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für den 21.09.2020

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Partnerschaft Krefeld-Viersen - Humbang

Lebensgrundlage ist der Regenwald

Zwei Dörfer in unserem Partnerkirchenkreis auf Nord-Sumatra wehren sich gegen die Abholung ihrer Wälder. Die Lebensgrundlage der Menschen ist in Gefahr. Stattdessen soll dort Eukalyptus in Monokultur für die Papierherstellung angepflanzt werden.

Klimaexperte Longgena Ginting und Pfarrer Christian Sandner (GMÖ) berichten über Umweltprobleme auf Sumatra. Foto: Furchheim LupeKlimaexperte Longgena Ginting und Pfarrer Christian Sandner (GMÖ) berichten über Umweltprobleme auf Sumatra. Foto: Furchheim

„Wir haben einige Umweltprobleme in Indonesien“, meinte Longgena Ginting, Klimaberater Asien von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). „Doch heute geht es vor allem um den Wald.“ Ginting war Referent auf einer Info-Veranstaltung im Gemeindehaus der Kreuzkirche Viersen, zu der das deutsche Komitee der Partnerschaft „Krefeld-Viersen - Humbang“ eingeladen hatte. Die Partnerschaft zwischen den beiden Evangelischen Kirchenkreisen besteht seit 30 Jahren. Unterschiedliche kleinere Projekte werden vor Ort in Nord-Sumatra unterstützt. Im vergangenen Jahr feierte eine Delegation mit den indonesischen Partnern 150 Jahre protestantische Kirche (Toba-Batak-Kirche) auf Nord-Sumatra.

Durch Palmölplantagen seien die Wälder zunehmend bedroht, berichtete Ginting etwa 40 Zuhörenden auf Englisch. Pfarrer Christian Sandner vom GMÖ (Gemeindedienst für Mission und Ökumene) aus Krefeld übersetzte – ebenso wie Kristina Neubauer, Partnerschafts¬beauftragte Asien von der VEM aus Wuppertal. Mehr als 11 Millionen Hektar dieser Monokulturen für die Gewinnung von Palmöl gebe es in Indonesien bereits. Das entspräche einer Fläche dreimal so groß wie die Niederlande. Diese Fläche solle in den nächsten 20 Jahren auf 30 Millionen Hektar gesteigert werden. Grund: der globale Markt ist stark im Wachstum begriffen. Palmöl wird als Speiseöl und -fett genutzt, ansonsten eingesetzt in der Nahrungsmittelindustrie (z.B. in Tütensuppen, Keksen oder Eiscreme), aber auch in Seifen, Kosmetika, Kerzen und Farben sowie in Kraftwerken zur Strom und Wärmeproduktion und als Beimischung zu Benzin und Diesel.

Weihrauchwald seit fünf Generationen bewirtschaftet

Auf Sumatra: Harz des Weihrauchbaumes. Foto: Ginting LupeAuf Sumatra: Harz des Weihrauchbaumes. Foto: Ginting

Die EU will bis 2020 10 Prozent ihres Kraftstoffverbrauches aus pflanzlichen Ölen decken. Ab 2020 sind sogar 20 Prozent geplant. Deutschland kann seinen Bedarf jedoch nicht aus selbst angebautem Raps decken. Dafür sind die Anbauflächen zu klein. So müssen andere Öle herhalten wie Soja- und Palmöl.

Indonesien und Malaysia sind mit Abstand die größten Produktionsländer von Palmöl. Indonesien verzeichnet zudem die größten Wachstumsraten. Grund genug für Longgena Ginting und die VEM über die zunehmende Abholzung der Wälder und die Pflanzung von Monokulturen aufzuklären. Nicht nur Ölpalmplantagen entstehen auf den gerodeten Flächen, auch Eukalyptusplantagen für die Papierindustrie sowie andere Monokulturen.

Möglich wurde diese zunehmende Abholzung durch geänderte gesetzliche Regelungen seit 2004. So etwa ein Erlass zur Landnahme, der Enteignung und Vertreibung vereinfacht. Hier setzt die Arbeit der VEM an. Sie klärt die Bauern über Schutz und Aufforstung von Wäldern auf und bietet rechtliche Beratung. Im Gebiet des Partnerkirchenkreises gibt es noch einen der wenigen ursprünglichen Wälder in Nord-Sumatra. Dabei wird der so genannte Weihrauchwald seit etwa fünf Generationen bewirtschaftet. Weihrauchbäume sind für die Batak, wie die einheimische Bevölkerung heißt, etwas ganz Besonderes. Der Sumatra-Benzoe-Baum braucht ein ganz bestimmtes Klima (Feuchtigkeit und Licht), damit er immer wieder Harz (den ausfließenden Gummi) produziert. Diese Bedingungen sind ausschließlich in einem natürlichen Wald gegeben. Deswegen ist die Pflege des Weihrauchwaldes für die biologische Vielfalt enorm wichtig. So wurden beispielsweise einmal als Ausgleich für gerodeten Urwald 5.000 Benzoe-Bäume gepflanzt. Doch diese bringen in Monokultur kein Harz hervor. Das Benzoeharz wird als Kirchenweihrauch genutzt und in der Parfümherstellung sowie zur Konservierung in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt.

Menschen und Klima sind vom Wald abhängig

Auf Sumatra: Benzoe-Zapfer bei der Arbeit. Foto: Ginting LupeAuf Sumatra: Benzoe-Zapfer bei der Arbeit. Foto: Ginting

Die Batak haben eine ganz bestimmte, sehr persönliche Art, sich um diese Bäume zu kümmern. Wie sie es tun müssen, haben sie über die Jahrhunderte herausgefunden. Sie achten auf ihre Bäume, als seien es Familienangehörige, manchmal singen sie ihnen gar etwas vor. Es ist als ob sie dadurch mit den ihnen anvertrauten Bäumen in Beziehung träten. Sie klettern, mit Hilfe von Seilen bis in die Spitzen der etwa 15 Meter hohen Bäume. Ein Benzoe-Baum braucht 14 Jahre, bis er angezapft werden kann (für etwa 60 Jahre) und kann 150 bis 200 Jahre alt werden.

Die Bäume sind rings um die Dörfer im Wald verteilt. Jede Familie bewirtschaftet etwa 5 bis 10 Hektar. Manchmal können die Weihrauchbäume auch sehr weit weg stehen, mehrere Stunden entfernt. Für ein Kilo Benzoe erhalten die Bauern, je nach Qualität ca. fünf bis zehn Euro. Durch diese Einnahmen sind viele Familien in der Lage, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Hier wird ganz deutlich: Die Menschen sind vom Wald abhängig, ebenso wie auch unser Klima.

Jedoch sieht es derzeit schlecht für Weihrauchwald aus. Denn das Forstministerium hat einer ortsansässigen Zellstofffabrik bereits eine Abholzungsgenehmigung für das Gebiet erteilt. Hier soll anschließend Eukalyptus in Monokultur gepflanzt werden. Doch zwei Dörfer wehren sich: Pandumaan und Sipituhuta, in der Nähe von Doloksanggul, der Hauptstadt im Kirchenkreis Humbang. Sie sind beinahe so etwas wie Klimahelden. Denn bereits vier Jahre haben sie die Abholzung ihrer etwa 5.000 Hektar großen Fläche verhindert.

„Wie können wir die Dorfbewohner unterstützen?“ fragte eine Zuhörerin. „Es gibt unterschiedliche Wege“, antwortete Klimaexperte Ginting. „Zum einen auf der lokalen Ebene in der Rechtsberatung. Hier sind die lokalen Kirchen gefragt. Sie können Rechtsberatung zur Verfügung stellen.“ Zum anderen sei es wichtig, den Dorfbewohnern deutlich zu machen, dass sie nicht alleine sich und sich sehr wohl andere für ihre Probleme interessieren. „Schicken Sie Grüße dorthin“, rät Ginting. „Oder wenn jemand vor Ort ist, soll er gezielt darum bitten, diese Dörfer besuchen zu können.“ Und wagt einen Vergleich: „Auch die Proteste gegen die Mauer in Deutschland oder beim Arabischen Frühling haben ganz klein angefangen.“ Auch die Kirche vor Ort müsse sich positionieren. Immer-hin sind über 90 Prozent der Einwohner hier protestantisch. Sie verfügen über ein hervorragendes Netzwerk – und: sie sei auch in den kleinen Dörfern vertreten. Eine andere Möglichkeit ergebe sich aus dem Plan, den Tobasee und das angrenzende Land als Geopark auszubauen. Immerhin ist der Tobasee, der an den Humbang grenzt, der größte Vulkankratersee der Welt. Er entstand nach einem Vulkanausbruch vor 75.000 Jahren, der die Welt klimatisch stark beeinflusst haben soll.

Zunächst jedoch – für diesen Abend in Viersen, blieb es bei einer Unterschriftensammlung und einem kurzen ermutigenden Gruß an die Dörfer in Humbang.

Bettina Furchheim / 09.10.2012



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