Gedanken zu Ostern
„Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt“!
Der Satz aus dem Talmud erweckt in uns sofort das Gefühl, wie wertvoll doch ein jedes Leben ist. Die Welt und damit auch die Begegnung mit unseren Mitmenschen ist in einem jeden von uns auf einzige Weise da. Wir registrieren die Welt nicht, wir deuten sie und damit auch unser eigens Ich. Wir machen uns unsere Vorstellung von der Welt.
Was so eindeutig erscheint, ist näher betrachtet kompliziert. Wir teilen nicht alle dasselbe Weltbild. Und es scheint, dass die Welten zwischen uns immer mehr auseinanderdriften. Die jüngsten Wahlen in unserem Land haben das gezeigt. Wir ringen gerade um unsere Demokratie. Wir ringen aber auch um unsere Natur. Nicht alle teilen die gleiche Haltung zum Klimawandel. Und die Krisenherde unserer Welt werden auch nicht weniger. Zu dem langjährigen Krieg in der Ukraine kommt der Iran-Krieg hinzu. Es scheint, als ob wir nach einer gemeinsamen Orientierung suchen und sie einfach nicht finden.
Aber ist das alles neu? Die Geschichte der Menschheit ist eine dauernde Geschichte der Konflikte. So auch vor 2000 Jahren. Palästina war ein einziger Krisenherd. In diesem Schmelzofen der Konflikte hatte die damalige Weltmacht Rom das kleine Land besetzt. Sie fanden ein in sich uneiniges Land vor. Die verschiedenen jüdischen Gruppierungen, wie die der Sadduzäer, Pharisäer, Zeloten oder Essener konnten sich selbst nicht in ihrem Widerstand gegenüber Rom einigen.
In Mitten dieser unruhigen Zeit erreicht uns die Botschaft des Auferstandenen Jesus. Und es ist zunächst die Botschaft von einem Gekreuzigten. Ausgezogen war er, um die Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Doch auch er hatte es nicht vermocht, die Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Positionen zu einen. Gescheitert war er mit sich und seiner Welt als Aussätziger am Kreuz.
Und dennoch: bei aller Uneinigkeit geschieht für uns Christen das Wunder! Es ist Gott selbst, der in diese Zerrissenheit hineingeht und dort seine Liebe hineinspricht. Die Antwort Gottes auf unsere Uneinigkeit ist Liebe! Diese Liebe geht sogar über das hinaus, wo wir als Menschen mit unserer Welt an eine Grenze kommen. Der Tod ist eigentlich der Abbruch jeder Kommunikation. Hier aber nicht. Im Auferstanden begegnet uns die Hoffnung, dass unsere Beziehungen nicht abbrechen sondern neu aufleben können.
Ostern feiern wir das Aufleben einer neuen Welt! Diese Welt ist uns von Gott geschenkt. Damit gehört sie uns nicht allein. „Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt“ bekommt hier einen neuen Sinn. Es ist das Annehmen einer jeden Welt durch Liebe. Und diese Liebe ist Gott!
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien und Freunden frohe und gesegnete Ostern!
Superintendentin Dr. Barbara Schwahn für den Evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen
Dr. Thomas Eicker und Dr. Thorsten Obst für die katholischen Regionalteams Kempen-Viersen und Krefeld-Meerbusch