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EKIR.DE/GLOBALISIERUNG

Brief der Weltbünde

Liebe Freunde, Schwestern und Brüder in Christus,

wir möchten Euch wichtige Ergebnisse der Konsultation zur „Ökonomie im Dienst des Lebens“, die im Juni 2002 in Soesterberg (Niederlande) stattfand, mitteilen. Diese Konsultation wurde gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), dem Reformierten Weltbund (RWB), dem Lutherischen Weltbund (LWB), der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und dem europäischen Gebietsausschuss des RWB veranstaltet. Gastgeber war der Nationale Kirchenrat der Niederlande. Die Soesterberg-Konsultation gehört zu einer Reihe von Konsultationen, in denen die Kirchen gemeinsam nach einer Antwort auf die ökonomische Globalisierung suchen. Zuvor fanden solche Zusammenkünfte bereits 1999 in Bangkok und 2001 in Budapest und Fiji statt. Ergebnisse der Konsultation sind in den drei folgenden Dokumenten formuliert worden:

  • In einem Brief an die Kirchen in Westeuropa
  • In der Antwort der Soesterberg-Konsultation auf den Brief an die Kirchen im Norden des Bangkok Symposiums, der Botschaft der Fiji Konsultation und eines Aufrufs der argentinischen Kirchen
  • In der Antwort der Soesterberg-Konsultation auf die Botschaft der Budapest-Konsultation der Kirchen in Zentral- und Osteuropa

Wir bitten Euch darum, diese Dokumente Gemeinden, ökumenischen Gruppen, Synoden und anderen Entscheidungsgremien zugänglich zu machen.

Die beiden Hauptziele der westeuropäischen Konsultation waren:

  • zu analysieren, wie die ökonomische Globalisierung und die Rolle des Geldes in diesem Prozess die Gesellschaften Westeuropas betreffen;
  • eine Antwort der westeuropäischen Kirchen auf jene Fragen zu entwickeln, die von Kirchen in Zentral- und Osteuropa und im Süden aufgeworfen wurden.

Die ökonomische Globalisierung ist am stärksten im Bereich des internationalen Finanz- und Geldsystems vorangeschritten. Die Beziehung zwischen der Macht der Finanzmärkte und der Macht der Nationalstaaten hat sich auf dramatische Weise verschoben. Eine alles erfassende Hinwendung zu den auf Profit ausgerichteten Interessen der Aktienbesitzer (“shareholder value”) hat Geldströme und finanzielle Transaktionen in zunehmendem Maße von der realen Ökonomie abgekoppelt. Das Kapital konnte dadurch zum Selbstzweck werden, anstatt ein Mittel zu sein, das den Bedürfnissen der Menschen dient. Neben anderen Entwicklungen hat dies bereits zu einer ganzen Reihe verheerender finanzieller Krisen geführt und in der Folge zu
einer fortwährenden Umverteilung des Reichtums von den Armen zu den Wohlhabenden, sowohl innerhalb wie zwischen einzelnen Ländern. Das Ergebnis ist ein noch nie dagewesenes Ausmaß globaler Ungleichheit und Instabilität. Eine Arbeitsgruppe der Soesterberg-Konsultation zu Fragen des globalen Finanzsystems rief die Kirchen dazu auf, ihre Regierungen zu drängen, einer grundlegenden Reform der internationalen finanziellen und monetären Rahmenordnung Priorität zu geben mit dem Ziel, den finanziellen und monetären Bereich den realen Bedürfnissen der Menschheit näher zu bringen und das Geld wieder in der realen Ökonomie zu verankern. Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank (WB), die Welthandelsorganisation (WTO) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sind Schlüsselinstitutionen im Prozess der ökonomischen Globalisierung. Die Arbeitsgruppe unterstrich, dass sich Kirchen mit diesen Institutionen ebenso wie auch mit nationalen Regierungen und Institutionen der Europäischen Union engagiert auseinandersetzen müssen. Kirchen sollten mit zivilgesellschaftlichen Kräften, die in diesem Themenfeld aktiv sind, Bündnisse bilden und im Geist der Globalisierung von Solidarität zusammenarbeiten.

Wir hoffen, dass die drei Soesterberg-Dokumente dazu beitragen werden, den Dialog und die Debatte zur ökonomischen Globalisierung unter den Kirchen verschiedener Regionen zu stärken. Im Blick auf die anstehenden Vollversammlungen der KEK (Trondheim 2003), des LWB (Winnipeg 2003), des RWB (Accra 2004) und des ÖRK (Porto Alegre 2006) möchten wir die Mitgliedskirchen unserer Organisationen bitten, sich auf die Debatte in den Vollversammlungen vorzubereiten, indem sie auf die Herausforderungen der ökonomischen Globalisierung in verbindlicher Weise antworten – sowohl durch breite Diskussionsprozesse wie auch durch Entscheidungen in den zuständigen Gremien.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Konrad Raiser, Ökumenischer Rat der Kirchen
Dr. Ishmael Noko, Lutherischer Weltbund
Dr. Setri Nyomi, Reformierter Weltbund
Dr. Keith Clements, Konferenz Europäischer Kirchen

 

1.9.2011



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