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115 Beratungsfachkräfte aus der Rheinischen Kirche

Erfolgreiche Jahrestagung zum Thema "Riskante Beziehungen"

Vom 29.-30. September 2014 trafen sich 115 Beratungsfachkräfte aus der Rheinischen Kirche im Tagungshaus „Wolfsburg“ in Mülheim/Ruhr, um über „Riskante Beziehungen“ nachzudenken.

Prof. Wolfgang Hantel-Quitmann (Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg) referierte über „Liebe und Gewalt in Paar- und Familienbeziehungen“. Er berichtete, dass diese Gewalt weltweit zunehme. Von Partnergewalt betroffen seien vor allem junge Frauen, eher im ländlichen Raum. Besonders Trennungsdrohungen oder Trennungssituationen seien als auslösende Situationen riskant.

Liebe werde dabei als Besitzenwollen erlebt.Um zum Täter werden zu können, sei es psychisch meist notwendig, sich innerlich selbst zum Opfer umzudeuten, das sich mit den Mitteln der Gewalt verteidigen müsse. Die Einfühlung in das Gegenüber finde dann nicht mehr statt. Fehlen oder Verlust einer liebenden Grundhaltung, Beschämung, Ausgrenzung gehörten neben körperlicher Gewalt zu den zerstörerischen Folgen. Verbale Demütigungen würden oft sogar noch stärker verletzend erlebt als körperliche Aggression. Ein wahrscheinlich noch größeres soziales Gewaltpotential als in partnerschaftlichen Trennungen liege allerdings in der gesellschaftlichen Spaltung in arme und reiche Familien.

Ziel müsse immer sein, die Sprachlosigkeit von Ärger, Zorn und Rache zu überwinden. Menschen dürften nach Gewaltausübung nicht dämonisiert werden, so wie sie selbst häufig ihre Opfer entmenschlichten. Gewaltzirkel ließen sich aber nur überwinden, wenn Täter z.B. in einer Therapie eine haltgebende Bindung erleben.

In sechs Workshops wurden weitere Facetten des Themas beleuchtet:

Dipl.-Psychologe Stefan Waschlewski (ehemals Leiter einer Fachstelle für Gewaltprävention und -beratung) erarbeitete mit einer Gruppe, wie man zu gewalttätig gewordenen Kindern und Jugendlichen eine therapeutische Beziehung aufbauen kann. Landespfarrer Andrew Schäfer gab Einblicke in die Beratungsarbeit mit Menschen, die durch Mitgliedschaft in Sekten und weltanschaulichen Gruppierungen in Lebensschwierigkeiten geraten sind. Claudia Paul (Ansprechstelle für den Umgang mit Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung in der Ev. Kirche im Rheinland) leitete an, Institutionen kritisch zu analysieren, inwieweit sie sexuelle Grenzverletzungen so gut wie möglich verhindern.

Diplom-Psychologin Dr. Stephanie Pieschl (Universität Münster) informierte über Cybermobbing und was sich präventiv dagegen tun lässt. Bei Dr. Thomas Köhler-Saretzki(Beratungsstelle Christliche Sozialhilfe Köln) und Martina Kraemer (Ev. Beratungsstelle Waldbröl) ging es darum, wie Bindungsstörungen in Familien mit kleinen Kindern vorgebeugt werden kann und wie sich solche Störungen im Erwachsenenalter auswirken können. In der Gruppe von Dr. med. Andrea Schleu (Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin; www.ethikverein.de) wurde erarbeitet, welche Gefahren, aber auch Hilfsmöglichkeiten bestehen, wenn Beratung und Therapie erfolglos oder fehlerhaft durchgeführt werden oder gar Grenzverletzungen begangen werden.

Den Abschluss machte Prof. Arist von Schlippe (Universität Witten-Herdecke) mit einem lebhaften Vortrag zum Thema „Feindbilder – über die Dynamik eskalierender Beziehungen“.

Anschaulich schilderte er an Beispielen, wieu.a. verletztes Gerechtigkeitsempfinden und Wahrnehmungsfehler den Konflikt immer mehr wie einen Parasiten in der Beziehung leben lassen: Da sagen Menschen dann: „Ich handele ja nur so, weil die Situation mich dazu gezwungen hat, der Andere handelt aber so, weil der dumm, krank oder böse ist, und zwar immer.“ Große Lösungen seienallerdings nicht sinnvoll, vergrößerten oft nur das Leid. Vertrauen als riskante Vorleistung sei wesentlich. Die Eskalation erkennen und kleine Schritte der Verbesserung zu finden sei der bessere Weg. Wenn die einfachsten Höflichkeitsregeln nicht mehr eingehalten werden, sei die Entwicklung des Feindbildes weit fortgeschritten. Prof. Arist von Schlippe betonte, er arbeite erst dann mit Konfliktpartnern, wenn sie sich wenigstens wieder grüßen würden!

 

20.01.2015



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