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Reformationsjubiläum

Kleeblatt-Kirchenkreise feiern Fest der Begegnung in Jülich

Wir feierten ein Fest! Aus Anlass des Reformationsjubiläums luden die Evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen zu einem Fest der Begegnung im Stadtgarten des Brückenkopf-Park Jülich ein.

Publikum vor der Bühne an der Südbastion. Foto: Bettina Furchheim LupePublikum vor der Bühne an der Südbastion. Foto: Bettina Furchheim

„Zusammen feiern – Einander begegnen – Miteinander reden“ - das hieß es am Sonntag im Brückenkopfpark Jülich. Die Kleeblatt-Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld Viersen luden zum „Fest der Begegnung“ aus Anlass des Reformationsjubiläums. Etwa 6.000 Besucher ließen sich den gesamten Tag über begeistern von einem bunten Fest mit Aktionen zum Mitmachen und Ausprobieren, zum Erzählen, Erleben und Informieren und Programm auf drei Bühnen.

Bei strahlendem Sonnenschein begann das Fest mit einem Eröffnungsgottesdienst zum Thema „Du, Gott siehst uns – und worauf achten wir?“ Etwa 700 Menschen waren zum Gottesdienst gekommen. Die beiden Jülicher Pfarrer Horst Grothe und Udo Lenzig wählten Worte Gottes aus dem Alten und aus dem Neuen Testament. Worte, die nicht leer zu ihm zurückkommen, wie es in Jesaja 55 heißt, dem Motto, das sich die Kleeblattkirchenkreise für das Jubiläumsjahr gewählt haben: „Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu im zurück.“
Die Kirche müsse verändert werden, wenn sie Kontakt halten wolle zu Gott, mahnten die Pfarrer. Da Gottes Macht die Macht des Wortes sei, könne es eigentlich nur ein Gebet geben: Gott lass uns dein Wort hören und mach uns zu Tätern deines Wortes.
Das Mikro wurde zu den Fürbitten durch die Reihen gereicht - spontan formulierten Gottesdienstbesucher:
„Stürme erreichen Florida, toben über´s Land, sei du bei den Menschen und bewahre sie.“
„Wir bitten dich für Staatenlenker und Führer von Ländern – mögen sie all ihre Kraft zur Erhaltung deiner Schöpfung einsetzen.“
„Steh allen Menschen bei, die einen Platz im Leben suchen und nicht finden. Mach uns sensibler im Umgang mit Sprache. Abschiebung. Wir schieben Menschen ab und schicken sie zurück ins Ungewisse. Mach uns angstfreier im Umgang mit anderen Menschen.“

Begleitet wurde der Eröffnungsgottesdienst durch einen eigenen Fest-Posaunenchor mit Mitgliedern aus allen vier Kirchenkreisen unter der Leitung von Landesposaunenwart Jörg Häusler.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski nahm in seinem Grußwort die Bitten, Sorgen und Ängste der Besucher in den im Gottesdienst spontan formulierten Fürbitten auf: Gott wolle Leben in Fülle für alle Menschen, Fülle für sie und die Welt. Gott habe das Weite gesucht, so wurde in der Predigt nach Hanns-Dieter Hüsch formuliert. Rekowski äußerte den Wunsch, stattdessen Konzentration und in den Kirchen die Weite zu suchen.
Landrat Wolfgang Spelthahn, Kreis Düren, äußerte die Bitte an die Besucher, die Inhalte des Gottesdienstes auch in ihren Alltag zu übernehmen.
Das Motto des Begegnungsfestes passe sehr gut zu seiner Stadt, meinte der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs. Miteinander reden, schließlich würden 104 Nationen in der Stadt leben. Das dies so toll funktioniere, das sei auch ein Verdienst der guten Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Jülich.
Beim Fest stehe die Begegnung der Religionen im Mittelpunkt und die Freude, gemeinsam das Leben zu feiern, sagte Monsignore Gregor Houben, Ökumenebeauftragter im Bistum Aachen, im Grußwort des Aachener Bischofs Dr. Helmut Dieser. Auf NRW als weltoffenes und multikulturelles Land, nahm auch Minister Joachim Stamp, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW, Bezug.

Nach den Grußworten wurde das Fest durch Pfarrerin Friederike Lambrich und Pfarrer Jens-Peter Bentzin eröffnet. Die Geschäftsführer für das Reformationsjubiläum des Kleeblattes zerschnitten gemeinsam symbolisch ein rotes Band.

 

Chor der Partnerschaften - hier vor allem aus Humbang, Partner von Krefeld-Viersen. Foto: Bettina Furchheim LupeChor der Partnerschaften - hier vor allem aus Humbang, Partner von Krefeld-Viersen. Foto: Bettina Furchheim

"Wir kommen uns gemeinsam näher durch Musik." Rev. Karen Thomas Smith, Marokko.

Es war ein buntes fröhliches und sonniges Fest mit Menschen unterschiedlicher Kirchen, Religionen und Kulturen aus der Region zwischen Eifel und Niederrhein, zwischen Schleiden und Straelen-Wachtendonk.
Musikgruppen und Chöre, Theatergruppen und Breakdancer, Podiumsdiskussionen und Kabarettist Fatih Cevikkolu – boten ein attraktives Programm auf den drei Bühnen.
Partner aus Indonesien und Tansania präsentierten gemeinsam mit einigen Deutschen Gesänge und Tänze der beiden Länder. Rev. Karen Thomas Smith aus Marokko hörte begeistert zu, sang teilweise mit: „Ich liebe Musik und Gesang. Auch wenn ich die Sprache nicht verstehe, spüre ich die Bedeutung. Und wir kommen uns gemeinsam näher durch Musik.“
Genau das formulierte auch Superintendent Dietrich Denker aus Gladbach-Neuss, der an dieser Bühne moderierte: „Man spürt, wie die Freude im Glauben beim Singen dazugehört.“ Um die enge Verbindung zwischen den Partnerländern zu verdeutlichen ging er über eine Brücke, die Konfirmanden vom Konfi-Projekt „Brücke“ (Ev. Kirchengemeinden Aldenhoven, Heinsberg, Schwanenberg und Weisweiler-Düren) für ihn aus Hölzern gebaut hatten.
Kirchliche Gruppen präsentierten sich mit ihrer Arbeit und hatten Aktionen für die Besucher vorbereitet. Für alle Altersklassen war etwas dabei - Hüpfburgen, Stockbrot, Mitmach-Zirkus, Klettergarten, eine Chill-out-Area, Mittelalterliches sowie Bogenschießen mit Farbpfeilen, ein Pflanzenlabyrinth oder Aktionsparcours.
Siggi aus Hüls versuchte sich im Bogenschießen, galt es doch mit den Kleeblatt-Kirchenkreisen farblich zugeordneten Pfeilen deutlich zumachen, woher die Besucher kamen. „Das Wetter ist schön, die Stimmung gut, eine Schule hat eben gesungen, die Breakdancer auf der Bühne der Nordbastion habe ich gesehen, klasse“, meinte der junge Mann. „Es ist auch etwas für Erwachsene dabei, das ist toll.“
Um Kirchenasyl ging es auf der Bühne der Südbastion. „Warum Kirchenasyl?“ lautete die Frage. „80 bis 90 Prozent der Kirchenasyle sind erfolgreich“, antwortete Achim Schwabe, Verfahrensberater aus Schwalmtal, im Gespräch mit Präses Manfred Rekowski und Superintendet Jens Sannig. Die Anforderungen an ein Kirchenasyl seien immens, leider seien nur wenige Kirchengemeinden bereit dazu. „Überlegen Sie, ist das eventuell auch für Ihre Kirchengemeinde eine Möglichkeit“, forderte Schwabe die Zuhörer auf.

Während des gesamten Tages waren Johanniter-Einsatzkräfte vor Ort. Glücklicherweise hatten sie nur wenige harmlose Einsätze. Kinder, die kurzzeitig verloren schienen, wurden durch sie schnell wieder mit den Eltern vereint. „Wir hatten viele Gespräche zum Hausnotruf“, berichtete Monika Paillon vom Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Stadtgarten. „Wir feiern gerade 60 Jahre Regionalverband Aachen-Düren-Heinsberg, bestimmt kamen auch deshalb viele vorbei. Wir sind zufrieden.“
Das war auch Stephan Schmidtlein von der Ev. Kirchengemeinde Düren, der eine Aktion mit Stühlen „Der Platz ist frei“ betreute: „Die Stühle wurden vielschichtig gestaltet, einige Diskussionsstühle sind auch dabei.“ Besucher konnten dabei Stühle bemalen und Wünsche, Gefühle, Kommentare auf die Sitzfläche schreiben. Die Stühle – insgesamt sind es bereits über 50 – sollen am 31. Oktober gegen normale Stühle im Altarraum ausgetauscht werden. Und so die Kirchenbesucher ins Gespräch bringen. 

Trommelworkshop der OJE "Zak" Erkelenz. Foto: Bettina Furchheim LupeTrommelworkshop der OJE "Zak" Erkelenz. Foto: Bettina Furchheim

Ein eigenes Lied zum Fest: "Regen fällt auf diese Welt ..."

„Möchten Sie ein Glas Honig kaufen“, fragt Lana am Stand gleich nebenan . „Vielleicht vorher einmal probieren?“ Die Gesamtschule Espenstraße aus Mönchengladbach verkaufte selbst herstellten Honig aus ihrer Imker-AG. „Dreimal in der Woche haben die Schüler Theorie und Praxis“, erklärte Alexander Schneijderberg, Lehrer und Imker. „Im Schulgarten bauen wir Kartoffeln an“, ergänzte Kollege Andreas Hahn. „und hinter der Turnhalle haben wir einen alten Baumbestand. Dort ernten wir Äpfel.“ Die Schülerinnen und Schüler hatten Erfolg mit ihrem Verkauf aus Eigenanbau. Inass stand dazu den gesamten Tag an der Kasse – freiwillig, wie die Lehrer betonten. Zudem bot die Schule Akrobatik, Percussion und Kerzendrehen an.
Der Rhythmus des Trommelworkshops am Stand der OJE „Zak“ Erkelenz ein paar Meter weiter ist den gesamten Tag wie ein Klangteppich zu hören. Auch als die Konfis Lana, Rico und Giuliana am Stand der Ev. Kirchengemeinde Hüls aus gebrauchten und gesäuberten Milchtetrapaks mit wenigen Handgriffen Portemonnaies basteln. „Wir haben viel mit Älteren gebastelt“, erklärte Frieder Müller, der die drei Konfis anleitete. „Viele kamen auch, um Ideen zu sammeln.“ 
Auf den Spuren von Reformatorinnen war Pastorin Katrin Meinhard, Frauenreferentin der Kirchenkreise Krefeld-Viersen und Gladbach-Neuss singend unterwegs. Waren doch auf mehreren Bänken im Stadtgarten Bildnisse unterschiedlicher Reformatorinnen angebracht – quasi als Platzhalter. Einige der Besucher machten auch Selfies mit den Wegbereiterinnen der Reformationsgeschichte. „Singend“, das bedeutete, dass eine Gruppe von Bild zu Bild wanderte, die Lebensgeschichte hörte und gemeinsam ein Lied sang, das zu der jeweiligen Reformation passte. Meinhard verkörperte selbst auch eine Reformatorin: Argula von Grumbach, deren Flugschriften um 1520 reißenden Absatz fanden – in ähnlicher Höhe wie die von Martin Luther.
„Alles wurde angenommen und alles umgesetzt“, resümierte Jenny Calmund aus Lank im Stadtgarten. „Ich habe die positive Stimmung überall gespürt.“
Mit einem interreligiösen Friedensgebet ging das Fest am Abend zu Ende. Es wurde gemeinsam gestaltet durch Pfarrer Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Susanne Bronner; Pfarrerin in Ratheim-Gerderath und Assessorin, Hodscha Oz vom Verband der Islamischen Kultur Zentren (VIKZ) und Abram Esau, Vertreter der Baptistengemeinde. Und mit Gesang. Nach Jesaja 55, passend zum Motto des Kleeblatts, hatte Axel Büker, Jugendbildungsreferent des Kirchenkreises Aachen, eigens ein Lied zum Fest der Begegnung komponiert: „Regen fällt auf diese Welt ...“. „Zeig mal“, sagte ein Mädchen beim Abschluss. „Das kenne ich, mein Vater hat es komponiert. Ich habe gehört, wie es entstanden ist.“ 

 



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