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für den 17.08.2019

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Diakonie Neuwied

Am Simulator Leben mit Baby geübt

Mit einem "Real Care Baby", einem Simulator in Form einer Babypuppe, haben vier Schülerinnen die Mutterschaft geprobt. Am Ende des Projektes des Diakonischen Werkes und der Blindenschule war klar: mit einem echten Baby wollen sie sich noch Zeit lassen.

Ein positives Resümee aus dem Projekt "Babybedenkzeit" zogen die Beteiligten aus dem Diakonischen Werk und der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte. Ein Wochenende lang betreuten die Jugendlichen ihre Babys "Lea" und "Maik Leon". Foto: Andrea Fehr Ein positives Resümee aus dem Projekt "Babybedenkzeit" zogen die Beteiligten aus dem Diakonischen Werk und der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte. Ein Wochenende lang betreuten die Jugendlichen ihre Babys "Lea" und "Maik Leon". Foto: Andrea Fehr

FELDKIRCHEN. Lea geht es gut: Mit großen Augen schaut sie in die Runde und gibt hin und wieder glucksende Babylaute von sich. Auf dem Arm der 19-jährigen Annabell scheint sie sich wohlzufühlen. Doch bei genauerem Hinsehen fallen einige widersprüchliche Details ins Auge, und auf den zweiten Blick wird klar: Lea ist gar kein echtes Baby, sondern eine ganz besondere Puppe. Sie ist ein sogenanntes Real Care-Baby, ein Babysimulator, mit dem Jugendliche Erfahrungen in der Betreuung eines Säuglings sammeln können.

Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Neuwied hat die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte im Rahmen ihrer Arbeitsgemeinschaft Sexualpädagogik zum ersten Mal das Projekt "Babybedenkzeit" angeboten. Vier Schülerinnen setzten sich intensiv mit Fragen zu Lebensplanung, Verantwortung, Sexualität und Verhütung, Elternschaft und Kinderwunsch auseinander. Eingebettet in das Projekt war ein mehrtägiges "Babypraktikum" mit den Puppen.

Zwei Tage und zwei Nächte lang kümmerten sich Melissa (14), Christine (16), Annabell und Cynthia (beide 19) in Zweierteams um "ihre" Kinder "Lea" und "Maik Leon". Dabei wurden sie eng von den Erzieherinnen Maria Jähner und Astrid Hildebrandt betreut und unterstützt. Mit Diplom-Psychologin Gabriele Kühnert-Wettengel vom Diakonischen Werk bereitete sich die Gruppe auf das Babywochenende vor.

Schnell zeigte sich: Die Puppen, die in ihren Maßen einem Neugeborenen entsprechen, haben auch die gleichen Bedürfnisse. Wickeln, füttern, beruhigen und im Arm wiegen - computergesteuert simuliert das Baby den Alltag. Schreien zu den unmöglichsten Zeiten, Hunger und Aufstoßen, unter improvisierten Bedingungen Windeln wechseln: Was für Eltern schnell Routine wird, war für die vier Jugendlichen eine ganz besondere Herausforderung. Denn der Computer räumt den "Eltern" mit zwei Minuten nur eine sehr kurze Zeit ein, um angemessen zu reagieren. Was darüber hinaus geht, wird bereits als Verwahrlosung gewertet.

"Obwohl wir wussten, dass es Puppen sind, haben wir uns schon intensiv mit ihnen befasst" beschreibt Annabell die Zeit mit "Lea". "Es war schön, aber wir wussten auch, dass wir die Puppen nach einem bestimmten Zeitraum wieder abgeben können."

Beim Spazierengehen mit dem Kinderwagen fiel der Gruppe vor allem die Reaktion der Umgebung ins Auge. "Das war schon sehr zwiespältig", berichtet Erzieherin Maria Jähner. "Einige waren sehr angetan, andere waren eher entsetzt, dass so junge Frauen schon Kinder haben."

Die Bilanz der jungen Frauen fällt eindeutig aus: Kinder ja, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. "Es war eine interessante Erfahrung, aber im Prinzip sind die Puppen relativ einfach zu behandeln. Bei echten Babys gibt es viel mehr zu beachten", resümiert Christine. Zum Ende des Projektes stellte sich bei den Jugendlichen doch so etwas wie Trauer ein: "Es war schon ein komisches Gefühl, als die Puppen ausgingen", stellt Cynthia fest. Annabell und Christine hatten es da leichter: "Lea hat noch einmal glücklich gegluckst und geseufzt, dann ging sie aus."

Andrea Fehr

  • Informationen zum Projekt "Babybedenkzeit" erteilt das Diakonische Werk Neuwied, Telefon 02631/3922-21.

 

 

 

 



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