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Über das Haus der Stille

Das Haus der Stille ist das Einkehr- und Meditationszentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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Losung für den 23.11.2020

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. Jesaja 57,15

Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Markus 6,34

Service

Corona, Kurvenbaum, Lebensbaum, Geistlicher Impuls Die Kurven, die dieser Baum nimmt, sind überraschend und verheißungsvoll. Foto: Nelly Ziegenbein

Von Linien, Bergen und der Kraft zu wachsen - Geistlicher Impuls

Welchen Kurven vertrauen wir?

Wenn ich frage, welchen Kurven wir zurzeit vertrauen, denke ich nicht an Straßenführung oder Körperformen. Zurzeit geht es um die Corona-Kurven, die in Pandemie-Zeiten zu unserer täglichen Referenz geworden sind. In meiner Tageszeitung sind sie unter der Rubrik „Wissen“ immer aktualisiert abgedruckt: Reproduktionszahl, Neuinfektionen... Wie geht es weiter?

Die Zahlen sind nach Bundesländern ausgewiesen und in die weltweite Situation eingeordnet. Von Tag 1 am 1.3.2020 bis zum aktuellen Tag. Die rasch ansteigende Zahl der Infektionen, die im April bislang ihren Höhepunkt erreichte, erscheint als roter Berg in der Statistik. Ab Mai geht die Linie wieder steil nach unten, um für einige Wochen recht stabil unten zu verlaufen. Doch jetzt im Hochsommer setzt die Kurve langsam wieder zu einer Wendung nach oben an. Wie geht es weiter? Zweite Welle bzw. zweiter Berg in der Grafik? Im Fernsehen werden die Corona-Kurven in den Nachrichten ja noch durch Aktienkurven und manchmal auch Goldpreis-Kurven ergänzt. Was wollen uns diese Kurven sagen? Sind sie Warnung und Entwarnung, spiegeln sie Gewinn und Verlust von Werten unserer Gesellschaft, sind sie ausschlaggebend für mich?

Die Kurven, die dieser Baum nimmt, sind überraschend und verheißungsvoll. Foto: Nelly Ziegenbein Die Kurven, die dieser Baum nimmt, sind überraschend und verheißungsvoll. Foto: Nelly Ziegenbein

Eingeknickt, zu Boden gedrückt: der Kurvenbaum, mein Lebensbaum

Mir ist eine Kurve ganz anderer Art vor einigen Jahren kurz nach Antritt meiner Stelle als Leiterin des Meditations- und Einkehrzentrums in Rengsdorf begegnet. Sie befindet sich auf einem der Wanderwege in der Nähe des Hauses der Stille. Ein „Kurvenbaum“ steht dort inmitten zahlreicher Bäume etwas abseits des Weges. Er ist mir dennoch sehr schnell ins Auge gesprungen. Warum? Ich habe in seiner Form sofort mein Leben wiedererkannt. Er ist „mein“ Lebensbaum  – ein Kurvenbaum. Wahrscheinlich ist er botanisch betrachtet gar kein richtiger Baum, sondern ein Schössling, der Halt zusammen mit einer Geschwisterschar immer noch in seinem Elternstamm hat. Wie es auch sei, er ist gewachsen und hat an Größe und Umfang zugenommen. Dann jedoch gab es ein Ereignis (einen Blitzschlag?), wodurch er eingeknickt ist. Anders als seine Geschwister ist er nicht mehr nach oben gen Licht und Himmel weitergewachsen. Nein, es ging mit ihm nach unten, gen Boden.

Ganz unten angekommen, ließe sich vermuten, würde er neuen Kontakt, d.h. neue Wurzeln, ausgebildet haben. Aber nein, ohne direkten Bodenkontakt hat dieser Stamm eine erneute Wendung gemacht – jetzt gen Himmel. Genau dieser zweite Knick lässt mich staunen.

Da ist Luft zwischen mir und dem Boden

Er hat mich an Situationen in meinem Leben erinnert, in denen ich mich ganz unten gefühlt habe. Am Boden angekommen: am Boden der Tatsachen, am Boden der Enttäuschung, am Boden des Scheiterns. Und doch war, wie bei diesem Baum auch, noch immer etwas Luft zwischen mir und dem Boden. Vielleicht ist dies der Boden der Hoffnung, der trotz aller niederdrückenden Erfahrung die Sehnsucht nach Licht und Aufrichtung weiter im Herzen bewegt.

Die zweite Wendung vom Boden zum Himmel ist für mich das Wunder, das dieser Baum mir als lebendiges Zeichen vor Augen führt. Von ganz unten Kraft schöpfen, um sich dem Leben neu zu öffnen. Was für eine verheißungsvolle Kurve ist das?! Sie ist keine Illusion, sondern Realität in der Natur und auch in meinem Leben. Solange das Herz schlägt, ist Luft und Atem in mir und um mich herum. Kraft, die mich hoffen lässt, wieder nach oben wachsen zu können, gen Licht und Himmel.

Der Baum zeigt eine Hoffnungskurve für uns alle in Pandemie-Zeiten. Beim Betrachten schwingt auch immer wieder mein Lieblingsvers aus dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mit: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich Dir werd‘ ein guter Baum.“

 

Irene Hildenhagen (*1967), Pfarrerin, Exerzitienbegleiterin und Geistliche Begleiterin, leitet das Haus der Stille.

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