Augenblick bitte
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Rundbriefe "Augenblick bitte!" (Veranstaltungen in Gemeinden)

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für den 18.10.2019

Wer der Gerechtigkeit und Güte nachjagt, der findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre.

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Miteinander im Gespräch

„Kleeblatt“-Kirchenkreise auch weiterhin gemeinsam unterwegs

Treffen der Kreissynodalvorstände der Kirchenkreise Aachen, Gladbach-Neuss, Jülich und Krefeld-Viersen in Jüchen.

Andacht in der evangelischen Kirche in Jüchen. Foto: Johannes de Kleine LupeAndacht in der evangelischen Kirche in Jüchen. Foto: Johannes de Kleine

2017 hatte man gemeinsam das Reformationsjubiläum gefeiert. Auf der intensiven Zusammenarbeit bei der jahrelangen Vorbereitung wollen die vier Kirchenkreise aufbauen und gemeinsam Wege in die Zukunft suchen. Sechsundzwanzig Mitglieder der beteiligten Kreissynodalvorstände (KSV) waren nach Jüchen gekommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über Zukunftsfragen der evangelischen Kirche und ihrer Gemeinden auszutauschen.

Der Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss, Pfarrer Dietrich Denker, eröffnete das Treffen mit einer Andachtin der 1676 erbauten Hofkirche. Er legte den Text Joh 21, 15-19 aus.

Die Frage Jesu an Petrus nach dessen Verhältnis zu ihm („Hast Du mich lieb?“), die zugleich die Frage danach sei, ob Petrus seinem Herrn Vertrauen schenkt, führte den Prediger zu einem Blick in die Gegenwart: „Einerseits: Die Beharrlichkeit, sich Veränderungsprozessen in der Gemeinde zu verweigern, der Wunsch festzuhalten, was uns so vertraut ist - Andererseits: Die verändernde und ermutigende Kraft des Evangeliums von der Nähe Jesu in unserem Leben: Da steckt so viel Mut zu neuen Wegen und zum Aufbruch drin. Ich meine, hier bleiben wir hinter unseren Möglichkeiten zurück. In der Liebe zu Jesus und zu seinem Wort und zu seiner Weisung steckt meines Erachtens der Schlüssel zu den kreativen Veränderungsprozessen in unseren Gemeinden, unserer Kirche und je und je auch im eigenen Leben.“

Und weiter: „Ein guter Kümmerer zu sein für die anvertrauten Menschen, die Gemeinden und letztlich ja auch für die Welt, in der wir leben – das ist eine Mammutaufgabe. Eigentlich kann man ihr gar nicht gewachsen sein.
Nun aber doch das Beste für die Gemeinden und unser Gemeinwohl zu tun heißt: Sich schlau machen, mitdenken, fragen und sich einmischen. Einander stützen und stärken, Kompetenzen vorhalten und abrufen... all das gehört dazu, wenn wir gute Kümmerer sein wollen. Weide meine Lämmer... das setzt voraus, dass wir uns pastorale Kompetenzen erhalten, aneignen und einbringen. Das gilt dann auch für die Konzeptions- und Strukturfragen, mit denen wir unterwegs sind.“

Mit diesen Ausführungen war schon das Thema des Abends angesprochen: Die Zukunft der Kirche.

Foto: Johannes de Kleine LupeFoto: Johannes de Kleine

Thema: Die Zukunft des Pfarramtes

Ein gemeinsames Abendessen nutzten die Anwesenden zum Kennenlernen und zum Austausch im Gespräch.

Die neuesten statistischen Zahlen über die Zukunft der Kirche bis 2060 standen beim ersten Thema des Abends im Hintergrund: Halbierung der Gemeindemitgliederzahlen in den nächsten 40 Jahren.

Die Berichte der vier Superintendenten Hans-Peter Bruckhoff (Kirchenkreis Aachen), Dietrich Denker (Kirchenkreis Gladbach-Neuss), Jens Sannig (Jülich) und Burkhard Kamphausen (Krefeld-Viersen) über die Gedankenspiele und Bemühungen in den Kirchenkreisen ergaben jeweils ein ähnliches Bild. Arbeitsgruppen und Gesprächskreise machen sich Gedanken, wie die künftigen Strukturen der Gemeinden aussehen können. Zum Teil holt man sich auch Ideen und Anregungen von außerkirchlichen Denkern.
Konstatiert wird allgemein, dass in den Kirchengemeinden das Bewusstsein für schwindende Zahlen bei Gemeindemitgliedern und Pfarrstellen noch nicht wirklich ausgeprägt ist.

Im Gespräch werden viele Aspekte genannt, die im Blick auf die Zukunft des Gemeindebildes/Pfarrbildes wichtig erscheinen. Sie sind wie folgt zusammenzufassen:
• An der Veränderung des Gemeindebildes z. B. in Richtung auf Regionalisierung geht wohl kein Weg vorbei. Die Regionalisierung wird als lohnendes Modell gesehen, wobei der Erhalt der jeweils lokalen Identität zu beachten ist.
• Auch die Verwaltung der Gemeinden würde durch Regionalisierung Entlastung erfahren. Die Verwaltung hat der Gemeindeleitung zuzuarbeiten (Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung von Presbyteriums-Sitzungen etc.); viele bisher ehrenamtliche Aufgaben (Baufragen etc.) müssen professionalisiert werden. Eine Region könnte das finanziell eher leisten als die einzelne Gemeinde.
• Für die Zukunft des Pfarrbildes werden Themen zu diskutieren sein wie „geteiltes Amt“, das konsequente Abgeben nicht-pfarramtlicher Aufgaben, die Erwartungen der Gemeinde an den zukünftigen Pfarrdienst und vieles mehr. Auch ist es nicht in jedem Fall sinnvoll, dass Pfarrer/in die Leitung des Presbyteriums innehat.
• Und was die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg angeht: Auch die Kirchenkreisgrenzen sind nicht ewig!
• Nicht zuletzt muss auch überlegt werden, wie die Zukunft der Funktionspfarrstellen (Schulen, Kliniken usw.) aussehen kann, wenn es immer weniger Stellen gibt.

Am Ende wird verabredet: An diesem Thema soll beim folgenden Treffen der KSV weiter gearbeitet werden.

"Jugend muss in Entscheidungsprozesse eingebunden werden". Foto: Johannes de Kleine Lupe"Jugend muss in Entscheidungsprozesse eingebunden werden". Foto: Johannes de Kleine

Thema: Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und ihre Konsequenzen

Superintendent Sannig berichtete von einer beeindruckenden Veranstaltung. Sein Eindruck: „Der kommenden Generation ist durchaus viel zuzutrauen!“ Es sei wichtig, die Jugendlichen an den Themen „Zukunft des Gemeindebildes“, „Zukunft des Pfarrbildes“ etc. zu beteiligen. Jugend müsse in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Eine Forderung der Jugendsynode sei es, dass künftig alle kirchlichen Gremien zu 50% aus Mitgliedern der jungen Generation bestehen.
Im Übrigen könne man sich auch eine andere Form der Gemeindeleitung vorstellen, etwa die zeitlich begrenzte Beteiligung Jugendlicher bei Entscheidungen über ihre Projekte mit Stimmrecht.

Superintendent Sannig zitierte aus einer Studie, dass die Wahrscheinlichkeit, evangelisch zu sein, im Alter zwischen 14 und 26 Jahren am größten sei, anschließend seien die Abbrüche zwischen 26 und 45 Jahren am höchsten mit Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen. Die Jugend müsse Zielgruppe kirchlichen Handelns sein.
Dass sich alle wesentlichen Dinge in Sachen religiöser Bindung zwischen 0 und 6 Jahren ereignen, müsse Folgen für die Arbeit der Gemeinden mit und ohne KiTa haben.
Im Nachgang zur Jugendsynode habe die Landessynode ausdrücklich festgestellt, dass auch offene Jugendarbeit Verkündigungsarbeit ist.

Superintendent Kamphausen ergänzte, dass die Jugend nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirche sei.

Das anschließende Gespräch ergab u.a. folgende Aspekte: Ein Austausch der Mitarbeitenden in der Jugendarbeit der vier Kirchenkreise wird angeregt (eigene Jugendsynode?). Kirche muss wieder in der Hochschulseelsorge präsent werden. Religionslehrer*innen sind ganz wichtig und müssen in wesentlich höherem Maße wertgeschätzt werden; auch sie müssen in die Themen der Jugendsynode eingebunden werden. Ein guter Konfirmandenunterricht ist wichtig nicht zuletzt für die Kirchenbindung. Entscheidend für die Kontaktpflege der Gemeinden sind nicht nur Pfarrer/innen sondern auch Erzieher/innen und Jugendmitarbeiter/innen. Die Ergebnisse der Jugendsynode müssen Konsequenzen für das Angebot der Gemeinden haben. Die Zukunft der Kirche hat nicht nur mit Demografie zu tun sondern auch mit den kirchlichen Angeboten (Hochschulen, Kindertagesstätten, Jugendarbeit etc.).
„Die Menschen wollen uns kämpfen sehen für unsere Kirche“ – das erscheint als wichtiger Aspekt der Außenwirkung. Und nicht zuletzt: „Wir haben Gottvertrauen, dass uns die Zukunftsgestaltung gelingt.“

Auch an diesem Thema werden die vier Kirchenkreise weiter gemeinsam arbeiten, so die verbindliche Verabredung.

 



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