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Über das Haus der Stille

Das Haus der Stille ist das Einkehr- und Meditationszentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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21015

Rengsdorf: Haus der Stille
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Losung für den 11.04.2021

Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Psalm 62,11

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Matthäus 6,21

Service

Hahnenfuss, Fruehling Kräfte gesammelt und ins Licht gestoßen: Überraschend für Vorbeispazierende ist in der Wärme der Schiefermauer diese einzelne Ranunkel bereits im Februar aufgeblüht. Foto: Dorothea Müth-Abu Dhis

Haus der Stille

Aufbrechen und Auferstehen: Offen und wach durch die Coronazeit gehen

Die Fastenzeit hat begonnen. "Fastenzeit" gefällt mir besser als "Passionszeit", Leidenszeit. Denn es geht nicht um Leiden, sondern um Vorbereitung auf Ostern. Die letzten Tage Jesu beschreiben eindrücklich diese Vorbereitung: Vorbereitung in den  Aufbruch, ein Hineinwachsen in die Auferstehung des Menschen mitten im Leben. Was Jesus erlebt hat, übertrage ich auf unser Durchleben der Pandemie.

Es geht um Befreiung und Neuanfang, die auch das jüdische Pessach-Fest (Passah) ausmachen. Am Vorabend des Pessach-Festes stärkt eine Mahlfeier Jesus und seine Jünger. Dann folgt eine Phase der Krise: Verrat, Allein-Gelassen-Werden, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Leiden und Tod.

Anschließend kommt eine sehr besondere Zeit, die Zeit „dazwischen“. Ich habe vor Jahren den Begriff „in-between“, Übergang, dafür gehört. Er gefällt mir. Diese Zeit endet Ostermorgen mit dem Fest des Aufbruchs, der Auferstehung des Lebens, der neuen Verantwortung.

Es sind also vier Phasen:  Stärkung und Gemeinschaft, Krise, die Zeit dazwischen und  der Neuanfang.

Auch das Pessach-Fest beinhaltet diese vier Phasen, indem es sich die Geschichte des Volkes Israel mit dem Auszug aus Ägypten vergegenwärtigt. Gleichzeitig ist das Pessach-Fest, genau wie Ostern, ein Fest des Frühlings. Die Natur erwacht und  blüht auf; die Zeit der Winterruhe und des Übergangs ist zu Ende.  

Hoffnung ist mehr als ein Warten auf bessere oder gar alte Zeiten

Es liegt nahe, in der jetzigen Zeit diese vier Phasen auf die Pandemie zu übertragen:  Welche Parallelen gibt es, welche Sehnsucht und welche Perspektive wohnen in uns? Das stärkt die Hoffnung.  Und Hoffnung ist mehr als ein Warten auf bessere Zeiten oder sogar auf alte Zeiten. Hoffnung ist die Grundhaltung, dass das Leben immer einen persönlichen und gemeinschaftsbezogenen Sinn hat und ich an diesem Sinn mitwirken kann.

Schauen wir auf die Pandemie.

GEMEINSCHAFT UND STÄRKUNG braucht es, um jede Krise zu bewältigen und um später in konstruktiver Erinnerung das Leben neu gestalten zu können. Hier haben Gesellschaft und auch Kirchen versagt. Sterbende, Kranke, verängstigte Menschen brauchen Stärkung. Der Verzicht auf Mahlfeiern und auf die Begleitung von sterbenden, angstvollen, einsamen Menschen ist schwer erträglich. Mit Kreativität, Sorgfalt und gemeinsamer Suche -  durchaus mit klaren Einschränkungen und Regeln - wäre und ist viel mehr möglich gewesen. In der christlichen Tradition gibt es genug Beispiele dafür, dass Menschen ein Risiko für andere eingehen. Auf den Intensivstationen und in der Pflege ist dies beispielhaft geschehen. Ich rede nicht der Verharmlosung einer Pandemie das Wort, sondern suche Kreativität  und Verantwortungsbewusstsein für Wege und Lösungen, die der Nächstenliebe gerecht werden.

PANDEMIE IST KRISE: Wir alle erleben in unterschiedlichen Abstufungen Leid. Um dies bewältigen zu können, braucht es die genannte Gemeinschaft und Stärkung. Denn die Krise unterbricht das Vertraute, nimmt die gewohnten Sicherheiten.  Auch Jesus wird in  der Krise auf seine Beziehung zu Gott und sich selbst zurückgeworfen, er muss Entscheidungen treffen, die seinen Lebensweg betreffen. Bis hin zum Tod. Dies gilt in gewisser Weise auch für uns:

In der Pandemie werden die elementarsten Grundbedürfnisse und die Menschenwürde aller herausgefordert. Dahinter können wir nicht zurück, und wenn wir es tun, erleiden die Menschen dasselbe wie Jesus. Egal ob sie im medizinischen Sinne sterben oder ob sie im Leben sterben. Es gibt einen Tod im Leben, ein Sterben durch Alleingelassenwerden. Es gibt ein unwürdiges Sterben, ein Verlassenwerden von den Menschen und auch das Gefühl, dass Gott nicht mehr präsent und erfahrbar ist. Menschen werden so krank, dass alle Lebensfreude verschwindet. Es hilft meiner Ansicht nach den Menschen nicht, sie mit dem Hinweis auf Jesu Leiden zu trösten. Sondern es hilft nur, solidarisch und zugleich in Vorsicht und Aufmerksamkeit den Weg dieser Menschen zu begleiten, für sie da zu sein, so gut wie wir das können und dürfen. Dazu gehört die Verantwortung jedem Anderen und sich selbst gegenüber. Denn alles Leben ist gleichermaßen wertvoll.

Zwischending: Der Übergang ist eine sehr besondere, prozesshafte und produktive Zeit

DAZWISCHEN: Charakteristisch für eine Krise ist das Auf und Ab, der fehlende Überblick, die hilflose Suche, dass die Fehler und Grenzen eines jeden Menschen sichtbar werden. Jedoch auch unsere  Möglichkeiten! Über den Frühling nachdenkend kommt mir ein Bild in den Sinn: Die Blumenzwiebel ruht tief in der Erde, sammelt sich, entwickelt Kräfte und wächst langsam in der Erde. Und dann: Urplötzlich ist sie durch die Erde gebrochen! Die Zeit der Ruhe und des Innehaltens ist kostbar und nötig. Die Zeit zwischen Karfreitag und Ostermorgen versinnbildlicht dies. Wir erleben damals wie auch in der gegenwärtigen Krise, dass es „etwas“ auszuhalten gilt. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber es ist ein positives Aushalten, nicht ein depressives. Nicht Furcht soll dieses Aushalten bestimmen, sondern der Aufbruch. Wie bei der Blumenzwiebel stellt sich die Frage: „Was will und was kann bei mir ins Licht stoßen?“ Dies erfordert erst einmal wahrnehmende Passivität. Dann braucht es die Sammlung der Kräfte und die Entwicklung einer Sehnsucht, aus dem Dunkel ans Licht zu kommen, und dafür auch die eigene Aktivität.

NEUANFANG:  Von Karfreitag bis Ostern sind es drei Tage des Wartens, von denen berichtet wird. Das verdeutlicht, dass alles seine Zeit und damit Geduld braucht. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die Auferstehung Jesu, sondern auch für unsere persönliche Auferstehung ins Leben, in die Lebensfreude hinein.  Ich habe vorletztes Jahr die orthodoxe Osternachtfeier im Kloster Niederaltaich erlebt. Die Menschen, die die Liturgie zelebrierten, tanzten und sprangen zum Auferstehungsfest wild und voller Freude durch den Raum. Ich war tief berührt: Ostern ist das Fest des Lebens, der Freude! Jeder und jeder ist eingeladen! 

Mit meinen Möglichkeiten und mit Freude: jeden Tag das Leben leben

Was heißt das in Bezug auf die Pandemie? Wir wissen, dass nach dem Tod Jesu und nach seiner Auferstehung die Welt nicht besser wurde. Dennoch: Eine Welt voller Perspektiven und Hoffnung liegt vor uns.

Für mich kann ich sagen: Ich weiß, dass ich getragen und geborgen bin auch im Leid und über alles Leid und Sterben hinaus. Und: Diese Welt kann jeden Augenblick durch mich ein kleines Stück besser werden, wenn ich mich an Jesus orientiere, aus seiner Gegenwart lebe, mich am Leben erfreue und alles Leben menschenwürdig und verantwortlich mitgestalte, so wie ich es kann. Wenn ich die Angst zurücklasse und auch in der Pandemie im gegenwärtigen Augenblick mit meinen Möglichkeiten das Leben lebe. So ist jeder Tag ein Tag der Auferstehung und der Lebensfreude – inmitten der Coronazeit.

Wenn ich dafür eintrete, dass andere Menschen jeden Alters begleitet und würdevoll leben können, wirkt sich dies lebens- und liebesfördernd aus. Auf Kinder, Jugendliche, junge und ältere Erwachsene – auf uns alle. Mögen dieser Frieden des Osterfestes und dieser Aufbruch ins Leben uns in den nächsten Wochen stärken und begleiten.           

 

Rüdiger Maschwitz (* 1952), Pfarrer i. R., Diplom-Pädagoge und Kontemplationslehrer, schreibt Bücher, gibt Kurse und ist Vorsitzender des Beirats des Hauses der Stille.

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