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Oikocredit

In Gerechtigkeit investieren

Oikocredit – ein alter 68er
Die Idee zur Gründung von Oikocredit entstand bei der Generalversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) 1968 in Uppsala/Schweden. Engagierte Kirchenmitglieder kritisierten, dass sich die Kirchen in ihrem wirtschaftlichen Handeln dem ‚mainstream‘ angepasst hatten und vor allem in der Rücklagenpolitik kaum andere Kriterien als Sicherheit, Liquidität und Rendite berücksichtigten. Sie fragten: „Warum investieren Kirchen ohne Skrupel in Industrien, die den Vietnamkrieg oder die Apartheit unterstützen? Gibt es keinen sauberen Weg, Gelder anzulegen? Einen der mehr der Botschaft der Kirchen entspricht, der Menschen fördert?“

Als Ergbnis dieser Diskussionen initiierte der ÖRK zwei Programme:
1. das Programm zur Bekämpfung des Rassismus (PCR), das unter anderem zum Abzug ausländischer Investitionen aus Apartheid-Südafrika aufrief sowie zu einem Stop von Bankkrediten an das Apartheidregime,
2. die Kommission für kirchlichen Entwicklungsdienst (Commission on the Churches‘ Participation in Development = CCPD), deren Hauptaufgabe es war, ökumenische Reflexion und entsprechendes Handeln in Fragen der Entwicklung zu fördern. Entwicklung wurde verstanden als: mehr soziale Gerechtigkeit, Partizipation der Menschen, Selbstvertrauen und ein Wirtschaftswachstum, das die Grundbedürfnisse befriedigte.
Entwicklung unterstützen.

Als wichtiges Instrument zur Entwicklungsförderung galt immer schon das Geld, das meistens in Form von Spenden vom Norden in den Süden transferiert wurde. Die ökumenische Bewegung nutzte jedoch auch früh die Möglichkeit von Krediten, etwa durch die bereits 1928 gegründete Internationale Protestantische Kreditvereinigung (APIDEP), die eine Finanzierung zum Bau von Kirchen, Schulen und Krankenhäusern ermöglichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Ökumenische Darlehensfonds (Ecumenical Church Loan Fund = ECLOF) diese Aufgabe. Das ECLOF-Büro in Genf gibt erhaltene Spendenmittel an nationale ECLOF-Ausschüsse weiter, die das Geld als Kredite für Projekte in ihrem Land zur Verfügung stellen.
Im Laufe der Jahre veränderten sich die Aktivitäten von ECLOF, weg vom Kirchenbau hin zur Bekämpfung von Armut und Unterentwicklung. Heute sind die meisten der finanzierten Projekte einkommenschaffende Maßnahmen, wie Kleinindustrien, Kleinhandelsprojekte, landwirtschaftliche Projekte und medizinische Versorgungszentren.

In Gerechtigkeit investieren
ECLOF und alle anderen Entwicklungsorganisationen arbeiten mit Spendenmitteln. Aber unterliegt nicht auch das Rücklagenkapital von Kirchen einer christlichen Ethik? Sollten die Kirchen nicht ihre Rücklagen zur Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft verwenden? Solche Überlegungen ließen bei der CCPD die Idee einer kirchlichen Bank für Entwicklungsaufgaben entstehen. Nach vier Jahren Planungsphase beschloss der Zentralausschuss des ÖRK 1974 in Berlin, die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft (Ecumenical Development Cooperative Society/EDCS) zu gründen. Dem Aufruf, Investitionen aus dem Apartheidsstaat Südafrika abzuziehen, wurde damit eine Alternative gegenübergestellt; denn gute Propheten beklagen nicht nur, was falsch läuft, sondern weisen auch den Weg in die richtige Richtung.

Der Ausschuss forderte die Mitgliedskirchen des ÖRK und ihre Werke auf, sich mit Geldanlagen an EDCS zu beteiligen und ging selbst mit gutem Beispiel und 10.000 Schweizer Franken (CHF) voran. Die Arbeit sollte beginnen, sobald 30 Gruppen (mindestens zur Hälfte aus Asien, Afrika und Lateinamerika) EDCS-Mitglied würden und mindestens 15 Millionen CHF als Anteilskapital gewährleistet seien. Diese Summe wurde später auf drei Millionen reduziert, denn die gute Idee wurde von den Kirchen nicht so begeistert aufgenommen wie von den Gründungsvätern und -müttern erwartet. Es gab erhebliche Widerstände kirchlicher Finanzreferenten, Geld bei EDCS zu investieren. Manche Landeskirchen wollten EDCS lieber eine halbe Million spenden als auch nur eine Mark zu investieren. Schrieben nicht alle Verwaltungsordnungen vor, Geld mündelsicher und gewinnbringend anzulegen? Und die Investition in Entwicklung galt den Kirchen nicht als Gewinn und nicht als sicher.

Das hat sich inzwischen geändert: In 26 Jahren EDCS bzw. Oikocredit – so heißt die Ökumenische Genossenschaft seit 1999 – hat noch kein Anleger einen Pfennig oder Cent verloren. Die belächelte „gute, aber unrealisierbare Idee“ hat sich zu einem der größten internationalen ethischen Investmentfonds entwickelt. Und auch die Kirchen und ihre Institutionen sind nicht mehr ganz so zurückhaltend; inzwischen stellen sie – auf Deutschland bezogen – rund 30% Prozent des Kapitals von Oikocredit International. Die Skepsis gegenüber dem „Investieren in Gerechtigkeit“ ist also kleiner geworden, nichtsdestotrotz gibt es hier aber noch große Potentiale.

Kredite für eine gerechtere Welt
Oikocredit verfolgt vor allem zwei Ziele:

  • Erstens sollen benachteiligte Menschen in ihren Bemühungen unterstützt werden, durch produktive Unternehmen wirtschaftliche Selbstständigkeit zu gewinnen. Häufig fehlt ihnen das Kapital zur Verbesserung und Ausweitung ihrer Betriebe.Kredite von lokalen Banken bekommen sie nicht, da sie arm sind und keine Sicherheiten vorweisen können.
  • Zweitens soll Rücklagenkapital von Kirchen, kirchennahen Organisationen und Einzelpersonen mobilisiert werden, um für Entwicklungsaufgaben verwendet zu werden. Davon profitieren nicht nur die Armen, sondern auch die Ökumenische Bewegung. Denn so macht sie glaubwürdig, dass sie sich für mehr Gerechtigkeit auf der Welt und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt.

Oikocredit will als lebensfähige Institution ein Modell für ein gerechteres Wirtschaftssystem darstellen und beweisen, dass ein Unternehmen nach christlichen Grundsätzen geführt werden, mit den Armen zusammenarbeiten und dennoch sich selbst tragen kann.
Oikokredit möchte die Kirchen als Institutionen herausfordern, „ihr Geld dort anzulegen, wo es ihrer Predigt nach hingehört“, und sie ermuntern, mit ihrem Rücklagenkapital gemäß ihrem Amtsverständnis und ihrem missionarischen Auftrag umzugehen.

Alle anderen Organisationen und Privatpersonen können sich über die regionalen Oikocredit-Förderkreise beteiligen und investieren. Denn würden sie auch direkt Mitglieder von Oikocredit, käme es bei den Jahresversammlungen zu einer Dominanz des Nordens. Das bestätigt die Zahl von 20.000 Förderkreis-Mitgliedern gegenüber 500 Direkt-Mitgliedern. Die Förderkreise spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Ziele von Oikocredit, denn es handelt sich eben nicht nur um eine Finanzinstitution, sondern auch um eine weltweite Solidaritätsbewegung.

Die Anteilseigner kommen aus allen wichtigen Traditionen der christlichen Familie, der römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen und protestantischen. Der Ausspruch „Lehre teilt, Dienst eint“ scheint bei Oikocredit zuzutreffen, Ökumene findet hier statt.

Oikocredit Westdeutscher Förderkreis
Adenauerallee 37
D 53113 Bonn
Tel.: +49 228 6880 280
Fax: +49 228 6880 880
Email: >westdeutsch.fk@oikocredit.org<

 



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