  eine stärkere Regulierung des Arbeitsmarktes mit höherem Mindestlohn
  •  eine stärkere Tarifbindung
  •  Einschränkung von sachgrundloser Befristung und Leiharbeit
  •  eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen

Die Impulse des Gastredners nahmen die Kolleginnen aus Kirche und Diakonie mit in eine gemeinsame Diskussion und in eine Führung durch die Hallen des Diakoniewerks Arbeit & Kultur an der Georgstraße. Im Anschluss stellte Diakonie-Geschäftsführerin Birgit Hirsch-Palepu die Strukturen der neuen Diakonie Mülheim gGmbH vor.

Foto: D. Schreyer
  • 05.05.2026
  • Annika Lante
  • Red