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Gottesdienst zur Asyl-und Flüchtlingspolitik im Aachener Dom

Berührendes Friedensgebet gegen die "geduldete Ermordung" von Flüchtlingen

500 Menschen bei Gottesdienst der Ökumenischen Plattform in der Euregio Maas-Rhein (B/D/NL) - Berichte über entsetzliche Lage der Menschen an den EU-Außengrenzen - Superintendent Bruckhoff: "Ergebnis einer Politik, die wir mit zu verantworten haben"

Etwa 500 Besucherinnen und Besucher beteten im Gottesdienst für die Flüchtlinge und bildeten zum Schlussegen eine Menschenkette der Solidarität. Foto: Braun LupeEtwa 500 Besucherinnen und Besucher beteten im Gottesdienst für die Flüchtlinge und bildeten zum Schlussegen eine Menschenkette der Solidarität. Foto: Braun

Es sind Augenzeugenberichte, die unter die Haut gehen. Fürbitten, die keinen der Anwesenden im großen Aachener Dom unberührt lassen können. "Frauen, die morgens ein Baby geboren haben, werden abends mit dem Säugling zum Sterben in der Wüste ausgesetzt", berichtet zum Beispiel Achim Schwabe, einer der Engagierten, der sich selbst auf Reisen nach Marokko über die Lage der Flüchtlinge dort informiert hat. "Ohne Wasser, Nahrung, Kleidung, Handy oder Geld gibt es für sie keinen Weg zurück. Ich nenne so etwas geduldete Ermordung." Und Pfarrer Jens Sannig, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, erzählt was im Gebirge Marokkos gesehen hat: "Die Polizei hatte das kleine Flüchtlingslager aus Stöcken und Plastikplanen zertrampelt und den Flüchtlingen auch die letzten Habseligkeiten genommen. Mir kommen die Tränen, als ich die nackten Füße und die spärliche Bekleidung der Flüchtlinge sehe. Hunger, Durst und Traumatisierung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Ich selbst friere in meiner Winterkleidung. Hier im Gebirge herrschen Temperaturen um null Grad."

Resolution an zahlreiche Politiker verschickt

Viele engagierte Christinnen und Christen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden haben das Friedensgebet im Aachener Dom vorbereitet und mitgestaltet. Foto: Braun LupeViele engagierte Christinnen und Christen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden haben das Friedensgebet im Aachener Dom vorbereitet und mitgestaltet. Foto: Braun

Das Friedensgebet im Aachener Dom, das auf das Schicksal der Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen und auch hier bei uns in Europa aufmerksam machen wollte, hatte die Ökumenische Plattform in der Euregio Maas-Rhein (B/D/NL) zur Asyl-und Flüchtlingspolitik veranstaltet. Es unterstützte eine Resolution der Gruppe, die nun in drei Sprachen veröffentlicht und bereits an zahlreiche Politiker und Entscheidungsträger versandt wurde. Unter den elf Unterzeichnern sind neben den vier Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Jülich, Krefeld-Viersen und Moers auch die Protestantische Kirche in Belgien, der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen, het breed moderamen van de Classis Limburg van de Protestantse Kerk in Nederland (PKN) sowie die Bischöfe von Roermond und Lüttich. Rund 500 Menschen beteiligten sich nun am Gottesdienst brachten damit auch ihre Unterstützung der in der Resolution genannten Forderungen für eine andere Asyl- und Flüchtlingspolitik zum Ausdruck.

"Abertausende Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas erleiden nicht einfach ein Schicksal", unterstrich auch Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen. "Sondern sie leiden unter dem Ergebnis einer Politik, die wir alle mit zu verantworten haben." Neben den Superintendenten der Kirchenkreise Aachen und Jülich gestalteten unter anderem Pfarrer i.R. Edmund Erlemann aus Mönchengladbach, Steven Fuite, der Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirchen in Belgien, und Hub Vossen vom Bistum Roermond den Gottesdienst, neben vielen weiteren in der Flüchtlingsplattform Aktiven. Musikalisch begleitete eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern der Gemeinschaft von Sant' Egidio aus Aachen und Mönchengladbach unter der Leitung von Manuela Brülls das Friedensgebet.

"Zustände im Asylheim machen die Menschen krank"

Emmanuel Ndahayo, Flüchtling aus Ruanda und inzwischen in Deutschland eingebürgert, erhielt von den Besuchern Applaus, nachdem er seine persönlichen Erfahrungen geschildert hatte. Foto: Braun LupeEmmanuel Ndahayo, Flüchtling aus Ruanda und inzwischen in Deutschland eingebürgert, erhielt von den Besuchern Applaus, nachdem er seine persönlichen Erfahrungen geschildert hatte. Foto: Braun

Besonders eindringlich schilderte im Gottesdienst auch Emmanuel Ndahayo seine persönlichen Erlebnisse, seine Flucht aus Ruanda und seine Aufnahme als Asylbewerber in Deutschland. "Mitglieder meiner Familie wurden in Ruanda getötet. Ich habe das gesehen", berichtete er. "Ich will für Gerechtigkeit kämpfen, nicht für die Getöteten, sondern für die Menschen, die noch leben." Ndahayo beschrieb die Zustände in der Asylbewerberunterkunft, in der er zweieinhalb Jahre verbringen musste und die Umstände der Bewohner, die viele krank machten, in die Prostitution, den Drogenkonsum und uns Gefängnis brachten. "Ich habe das Asylheim verlassen, aber das Asylheim hat mich nicht verlassen", sagte Ndahayo, der inzwischen in Deutschland eingebürgert ist und gerade in Sozialwissenschaften promoviert. "Ich kann nicht vergessen, was ich dort gesehen habe, und deshalb engagiere ich mich für meine Rechte als Mensch und für die Rechte anderer Menschen. Gott hat mir eine Chance gegeben, und diese Chance werde ich nutzen."

Weitere Arbeit: Information und Vernetzung

Lupe

Nach der Veröffentlichung der Resolution zur Asyl- und Flüchtlingspoltik und dem Friedensgebet von Sonntag soll die Arbeit zu diesem Thema von den Aktiven nachhaltig weiter in die Kirchengemeinden, in die politischen Gremien und das private Umfeld aller Interessierten getragen werden. Welche Möglichkeiten es gibt, sich weiter zu engagieren, zeigte bereits die Rückseite der im Gottesdienst verteilten Broschüre zum Friedensgebet auf.

Außerdem soll allen Interessierten hier in Form einer offenen Pinnwand eine Plattform geboten werden, sich auszutauschen und sich mit anderen Menschen zu vernetzen, die sich ebenfalls weiter mit dem Thema beschäftigen möchten. Zur Pinnwand "Euregionale Flüchtlingsplattform / Austausch zur Asyl- und Flüchtlingspolitik": http://kirchenkreisaachen.wordpress.com/2014/02/03/pinnwand-zum-austausch-uber-ihr-eigenes-engagement-okumenische-plattform-in-der-euregio-maas-rhein-bdnl-zur-asyl-und-fluchtlingspolitik/

Texte: Caren Baun, Ev. Kirchenkreis Aachen

 

 



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