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für den 07.08.2020

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Studienreise der Schulreferate für Religionslehrer und -innen

Pessach in Israel - Ostern in Jerusalem

Eine ganz besondere Zeit für die Studienreise nach Israel hatten die Schulreferate der Kirchenkreie Krefeld-Viersen und Gladbach-Neuss gewählt: Sie fand über die höchsten Feiertage in Judentum und Christentum statt. Ein Reisebericht von Ulrike van Hoof.

Israelische Wasserexperimente. Foto: C. Herling LupeIsraelische Wasserexperimente. Foto: C. Herling

Studienreise nach Israel – Osterferien 2010

„Die Reise soll sowohl für Israel -Neulinge viele der „klassischen“ Ziele (Galiläa, Jerusalem, Totes Meer) ansteuern, als auch … einen weiteren Schwerpunkt im Bereich Wüste setzen. Daneben soll es Gespräche und Begegnungen mit Israelis und Palästinensern geben.“

So wurde die Reise im Heft „Fortbildung“ des Schulreferates der Evangelischen Kirchenkreise Krefeld-Viersen und Gladbach-Neuss schon 2008/2009 angekündigt. Nach drei Vorbereitungstreffen war es dann soweit: Am 27.03.2010 frühmorgens flogen wir los. Wir, das sind 25 Teilnehmer (überwiegend Religionslehrer, die sich im Schuldienst oder in Altersteilzeit oder im Ruhestand befinden) unter der Leitung der Schulreferentin Pfarrerin Christine Herling.

Inzwischen hatte sich die Ankündigung der Reise erweitert, und so schön, wie das sich anhörte, wurde sie auch:

„Pessach in Israel – Ostern in Jerusalem

Diese Reise ist besonders. Sie findet über die höchsten Feiertage in Judentum und Christentum statt. Pessach, die Erinnerung an den Auszug aus Ägyptenland und bis heute Sinnbild für den Weg aus der Gefangenschaft in die Freiheit, wird uns über fast die gesamte Reise begleiten – und während unserer Tage in der Negevwüste haben wir ausreichend Gelegenheit, uns mit den physischen Gegebenheiten von Wüste und Wandern auseinanderzusetzen.
Das Jahr 2010 ist auch für den christlichen Festkalender sehr bedeutsam – in diesem Jahr fallen das Osterfest der orthodoxen wie das der westlichen Kirche zusammen.“

Am Flughafen Tel Aviv wurden wir von Andreas Wagner empfangen, der das „Studium in Israel“ an der Hebräischen Universität geleitet hatte, und unser überaus engagierter, und was sein Wissen anging, „unerschöpflicher“ Begleiter bis zum Rückflug blieb. Nach einer ersten Übernachtung in Dor an der Mittelmeerküste ging es nach Meggido, der vielleicht wichtigsten archäologischen Stätte in Israel. Megiddo war während einer Zeitspanne von mehr als fünf Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt (von ungefähr 6000 bis 500 v. Chr.) Die militärische Bedeutung des Ortes spiegelt sich in vielen Bibeltexten, zuletzt in der Apokalypse. Armageddon, „Har Megiddo“ (der Berg von Megiddo), erscheint dort als der Ort der biblischen Endschlacht zwischen Gut und Böse (Off. 16,16).

Wir besichtigten die Katakomben von Beit Shearim (hier wurde die Mischna im Jahr 200 fertiggestellt) und den wunderschönen Mosaikboden der Synagoge von Beit Alfa, bevor es an den See Genezareth ging. Von dort aus unternahmen wir fast noch im Morgengrauen bei Ruhe ringsum und guter Sicht bis Jordanien eine Bootsfahrt über den See Genezareth bis Ginossar, wo man ein Boot aus der Zeit Jesu gefunden hat, besuchten die "Heiligen Stätten" am Seeufer, Kapernaum, den Ort der Brotvermehrung Tabgha, den Berg der Seligpreisungen, unternahmen eine kleine Wanderung durch die verwunschenen Ufer zweier Quellflüsse des Jordan, Dan, und Banjas, wo es ein hellenistisches Panheiligtum gab, fuhren entlang der Golan-Höhen bis Kuneitra, der zerstörten Stadt, die Stellung von UNO-Soldaten ist und umgeben von Minenfeldern. Immer wusste unser Guide den biblischen, geschichtlichen oder politischen Bezug zu verdeutlichen, kannte alle Pflanzen und viele Geschichten.

In unserer Unterkunft im Kibbuz Ohalo waren außer uns nur Juden zu Gast, die den Sederabend, den Vorabend des Pessach-Festes im Restaurant feierten. Wir hatten die gleichen, festlich eingedeckten Tische, darauf eine Haggada, die Handlungsanweisung für den Sederabend, die die Vorgänge beschreibt, die man im Buch Exodus nachlesen kann: Das Exil in Ägypten und den Auszug in die Freiheit. Wir durften an dem festlichen Abend, der fröhlich war und bei dem viel gesungen wurde und der die Kinder immer wieder in den Mittelpunkt stellte, teilnehmen und bekamen nach dreistündiger Feier ein umfangreiches, vorzügliches Festessen. Es war ein eindrucksvolles, bewegendes Erlebnis.

An den Banjas-Quellen. Foto: C. Herling LupeAn den Banjas-Quellen. Foto: C. Herling

Weiter ging es über Tiberias durch den Jordangraben zu den Gilboabergen und die Judaeische Wüste nach Jerusalem. Dort zogen wir wie einst die Pilger vom Skopus-Berg durch das Kidron-Tal in die Stadt, wo wir in einem arabischen „Hotel“ in der Altstadt unser Quartier hatten und häufig „arabisches Leben“ miterleben und -leiden konnten. Aber dank der guten Lage mitten im Suk, waren wir in kurzer Zeit an der Westmauer, konnten den durch ihre Kleidung meistens als orthodox erkennbaren Juden beim Gebet zusehen, die Ausgrabungen in der Davidstadt besuchen, das Wassersystem, den Hiskia-Tunnel, einen Spaziergang über die Stadtmauer machen, den Zionsberg mit dem Davidsgrab besuchen, die Dormitio-Abtei, den Abendmahlssaal, die Via Dolorosa, die Grabes- und Auferstehungskirche und was es noch so alles zu sehen gab. Die ev.–luth. Erlöserkirche lag wenige Minuten entfernt. Dort konnten wir an einer Andacht am Karfreitag teilnehmen, wohltuend ruhig gegenüber den Spektakeln der Karfreitagsprozessionen.

Ein Höhepunkt waren auch der Besuch des Westmauertunnels und des Tempelberges mit Al-Aqsa-Moschee und Felsendom, der wirklich prachtvoll ist, und den wir von der Dachterrasse unserer Unterkunft zu allen Tageszeiten betrachten konnten.

Von Jerusalem aus besuchten wir auch die Geburtskirche in Bethlehem, direkt vor ihr ist eine große Moschee gebaut. Bethlehem liegt wie Beit Jala im Westjordanland. In Beit Jala erfuhren wir in der Reha- Einrichtung "Lifegate" über das Leben mit Behinderung in palästinensischen Gebieten und welche Vorreiter-Rolle dieses kleine von CVJM und Diakonischem Werk getragene Projekt spielt. Es verdient Unterstützung!

Danach hatten wir eine Begegnung mit Pastor Jadallah Shihadeh, von der ev.-luth. Gemeinde. Zur Gemeinde gehören eine Sozialstation, ein Wohnheim für Jungen, die aus schwierigsten familiären Verhältnissen kommen und die Abrahams Herberge, ein Gästehaus, welches als Begegnungsstätte zwischen Juden, Christen und Muslimen, zwischen Palästinensern und Israelis in erster Linie der Friedensarbeit dienen soll. Auf dem 2.ÖKT in München wird Shihade dazu berichten.

Frühmorgens in den Gassen von Jerusalem. Foto: C. Herling LupeFrühmorgens in den Gassen von Jerusalem. Foto: C. Herling

Ein politischer Abend mit Ulrich W. Sahm, seit 40 Jahren Jerusalem-Korrespondent verschiedener TV-Sender und Zeitungen brachte uns den Jerusalem-Status, die Wasser-frage und viele Probleme zwischen Israelis und Palästinensern nahe.

Nach dem Besuch von Qumran, den Fundstätten der Schriftrollen, machten wir eine Begehung der Felsenfestung Massada und eine Badepause am Toten Meer, bevor wir durch die Negevwüste zum Kibbuz Mashabe Sade fuhren. Außer guten Unterkünften und leckerem Essen gibt es dort große landwirtschaftliche Versuchsstationen und Fischzucht in der Wüste, die uns von einem begeisterten Kibbuznik gezeigt und erläutert wurden.

Sehr beeindruckt waren wir vom Makhtesch Ramon, dem weltgrößten Erosionskrater in der Wüste Negev. In der Ausdehnung misst er fast 40 km. Die Flora und Fauna dieser Wüstenregion ist besonders vielfältig, und da es in diesem Winter zum ersten mal seit 40 Jahren so viel geregnet hatte, dass die Flüsse voll waren, grünte und blühte es überall. Am Tag darauf führte uns eine Wanderung durch Ain Avdat, eine Schlucht in der Negev-Wüste, ein Teil des Nahal Zin, des größten Wadi (Trockenfluss) im Negev. Dort konnten wir Steinböcke beobachten und uns immer wieder an blühenden Pflanzen und gluckerndem Wasser erfreuen, bevor wir die Ruinen der nabatäischen Stadt Avdat, einst die größte Stadt in antiker Zeit im Negev, besuchten. Die Weihrauchroute führte hier entlang und es entwickelte sich ein Handelsstützpunkt.
In Beer Sheva aßen wir das beste Eis Israels, dann hatten wir in einem Dorf, das sesshaft gewordene Beduinen bewohnen, eine interessante Begegnung mit der Beduinenfrau Mariam, die Management in London studiert hat und sich bemüht, Beduinenkindern die Pflanzen der Wüste und ihre Heilkräfte zu vermitteln, ihnen das Wissen der Beduinen erhalten will. Im Naturschutzgebiet von Beit Guvrin besuchten wir noch die Glockenhöhlen und dann erreichten wir nach Alt Yaffo unsere letzte Station Tel Aviv, eine riesige, moderne Stadt am Mittelmeer, die uns mit Sonnenschein und Meeresrauschen verabschiedete.

Es war eine unvergessliche Reise, diese Studienreise nach Israel – Ostern 2010.



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