Auf dem Weg zum Ökofairen Kirchenkreis
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Schulreferat Krefeld-Viersen und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Krefeld

Studienfahrt ins "Jerusalem des Nordens"

Die Studienfahrt führte nach Antwerpen ins jüdische Viertel. Die Stadt wird auch "Jerusalem des Nordens" genannt. Wie selbstverständlich werden hier unterschiedliche Kulturen und Religionen nebeneinander gelebt. 

Rabbiner Wagner bei Erklärungen zum Jüdischen Leben. Foto: Furchheim LupeRabbiner Wagner bei Erklärungen zum Jüdischen Leben. Foto: Furchheim

Das „Jerusalem des Nordens“ wird Antwerpen auch genannt. Etwa 15.000 Juden leben in einem Viertel am Bahnhof, viele streng nach den Gesetzen ihrer Religion. Nach dem Krieg und Holocaust sind viele Juden nach Antwerpen gekommen, manche sind zurückgekehrt, andere zugezogen. Männer in langen schwarzen Mänteln, schwarzen Hüten, Vollbärten und mit den für orthodoxe Juden typischen Schläfenlocken sind hier nichts Besonderes, sie gehören zum alltäglichen Bild des Viertels. Sie schieben Kinderwagen, sind bepackt mit Einkaufstaschen oder radeln durch die Straßen. Auch die Frauen tragen Kopfbedeckungen, manchmal auch Perücken – ihre Röcke müssen wenigstens übers Knie reichen. Es ist ein Sonntag in Antwerpen – für die Juden also ein ganz normaler Werktag.

„Ich bin fasziniert davon, wie selbstverständlich unterschiedliche Religionen und Kulturen nebeneinander gelebt werden“, meint Pfarrerin Annette Vetter, Religionslehrerin am Maria-Sybilla-Merian-Gymnasium in Krefeld. „Und wie sie das Stadtbild Antwerpens prägen. Das hatte ich so nicht erwartet.“ Knapp 500.000 Einwohner hat Antwerpen – und 140 unterschiedliche Nationalitäten. Pfarrerin Vetter war eine von 53 Teilnehmenden an der Studienfahrt nach Antwerpen, Religionslehrende aus Krefeld und Viersen sowie weitere Interessierte. „Das heutige orthodoxe jüdische Leben kennen lernen“ – war der Hauptanlass für diese Fahrt, die das Schulreferat des Ev. Kirchenkreises Krefeld-Viersen gemeinsam mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in Krefeld durchführte. „Wir haben die Fahrt bereits im vergangenen Jahr angeboten“, erklärt Pfarrerin Christine Herling, Schulreferentin des Kirchenkreises. „Die Nachfrage so groß, dass wir eine lange Warteliste angelegen mussten. Selbst jetzt zur zweiten Fahrt konnten nicht alle Interessenten mit.“

Einführung in die Jüdische Feiertage

Synagoge in der Oostenstraat in Antwerpen. Foto: Furchheim LupeSynagoge in der Oostenstraat in Antwerpen. Foto: Furchheim

In der Synagoge an der Oostenstraat, am Rande des jüdischen Viertels bekamen die Teilnehmenden eine Einführung in die jüdischen Feiertage vom Sohn des Direktors der dortigen Verwaltung, Philipp Pollak, auf Englisch. Der Krefelder Rabbiner Yitzchak Mendel Wagner, der die Studienfahrt begleitete, übersetzte – manchmal wurde die Übersetzung gar ein wenig länger, da er noch zusätzliche Informationen einflocht. Rabbiner Wagner konnte auch bei der sich anschließenden Stadtführung durch das jüdische Viertel immer wieder bei theologischen Fragen Auskunft geben.

Noch etwas ist hier anders als in anderen Vierteln Antwerpens: An vielen Hauseingängen ist rechts ein längliches Holzstück angebracht. Es sind so genannte Mesusa (Torpfosten-)-Kapseln, wie uns Rabbi Wagner erklärt. In ihnen stecken handgeschriebene Thora-Schriftworte als Haussegen. Damit zeigen die Bewohner, dass sie sich der Gegenwart Gottes aktiv bewusst sind. Warum schräg? Eine Vorstellung sei, meint Rabbi Wagner, durch die Richtung des oberen Endes zum Raum hin werde die Neigung des Oberkörpers beim Eintreten in den Raum nachgeahmt. Möglicherweise lasse sich auch die Redewendung „Der Haussegen hängt schief“ auf diese Mesua-Kapseln beziehen.

Natürlich sonntags geöffnet: Läden mit koscheren Waren

Ensemble koscherer Vorspeisen. Foto: Furchheim LupeEnsemble koscherer Vorspeisen. Foto: Furchheim

Es gibt viele kleine Läden mit koscheren Waren, die natürlich sonntags geöffnet sind. Die Gruppe isst zu Mittag in einem koscheren Restaurant, das von drei Brüdern geführt wird – das Hoffy´s. Moshi – oder Moses, einer der Hoffmann-Brüder erklärt die Grundregeln der koscheren Küche. Und er tut es mit einem feinen hintergründigen Humor, den man sonst leider meist nur aus Geschichten kennt – dem so berühmten „jüdischen Humor“.

Antwerpen ist durch seine Diamanten bekannt – der weltweit bedeutendste Umschlagplatz für die funkelnden Edelsteine. Früher waren etwa 80 Prozent der Antwerpener Juden in diesem Sektor beschäftigt, heute sind es nur noch etwa 30 Prozent. Inder haben vielfach das Geschäft übernommen – lassen billiger in Indien oder China schleifen. Auch Fachleute zum Spalten der Diamanten werden heute nicht mehr gebraucht, das übernehmen Laser. So verarmen die Antwerpener Juden langsam und müssen sich andere Berufe erschließen. Andere verlassen Antwerpen – meist in Richtung USA. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich das „Jerusalem des Nordens“ weiterentwickelt. Die vielen koscheren Einkaufsmöglichkeiten in Antwerpen nutzt auch die Jüdische Gemeinde Krefeld – „Mindestens einmal pro Monat kaufen wir dort in den großen koscheren Supermärkten ein“, erzählt Rabbiner Wagner. „Denn koschere Einkaufsläden gibt es bei uns nicht.“

Auch im kommenden Herbst werden Schulreferat und GCJZ Krefeld vermutlich wieder eine Studienfahrt ins orthodoxe jüdische Viertel Antwerpens anbieten. Es lohnt sich.

21.09.2012



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