Angst vor schlechten Noten, Liebeskummer, Trauer um Angehörige oder Freunde. Die Themen, mit denen die Schulseelsorge zu tun hat, sind vielfältig. Im Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern gibt es seit knapp einem Jahr einen Raum, in dem sich die Schulseelsorger mit der Schülerin oder dem Schüler zurückziehen können. Für ein Gespräch und für einen offenen, vertraulichen Austausch.
„Wir sind froh, dass es diesen Seelsorgeraum nun gibt. Denn der Bedarf ist da und er wird noch weiter steigen“, so Studiendirektorin Kerstin Sonnet-Reischl, die Orientierungsstufenleiterin für die Stufen 5 und 6 am Simmerner Gymnasium. Der Raum werde regelmäßig von den Seelsorgern beider Konfessionen, aber auch von Vertrauenslehrern genutzt und habe sich bewährt, betonte sie gegenüber dem Superintendenten des Kirchenkreises Simmern-Trarbach, Pfarrer Markus Risch, und der Schulreferentin Pfarrerin Sabine Richter, die sich ein Bild von dem Seelsorgeraum machten.
Der Raum ist gemütlich eingerichtet, mit bequemen Sesseln, Pflanzen und Stehlampen, und er liegt etwas abseits im Schulkomplex. „Das ist ganz wichtig, damit nicht jeder sofort sieht, wenn eine Schülerin oder ein Schüler das Gespräch sucht. Vertraulichkeit spielt hier eine große Rolle“, macht Noah Delkurt deutlich. Der Deutsch- und Religionslehrer gehört zu den Initiatoren dieses Raums, er ist auch als evangelischer Schulseelsorger am Herzog-Johann-Gymnasium tätig, gemeinsam mit Schulpfarrerin Bärbel Sitzenstuhl.
„Für uns gehört die Schulseelsorge zur Schulkultur“, unterstreicht Kerstin Sonnet-Reischl. Die Arbeit der Schulseelsorger sei ein Dienst für die ganze Schule, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte, betont sie nachdrücklich. Und Noah Delkurt ergänzt: „Wir als Seelsorgeteam führen nicht nur Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen, auch Lehrerinnen oder Lehrer suchen durchaus den Kontakt. Da ist ein solcher Raum, der Schutz und Sicherheit bietet, sehr wichtig.“
„Es ist schön und beeindruckend, dass das Herzog-Johann-Gymnasium einen solchen Raum hat, wo Probleme, welcher Art auch immer, angesprochen werden können“, freute sich Superintendent Markus Risch über dieses Engagement von Schule und Lehrkräften. Und auch die Schulreferentin zeigte sich überzeugt, dass ein solcher Raum wichtig sei. „Man sieht Kindern oder Jugendlichen, aber auch Lehrern nicht an, welche Sorgen sie mit sich herumschleppen. Die Schulseelsorge kann hier eine wichtige Anlaufstelle sein, nicht, dass die Probleme direkt verschwinden, aber dass es die Möglichkeit gibt, sie anzusprechen und anzugehen“, betonte sie. Darum sei es wichtig, dass es an möglichst vielen Orten solche Räume geben würde. „Für das Herzog-Johann-Gymnasium ist das sicher ein Gewinn“, gab sie zu bedenken.
Davon ist auch Studiendirektorin Kerstin Sonnet-Reischl überzeugt. „Eine Schule muss sich auch die Frage stellen, welche Werte sie habe und welche Werte sie vermitteln möchte. Darum haben wir ganz bewusst auch Platz geschaffen für einen solchen Seelsorgeraum. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass es eine richtige Entscheidung war“, betont die Pädagogin.