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für den 20.11.2019

Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen.

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Geschichten aus der Krankenhausseelsorge

"Wir brauchen Sie glücklicherweise noch nicht!"

Unterstützt von der Stiftung Krankenhausseelsorge ist Pfarrerin Brigitte Sondermeier als Seelsorgerin in der Bonner Kinderklinik aktiv. Was macht diesen Dienst aus? Lesen Sie die Geschichte einer besonderen Begegnung.

Pfarrerin Sondermeier beim Eintreten in ein Patientenzimmer (Foto KJu) Pfarrerin Sondermeier beim Eintreten in ein Patientenzimmer (Foto KJu)

Auf meinem Weg durch die Zimmer der Intensivstation an diesem Morgen trete ich in einen Raum. Ein kleines Mädchen liegt im Bett, so schnell kann ich nicht erkennen, wie alt sie sein mag. Der Kopf umwickelt mit einem Verband, schlafend, sichtlich sehr krank. An seinem Bett die Eltern. Ich stelle mich ihnen vor, und schon sagt die Mutter freundlich: „Wir brauchen Sie glücklicherweise noch nicht!“

An dieser Stelle sollte ich erklären, was es mit diesem Satz auf sich hat. Zwar ist seit Jahrzehnten die Lebens- und Glaubenshilfe in schwieriger Zeit die primäre Aufgabe der Seelsorge in Krankenhäusern, zumindest verstehen wir Klinikseelsorger*innen uns so. Aber viele Menschen verbinden mit dem Besuch eines Pfarrers/einer Pfarrerin immer noch den nahenden Tod. Kommt der Pfarrer, ist nichts mehr zu machen, keine Heilung mehr zu erwarten. Jetzt geht es nur noch um das Glück in der Ewigkeit. Und so ist dieser Satz, so etwas wie eine Ausladung, wie kämpferisch oder charmant er auch ausgesprochen sein mag: Komm Du bloß nicht, ich will den Tod noch nicht!

Wie nun aber geht diese überraschende Begegnung weiter?

Kaum hat sie ihren Satz gesprochen, beginnt sie zu erzählen, der Vater ergänzt: Sie kommen aus Norddeutschland, ihre Luisa ist zwei Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Wegen vieler Begleiterscheinungen, die mit diesem Syndrom häufig verbunden sind, war sie oft in Krankenhäusern. Seit einiger Zeit gab es Komplikationen, die schlimmer und schlimmer wurden. Man schickte sie deshalb nach Bonn, in der Hoffnung, hier doch noch einen Ausweg zu finden. Der Vater würde gegen Mittag nach Hause fahren, die Mutter  allein hierbleiben. Zu Hause ist seine Arbeit, auf die sie finanziell angewiesen sind, und da sind die beiden älteren Brüder des Mädchens, die in die Schule gehen, … Es dauert etwa eine Stunde, bis das Gespräch sein Ende findet.

Oft bin ich am Bett von Luisa und ihrer Mutter gewesen in den Monaten, in denen sie hier waren, habe die Höhen, wenn die Behandlung anschlug, die Freude und Hoffnung mit der Mutter geteilt, und die Tiefen, wenn Rückschläge kamen, die Momente, in denen der
Tod nahe schien. Nach drei Monaten  konnte Luisa in ein heimatnahes Krankenhaus entlassen werden.

Was die Mutter trug? Die Liebe zu ihrem Kind. Und ihre Familie, auch wenn sie so weit weg war. Und ihr Glaube. Und ich bin sicher, hilfreich war auch die Beziehung, die zwischen ihr und mir entstanden war.

Es war noch ein langer Weg für Luisa, am Ende aber voller unerwarteter Fortschritte. In ihrem eigenen Tempo machte sie ihre Schritte: sie lernte sitzen, krabbeln, sie kam in den Kindergarten, sie lernte, auf den eigenen Füßen zu stehen, sie lernte zu laufen. Vor einem Jahr wurde sie eingeschult.

 

Ein Dienst der durch Spenden möglich wird

Die Stiftung Krankenhausseelsorge finanziert den Dienst von Pfarrerin Sondermeier an der Kinderklinik und unterstützt die Finanzierung von Personalkosten auch an vielen anderen Stellen. Sie unterstützt die Krankenhausseelsorge durch besondere Aktionen, wie den Besuch einer Klangtherapeutin auf der Palliativstation, Vorleseprojekte, kleine Konzerte auf Krankenstationen und die Gestaltung besonderer Gottesdienste. Für diese Aktivitäten ist die Stiftung auch auf Spenden angewiesen. 

Wir freuen uns sehr, wenn Sie helfen können. Eine Spende ist auch direkt und sicher über unser online Spendenformular möglich.

 

KJu / 30.10.2019



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