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Zum Thema "Frieden geht anders"

Generationengespräch - Welches Erbe möchte ich weitergeben?

Ausgehend von dem kurzen Film „Der Bus von Rosa Parks“, haben Menschen im Alter zwischen 17 und 88 Jahren einen sehr anregenden Abend im Jugendheim in Kaldenkirchen erlebt.

Im Gespräch (v.l.n.r.): Dagmar Koch, Titus Hölzel, Klaus Armonies. Foto: Katrin Meinhard LupeIm Gespräch (v.l.n.r.): Dagmar Koch, Titus Hölzel, Klaus Armonies. Foto: Katrin Meinhard

Zu dem Abend hatten eingeladen: die Evangelische Jugendleiterin Angelika Witte, die Moderatorin Pfarrerin Annette Vetter, Synodalbeauftragte für Erwachsenenbildung, und die kreiskirchliche Frauenreferentin Katrin Meinhard

Ein anregender Abend - weil im Hören auf das, was Jugendliche und Erwachsene auf dem Podium erzählen, man selbst ins Nachdenken kommt. Was ist mir wichtig im Zusammenleben? Wie ist das, wenn ich mich über etwas ärgere, wenn ich Ungerechtigkeiten wahrnehme? Was treibt mich zum Engagement an?

Welche Energie entstehen kann, „wenn man für eine Sache brennt“ und etwas verändern möchte, ist in den Beiträgen von Klaus Armonies (64 Jahre) deutlich zu spüren. Man sieht die Demonstrationen oder Aktionen vor sich, die er schon als Schüler in den 70ern organisiert und erlebt hat. Heute engagiert er sich für die Umwelt und das Miteinander der Religionen. Das Gespräch besonders auch mit seiner Tochter fordert ihn dabei immer wieder heraus. „Von ihr habe ich viel gelernt“. Auch Ole Zander (17 Jahre) und Titus Hölzel (20 Jahre) bestätigen, dass ihnen in ihrem Engagement Begeisterung an Mitgestaltung und Energie zuwächst. So wird es Ihnen nicht zu viel, sich für die Umwelt bzw. in der Kinder- und Jugendarbeit einzusetzen. Vielmehr erleben sie es als Bereicherung, mit Menschen in Kontakt zu sein, denen ähnliche Werte bedeutsam sind. Ole, der mit dem Rad durch den Regen zur Veranstaltung kam, ist die Bewahrung der Umwelt besonders wichtig. Er engagiert sich schon seit seiner Kindheit, z.T. auch gemeinsam mit seinen Eltern in einem naturverbundenen Verein. Wichtig ist ihm, dass seine Generation nicht nur abhängen oder faul alles hinnehmen, sondern etwas erleben und „nicht immer nur den einfachsten Weg nehmen“ möchte.

Zusammen kann man etwas erreichen, im Miteinander entsteht eine Lebendigkeit, die Dagmar Koch (73 Jahre) besonders wertschätzt: Das Leben mit seinen unterschiedlichsten Facetten wahrzunehmen und die eigene Lebendigkeit immer wieder aufzuspüren, ist ihr wichtig, wenn sie mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Altersgruppen zusammen ist. Muna Yusuf (29 Jahre) stammt aus Somalia, emigrierte zunächst mit ihren Eltern nach Syrien und musste dann vor zwei Jahren noch einmal ganz von vorne in Deutschland anfangen. Sie hat erlebt, wie wichtig es ist, dass andere ihr geholfen haben. Daraus entstand der Wunsch, ebenfalls helfen zu können. Sie möchte alle Hürden überwinden und Soziale Arbeit studieren. Schon jetzt wirkt sie als Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit mit.
Menschen Raum zu geben, in dem sie mit ihrer eigenen Geschichte gehört und nicht verurteilt werden, das ist auch Renate Lehmann, Vertreterin der Evangelischen Frauenhilfe, ein Anliegen. Sie versteht Gemeinde als einen Ort, wo jede und jeder mit der eigenen Lebensgeschichte angenommen wird.

Teilnehmende (v.l.n.r.): Ole Zander, Renate Lehmann, Muna Yusuf, Annette Vetter, Dagmar Koch, Titus Hölzel, Klaus Armonies. Foto: Katrin Meinhard LupeTeilnehmende (v.l.n.r.): Ole Zander, Renate Lehmann, Muna Yusuf, Annette Vetter, Dagmar Koch, Titus Hölzel, Klaus Armonies. Foto: Katrin Meinhard

Wunsch nach Toleranz und Respekt

Welche Rolle der Glaube, die Spiritualität dabei für das eigene Engagement spielt, das wird unterschiedlich beurteilt. Mal ist es die Nächstenliebe, die aufgegriffen wird, ein Verhalten, das Jesus uns vorgelebt hat, mal die Ruhe eines Gottesdienstes, bei dem ein Gedankengang anregen kann, mal ist es der Glaube als Kraftquelle. Bis heute prägend kann auch die Heimat sein, die man als Heranwachsender im Jugendkeller der Kirche fand. Der Wunsch nach Toleranz und Respekt auch anderen Glaubens- und Ausdrucksweisen gegenüber, spricht aus allen Beiträgen. Explizit bringt ihn ganz selbstbewusst Muna vor, die als Muslimin mit ihrem Kopftuch akzeptiert werden möchte.

Für mich wird deutlich an diesem Abend, wie bereichernd es sein kann, die biographischen Geschichten und persönlichen Ansichten der anderen zu hören. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Frau aus dem Publikum fragte, wie und wo denn das Gespräch über diesen Abend hinaus generationsübergreifend gut geführt werden kann - sie hat es selbst als Kind oder Jugendliche nicht erlebt und möchte nun als Großmutter die Jüngeren nicht nerven und doch im Kontakt sein. Beim gemeinsamen Essen, Spielen, in Streit-Gesprächen und im authentischen Miteinander berichten die Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Podium anhand von eigenen persönlichen Bespielen von Generationen-Gesprächen, die den Blick weiten und bereichern.

Der Abend geht zu Ende, aber das Erzählen, Hören und Position beziehen, geht hoffentlich weiter, denn das Gespräch hat Mut gemacht, offen und neugierig zu sein, auf das, was anderen aus unterschiedlichen Generationen wichtig ist.

Katrin Meinhard

 



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