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für den 24.10.2021

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Im Herbst

Der Herbst hat sein eigenes Kleid. Gelb und orange leuchten die Blätter an den Bäumen, braun gefärbt fallen und schweben sie schließlich zu Boden. Die Bäume werfen ihr Kleid ab, um sich für den Winter zu wappnen.

Herbststimmung (Foto: A. Franchy-Kruppa) Herbststimmung (Foto: A. Franchy-Kruppa)

Das Licht zieht sich aus dem Tag zurück, morgens und bald schon am späten Nachmittag ruht es hinter dem Horizont. Viele Aktivitäten verlagern sich nun wieder nach drinnen, das Leben draußen hat seine Zeit im Sommer gehabt.

»Wie wohltuend, dass man nun abends zu Hause bleiben kann, ohne das Gefühl, man müsse doch eigentlich draußen sein und dort aktiv«, sagte mir neulich eine Patientin. Sie genießt die Ruhe, die Herbst und Winter bringen, und die Verlangsamung, die uns die Natur vorlebt.

Erst nach dieser Verlangsamung, diesem Stillstehen und Pausemachen kann im nächsten Frühling wieder neues Leben entstehen. Das Leben braucht diesen Rhythmus, der auch die Ruhe kennt.

Und manche Blätter, die auf die Erde fallen, werden eins mit ihr, sie vergehen im Boden, aus dem schließlich wieder neues Leben wächst. So wächst das Leben ins Vergehen und wieder neu aus dem Vergehen hervor.     

Wie wir auch im Fallen und Vergehen geborgen bleiben, hat Rainer Maria Rilke in seinem Herbstgedicht beschrieben:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

Pfarrerin Dr. Annette Schmitz-Dowidat, Uniklinik Bonn

 

11.10.2021



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