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für den 21.03.2019

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Diakonie Neuwied

Neues aus der Schwangerenberatung

Seit Ende November 2018 teilen sich Frau Elke Voss und Frau Regine Wilke die 55,5 Wochenstunden in dem Beratungsgebiet der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung.

von links: Regine Wilke, Elke Voß von links: Regine Wilke, Elke Voß

Beide sind erfahrene Fachkräfte, die langjährig in der Beratungsarbeit im Diakonischen Werk tätig sind. 55,5 Wochenstunden kommen daher, dass für den Landkreis Neuwied 4 Vollzeitstellen für Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung zur Verfügung stehen und diese auf verschiedene Träger verteilt sind. Je 40.000 Einwohner steht eine Vollzeitstelle zur Verfügung.

Was uns im vergangenen Jahr in der Beratung besonders beschäftigt hat ist:

Kann ich mir ein Kind überhaupt leisten?

Diese Frage wird in den Schwangerenberatungsstellen der Diakonie  oft gestellt.
Viele Frauen wissen, was Armut bedeutet oder haben Angst, durch ein Kind in Armut zu geraten. Die Beraterinnen unterstützen sie, so gut sie können. Doch das deutsche Hilfesystem ist kompliziert, was die Beratungen immer komplexer macht.

„Zwar hat sich die rechtliche Situation für werdende Mütter verbessert“, sagt Regine Wilke, die seit 13 Jahren in der Schwangerenberatungsstelle des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Wied arbeitet. „Doch es wird immer schwieriger zu durchschauen, wo es welche Hilfen gibt und wie sie beantragt werden.“

Rund 200 Milliarden Euro gibt der deutsche Staat jährlich für familienpolitische Leistungen aus. Doch bei denen, die wenig haben, kommt davon kaum etwas an, kritisiert Wilkes Kollegin Elke Voss. Das Kindergeld wird vollständig auf den Hartz IV-Satz angerechnet. Beim Elterngeld erhalten nur Eltern, die vor der Geburt gearbeitet haben, einen Freibetrag. Flexible Arbeitszeiten erfordern eine flexible Kinderbetreuung. „Die Angst, durch ein Kind sozial abzurutschen, hat deutlich zugenommen“, beobachtet Elke Voss.

In Rheinland-Pfalz gibt es an 92 Standorten Schwangerschaftsberatungsstellen, 39 davon trägt die Diakonie. Seit 2015 ist die Zahl der Fälle gestiegen. Die schwierige finanzielle Situation der Mütter sei in 70 Prozent der Fälle Thema der Beratung, erklärt Beraterin Regine Wilke. „Ohne das Einkommen der Frau kommen viele Familien heute nicht mehr klar. Ihre Berufstätigkeit ist entscheidend dafür, ob Kinder in Armut aufwachsen oder nicht.“

Wer sich also trotz einer schwierigen finanziellen Situation für ein Kind entscheidet, braucht viel Unterstützung und ein gutes Netzwerk. Die Mitarbeiterinnen der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatungsstellen der Diakonie helfen den Frauen deshalb nicht nur dabei, eine Entscheidung zu treffen und den Behördendschungel zu durchschauen, sondern organisieren auch praktische Hilfe.

Regine Wilke und Elke Voss arbeiten mit ehrenamtlichen Familienpaten zusammen. An die Beratungsstelle ist eine Kleiderbörse angeschlossen, die u.a. gebrauchte Kleidung, Babyzubehör und Spielzeug zu fairen Preisen anbietet.

In ihrer Beratung begegnen die Beraterinnen vielen Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Für sie ist auch das Ausdruck von Armut. Schon seit Jahren setzt sich die Diakonie für kostenlose Verhütungsmittel ein. Bislang ohne Erfolg. Frauen, die Hartz IV beziehen, erhalten die Anti-Baby-Pille seit 2005 nicht mehr kostenlos auf Rezept. Wer sie nicht verträgt und andere Verhütungsmittel wie eine Spirale braucht, muss erst recht tief in die Tasche greifen.

„Verhütung darf nicht am Geld scheitern“, betonen die Beraterinnen. Um Kinder- und Familienarmut zu beseitigen, müsste an vielen Stellschrauben gedreht werden.

 

21.02.2019



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