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für den 26.01.2020

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Friedenskirche Neersen

"Wem gehört das Wasser?"

Der Flm zeigt auf, wie Lebensmittelkonzerne weltweit mit dem Wasser ein Millionengeschäft machen. Im Anschluss an den Film stellte sich die WDR-Redakteurin Barbara Schmitz Fragen über den Film und gab Auskunft über die Thematik der Ressource „Wasser“.

Lupe

In der Friedenskirche in Neersen entfachte der Dokumentarfilm „Wem gehört das Wasser“ eine spannende Diskussion. WDR-Redakteurin Barbara Schmitz berichtete über Hintergründe, Entstehung und Schwierigkeiten bei dem Film rund um die Ressource Wasser.

„Es gibt nur wenige Wasserquellen, die nicht großen Konzernen gehören“, erklärte Barbara Schmitz, WDR-Redakteurin aus Köln. „Das war uns vor den Recherchen auch nicht klar.“

Recherchen zu dem Dokumentarfilm „Wem gehört das Wasser?“, der bei dem Format „die story“ im Frühjahr im WDR gesendet wurde. Jetzt zeigte die Ev. Emmauskirchengemeinde den Film passend zu Erntedank. „Gerade als Christinnen und Christen wollen wir unsere Verantwortung wahrnehmen und für ein Mehr an Gerechtigkeit unter uns Menschen eintreten“, erklärte Pfarrer Michael Haarmann im Vorfeld des Abends.

Es war ganz still in der Friedenskirche in Neersen während der Film gezeigt wurde. Nur ab und zu war bei den 70 Besuchern ein verhaltenes Husten zu hören. Kein Tuscheln oder Kommentieren – wie es sonst so manchmal der Fall ist bei Filmvorführungen.

Eindrucksvoll beschreibt der Film, wie Weltkonzerne sich Rechte des Lebensmittel Wasser sichern – am Beispiel von Nestlé. So hat sich der Konzern etwa im vergangenen Jahr in der Nähe von Pretoria in Südafrika die Lizenz gesichert, Wasser in Flaschen abzufüllen: 282.000 Liter pro Tag. Viele der Arbeiter, die tagtäglich Wasser in Flaschen der Marke „pure life“ abfüllen, leben in einer Siedlung nicht weit entfernt. Zwei Flaschen Wasser mit je einem halben Liter Wasser erhält jeder Arbeiter in der Fabrik während des Tages. Eine sparen sich manche für ihre Familie auf.

Die Menschen in der Siedlung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Flaschen, die auf Lkw die Anlage verlassen, kann sich in den Orten drumherum keiner leisten.

Und das, obwohl die Vereinten Nationen Wasser zu einem Menschenrecht erklärt haben. Die Lizenz für Nestlé zum Wasserabfüllen gilt 20 Jahre.

Südafrika ist nur eines der Beispiele, an denen der Film den Kampf um Wasserrechte aufzeigt. Zum Gespräch war der Schweizer Konzern im Vorfeld nicht bereit.

 

Spannende Diskussion im Anschluss an den Film

Im Gespräch über die Ressource Wasser weltweit und in Namibia: WDR-Redakteurin Barbara Schmidt und Pfarrer Michael Haarmann. Foto: Furchheim LupeIm Gespräch über die Ressource Wasser weltweit und in Namibia: WDR-Redakteurin Barbara Schmidt und Pfarrer Michael Haarmann. Foto: Furchheim

Eine rege Diskussion schloss sich an die Filmvorführung an. Was kann man gegen solche Machenschaften tun? Wie gegen Unternehmen vorgehen? Wo den Menschen helfen? Aber es gab auch ganz allgemeine Fragen zu der Serie „die Story“: Wie entstehen solche Dokumentationen? Wieviel Vorlauf benötigt das? Wie kommt eine Redakteurin an Themen? Welche presserechtlichen Vorgaben muss man beachten. Ist investigativer Journalismus überhaupt machbar? Wie reagieren Unternehmen? „Manche Unternehmen wollen über per Gericht mit einer einstweiligen Verfügung erreichen, dass ein Film erst gar nicht gezeigt wird“, berichtet Redakteurin Schmitz. „Solche Prozesse ziehen sich hin, bis zu einem Jahr.“ So arbeitet die Redaktion nach dem Motto: So viel im Vorfeld bekanntgeben, wie unbedingt notwendig, aber so wenig wie möglich.

Gab es Reaktionen von Nestlé auf den Film? „Ja“, meint Schmitz, „die gab es. Nestlé hat auf seiner eigenen Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht.“ Dort werden die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch stünde eine Wasserleitung allen Bewohnern des Dorfes kostenlos zur Verfügung.
Während der Dreharbeiten wurde von Nestlé eine Wasserleitung installiert. An dem Rinnsal können sich die Menschen Wasser abfüllen. „Das ist sicher ein Erfolg“, meint Schmitz. „Jedoch ist nicht immer Wasser da.“ Und es ist eben ein Rinnsal, viel zu wenig für die Menschen in der Umgebung. Das zuständige Ministerium sei laut Schmitz sehr interessiert an den Recherchen des Senders. „Wir haben Gedankenanstöße gegeben. Nun überprüft das Ministerium beispielsweise, ob es sinnvoll ist, Lizenzen über 20 Jahre zu vergeben.“

Etwas deutlich machen, motivieren und sich engagieren – das sei eine Möglichkeit, sich zu wehren. Pfarrer Michael Haarmann kann dem nur zustimmen: „Das Thema Wasser begleitet uns schon eine Weile. Deshalb wollen wir gerade an Erntedank über den lebenswichtigen Zugang zu sauberem Trinkwasser nachdenken.“ Zum einen haben sich viele aus der Gemeinde an einer Unterschriftenaktion gegen die Privatisierung von Wasser beteiligt. Zum anderen wurde durch das Elbehochwasser deutlich, welche Auswirkungen ein Zuviel an Wasser haben kann.

„Als Kirchengemeinde haben wir gute Kontakte zu unserer Partnerkirche in Namibia“, erklärt Pfarrer Haarmann, „dort stellt sich die Frage nach dem Zugang zum Trinkwasser noch einmal verschärft.“ Der Süden Afrikas wird aktuell von einer furchtbaren Dürre heimgesucht. In vielen Orten hat es seit drei Jahren keine Ernte gegeben, die Menschen leiden Hunger und unter dem Mangel an sauberem Trinkwasser. Deshalb haben wir in den Gottesdiensten zu Erntedank am Sonntag für die Partnerkirche in Namibia gesammelt.



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