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Berlin

Kempener demonstrieren vor Chinesischer Botschaft

Gleichzeitig zur Verleihung des Friednesnobelpreises an Liu Xiaobo in Oslo demonstrierten Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg Kempen vor der Chinesischen Botschaft in Berlin für dessen Freilassung.

Für die Freilassung des Friednesnobelpreisträgers Liu Xiaobo demonntrierten Kempener Schülerinnen und Schüler in Berlin. Foto: Ingenhorst LupeFür die Freilassung des Friednesnobelpreisträgers Liu Xiaobo demonntrierten Kempener Schülerinnen und Schüler in Berlin. Foto: Ingenhorst

„Warum ist Xiaobo nicht in Oslo“ - lauten die chinesischen Schriftzeichen übersetzt, die Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg Kempen in ihren Händen hielten. Sie demonstrierten am Freitagmittag vor der Chinesischen Botschaft in Berlin für die Freilassung von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, zusammen mit noch etwa 40 weiteren Demonstranten zweier Organisationen. Zur gleichen Zeit wurde der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen – der Preis, den weder Xiaobo noch ein Familienangehöriger entgegennehmen durften.

 

Vor gerade mal vier Wochen hatten Pfarrer Kühne und Schüler mit der Planung der Aktion begonnen. Mit Erfolg: Knapp 100 Schülerinnen und Schüler starteten am Freitagmorgen um 1 Uhr – mitten in der Nacht – in zwei Bussen nach Berlin, begleitet von fünf Lehrern des Berufskollegs. Angekommen in Berlin, stand zunächst noch um 10 Uhr ein kurzer Besuch der Ausstellung „Hitler und die Deutschen“ auf dem Programm. Denn die Demonstration war erst für 11.30 Uhr angemeldet.


Friedensnobelpreis symbolisch in Gefängniszelle übergeben
 

Bei eisigem Wind und Temperaturen um minus 7 Grad harrten die Kempener Schülerinnen und Schüler dann über zwei Stunden auf der Jannowitzbrücke gegenüber der Chinesischen Botschaft aus. Sie hatten mit Pfarrer Kühne ein umfangreiches Programm für ihre Demonstration zusammengestellt. So wurde etwa eine Gefängniszelle aus Holz aufgebaut, durch deren vergittertes Fenster später symbolisch eine Attrappe der Friedensnobelpreismedaille ganz plakativ hineingereicht wurde. Die Zelle stammt von Bruno Rousselet, der im vergangenen Jahr eine Aktion für Kubanische Häftlinge an Kempener Schulen durchführte.

 

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Swen Schulze, SPD, hielt eine kurze Ansprache und lobte das Engagement der Kempener für Xiaobo und die Menschenrechte. Auch ein Vertreter aus dem Büro von Uwe Schummer, MdB, war vor Ort und unterstütze die Schüler. Zudem verlasen Kühne und seine Kollegen Grußworte und Briefe. So etwa von Präses Nikolaus Schneider: "inhaltlich unterstützt der Präses ihr Engagement voll und ganz". Oder von dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning: „... Mir liegt persönlich sehr am Herzen, dass wir uns darüber hinaus am heutigen Tag der Menschenrechte der Tatsache bewusst sind, dass Liu Xiaobo keine Einzelfall ist: weltweit werden Menschen wegen ihres mutigen Eintretens für Menschenrechte verfolgt. Sie zu unterstützen, ist eine wichtige Aufgabe der deutschen Außenpolitik."

Menschenrechte wurden verlesen
 

Die Biografie von Liu Xiaobo wurde zu Gehör gebracht, ebenso wie die Menschenrechte. Pfarrer Roland Kühne sprach jedes einzelne Menschenrecht  vor, die Schüler wiederholten es laut im Chor. Auszüge aus der Charta 08, wegen der Xiaobo verurteilt wurde, kamen ebenfalls zu Gehör. Ein Schüler las die Texte auf Deutsch und sie wurden wiederholt auf chinesisch von Xin He. Xin He saß als Christ im Gefängnis in China, konnte fliehen und lebt seit acht Jahren in Thüringen. Er kam extra für diese Demonstration für seinen Landsmann und die Menschenrechte nach Berlin.

 

Jedes Wort schallte mit einer kleinen Lautsprecheranlage zur gegenüberliegenden Chinesischen Botschaft. Keine Reaktion war zu erkennen. Die Botschaft liegt abgeschottet hinter einem hohen Zaun. Kameras überwachen jede Bewegung vor der Einzäunung. Alle Fenster der Botschaft sind verspiegelt, der Eingang, flankiert von zwei Großen Löwen, wirkt wie ein „Sesam öffne Dich“ – oder eben auch nicht.


Übergabe der Resolution nur in den Briefkasten
 
 

Pfarrer Kühne wollte zum Abschluss der Aktion mit einigen Schülern eine Resolution an den Botschafter übergeben. Doch trotz mehrmaligem Klingeln gab es keine Reaktion. So konnte Kühne den Umschlag leider nur in den Briefkasten stecken.

 

Ein paar Stunden blieben den Schülerinnen und Schülern noch zum Aufwärmen, für eine kurze Stadtbesichtigung und ein wenig Shoppen, bevor es zurückging. Um drei Uhr am Samstagmorgen kamen sie wieder in Kempen an.

 

Faszinierend, wie sich die Jugendlichen mit dieser Aktion für einen anderen Menschen einsetzten. Wie sie sich vorher die Situation von Inhaftierten und Dissidenten vor Augen führten. Und mit welcher Überzeugung und welchem Durchhaltevermögen sie dabei waren. „Es war eine tolle Aktion“, lautete das einstimmige Urteil auf der Rückfahrt. „Aber es war einfach nur kalt. Bei schönem Wetter hätte es bestimmt noch viel mehr Spaß gemacht.“

 

Bettina Furchheim

 

Ausharren bei - 7 Grad auf der Jannowitzbrücke. Foto: Ingenhorst

He Xin und Pfarrer Roland Kühne vor der Chinesischen Botschaft. Foto: Ingenhorst

Vor der Chinesischen Botschaft: Verlesen der Menschenrechte. Foto: Ingenhorst

Verlesen der Menschenrechte - auf Deutsch und auf Chinesisch. Foto: Furchheim

Schülerinnen und Schüler auf der Jannowitzbrücke - das Kreuz des Berufskollegs ist mit dabei. Foto: Furchheim

Aufs Klingeln keine Antwort: Übergabe der Resolution in er Briefkasten. Foto: Furchheim

Durch Handeln prägt sich manche Aktion besser ein: Symbolische Übergabe des friedensnobelpreises in eine Gefängniszelle. Foto: Furchheim

Pfarrer Roland Kühne überreicht dern Friedensnobelpreis symbolisch in eine Gefangniszelle. Foto: Ingenhorst

14.12.2010



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