Aktuelles Factsheet der Deutschen Umwelthilfe zeigt auf, warum Biomethan keine Lösung für die Wärmewende ist
Die Bewahrung der Schöpfung zählt zu den zentralen christlichen Aufgaben unserer Zeit. Gerade im Bereich Wärme und Energie stehen viele Gemeinden, Einrichtungen und Familien vor wichtigen Entscheidungen. Welche Heizsysteme sind nachhaltig, bezahlbar und zukunftsfähig? Im Zuge der gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird dabei häufig eine Option diskutiert, die auf den ersten Blick vielversprechend klingt: Heizen mit Biomethan.
Ein aktuelles Factsheet der Deutschen Umwelthilfe e.V. zeigt jedoch deutlich, dass Biomethan keine tragfähige Lösung für die Wärmewende ist – weder ökologisch noch wirtschaftlich. Im Gegenteil: Es birgt Risiken für Verbraucher:innen, für den Klimaschutz und für eine gerechte Energiezukunft.
Doch was ist Biomethan eigentlich – und wo liegen die Grenzen?
Biogas entsteht in speziellen Anlagen durch die Vergärung von Energiepflanzen wie Mais oder von Gülle und Abfällen. Erst wenn dieses Gas aufwendig gereinigt wird, entsteht Biomethan, das ins Erdgasnetz eingespeist und in herkömmlichen Gasheizungen verwendet werden kann.
Doch die Fakten sind ernüchternd:
- Derzeit kann nur etwa 1 % des deutschen Erdgasverbrauchs durch Biomethan gedeckt werden.
- Selbst wenn man alle derzeitigen Anlagen betrachtet, könnten nur rund 54.000 Haushalte vollständig mit Biomethan heizen – bei Millionen Gasheizungen im Land ist das verschwindend gering.
- Hinzu kommt, dass der Großteil des Biomethans bereits für die Stromproduktion und den Verkehr benötigt wird. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem.
Biomethan ist somit kein skalierbarer Energieträger für die breite Wärmeversorgung.
Hohe Kosten, große Verunsicherung!
Gasversorger werben derzeit häufig damit, dass Biomethan eine unkomplizierte Lösung sei, um die gesetzlichen Anforderungen des GEG zu erfüllen. Doch die Realität sieht anders aus:
- Die Herstellung von Biomethan ist aufwendig und teuer.
- Prognosen zeigen deutlich, dass Heizen mit Biomethan absehbar teurer sein wird als der Betrieb einer Wärmepumpe – selbst unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten.
- Zudem drohen steigende Netzentgelte, da das Gasnetz auch bei sinkender Nutzerzahl weiter betrieben werden muss.
Für viele Verbraucher:innen entsteht so eine gefährliche Illusion:
Sie glauben, klimafreundlich zu heizen, stehen am Ende jedoch mit hohen Kosten und fossilem Erdgas da.
Rechtliche Unsicherheiten: Was kommt wirklich aus der Leitung?
Ein weiteres Problem ist, dass die Herkunftsnachweise für Biomethan derzeit nicht klar genug geregelt sind, um rechtssichere Verträge für die Wärmeversorgung abzuschließen.
Die aktuellen EU-Zertifikate bestätigen zwar, dass Biomethan irgendwo produziert wurde, aber nicht, welche Rohstoffe verwendet wurden (z. B. Mais oder Reststoffe), woher das Gas stammt oder ob es tatsächlich bis zum eigenen Versorger transportiert wurde.
Diese Lücken können zu Missbrauch führen und es Verbraucher:innen schwer machen, klimafreundliche und sichere Entscheidungen zu treffen.
Warum Biomethan die Wärmewende sogar verzögern kann
Das Festhalten an Biomethan als Lösung hat einen gefährlichen Nebeneffekt: Neue Gasheizungen werden weiterhin eingebaut. Damit bleibt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen über Jahrzehnte bestehen. Ein Ausbau des Biomethanmarktes kann diesen Bedarf niemals decken. Somit wird die für das Klima dringend notwendige Elektrifizierung des Wärmesektors – etwa durch Wärmepumpen oder grüne Wärmenetze – ausgebremst.
Die Deutsche Umwelthilfe kommt daher zu einem klaren Fazit:
„Biomethan ist langfristig keine tragfähige Lösung für die Wärmewende.” Sein Einsatz sollte auf wenige Sonderfälle beschränkt bleiben.
Welche Auswirkungen hat das auf Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen?
Kirchen sind vielerorts Vorbilder in puncto nachhaltiges Handeln und verwalten zahlreiche Gebäude – von Kindertagesstätten über Gemeindezentren bis hin zu historischen Kirchen. Für sie ergeben sich aus den Erkenntnissen drei wichtige Leitlinien:
1. Zukunftsfähige Entscheidungen treffen.
Neue Investitionen sollten auf Technologien setzen, die dauerhaft tragfähig sind:
- Wärmepumpen, wo möglich,
- Grüne Wärmenetze in Städten und Kommunen
- Energetische Sanierung als Grundlage jeder nachhaltigen Heizlösung.
2. Scheinlösungen kritisch hinterfragen
Wenn Angebote für „Biomethan-Tarife” gemacht werden, lohnt sich ein genauerer Blick:
- Handelt es sich tatsächlich um echtes Biomethan?
- Ist der Vertrag rechtssicher?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass das Gas wirklich verfügbar ist?
3. Schöpfungsverantwortung ernst nehmen
Der Einsatz knapper Ressourcen wie Biomethan sollte dort erfolgen, wo er am sinnvollsten ist, beispielsweise als kurzfristiger Ausgleich im Stromnetz. In der Fläche zu heizen ist dagegen weder ökologisch noch sozial gerecht.
Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung
Als Christinnen und Christen sind wir eingeladen, mutige Schritte zur Bewahrung der Schöpfung zu gehen. Die Wärmewende ist eine große Herausforderung, bietet aber auch die Chance, gemeinschaftlich Verantwortung zu übernehmen.