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für den 28.10.2020

Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

Psalm 18,32

Superintendent Hartmut Demski geht in den Ruhestand

Wir sind die Reformflut mit Vorsicht angegangen

Pfarrer Hartmut Demski geht nach 15 Jahren im Amt des Superintendenten in den Ruhestand. Zu seiner persönlichen Bilanz und dem, was unerledigt bleibt, fragten wir ihn in einem Gespräch.

Abschlussgottesdienst zum Friedenswochenende 2019. Foto: Thomas E. Wunsch Abschlussgottesdienst zum Friedenswochenende 2019. Foto: Thomas E. Wunsch

Herr Superintendent, Sie haben 2005 mit vielen Ideen Ihr Amt als Superintendent für den Kirchenkreis Lennep angetreten. Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz? 
Mit Stolz ist das so eine Sache. Zufrieden und dankbar schaue ich vor allem auf die beiden großen Kirchenkreis-Feste zurück: 2017 das Reformationsjubiläum und 2019 „Tatsächlich Frieden“. Beide Feste waren das Ergebnis einer gemeinschaftlichen Vorbereitung vieler Engagierter. Ohne solche Gemeinschaft ist man bei derartigen Vorhaben völlig aufgeschmissen. 
In beiden Festen kam etwas zum Ausdruck, was mir als Superintendent während der ganzen Jahre ein großes Anliegen war: Kirchenkreis ist nicht nur Verwaltungsebene, ist nicht nur Aufsicht oder „Die da in Lennep“, Kirchenkreis ist ein lebendiges und gemeinsames gelebtes Stück Kirche. 

Eine gute Entscheidung war es im Rückblick auch, dass wir vor 10 Jahren mit den Jahresempfängen am Vorabend des Reformationstages begonnen haben. Diese Begegnungen mit Menschen aus Politik und Verbänden, Vereinen und Institutionen war ein wichtiger Schritt in die Öffentlichkeit der Städte und Kommunen, in denen wir als Kirche leben. Die Kirche gehört mit ihrer Botschaft in die Öffentlichkeit; nur so bleibt es möglich, die kirchliche Stimme auch in dem Einsatz für freie und menschenfreundliche Gesellschaften, gegen Hetze und Hass im Netz und im realen Alltag zur Geltung zu bringen.

Daneben war es in diesen Jahren eine besondere Herausforderung, das Schiff der Kirche durch eine Flut an Veränderungsprozessen zu lotsen. Die Umstellung auf die betriebswirtschaftliche Buchung und Bilanzierung hat uns fast zur Verzweiflung getrieben; der Beginn einer neuen Pfarrstellenplanung mit deutlich weniger Pfarrstellen, Gemeinden und Gemeindegliedern stellte weitgehende Fragen nach der Zukunft von Pfarramt und Gemeinde; die Zusammenlegung unserer 4 Verwaltungsämter in ein einziges stieß auf massive Vorbehalte.

Ich glaube, dass wir – und dabei schaue ich jetzt auf den KSV und mich gemeinsam -  die Reformflut mit Vorsicht angegangen sind, dabei eigene Akzente setzen konnten und manche Irrwege vermieden haben. 
Für eines haben wir gestanden: Zusammenarbeit, auch über Gemeindegrenzen hinweg als entscheidende Aufgabe in Köpfen und Herzen der Beteiligten zu verankern: das bleibt das Thema in allen anderen Themen. 

Pfarrer Demski mit der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann. Foto: Thomas E. Wunsch Pfarrer Demski mit der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann. Foto: Thomas E. Wunsch

Welche besonderen Begegnungen werden Ihnen in Erinnerung bleiben?

Sehr beeindruckt haben mich die Begegnungen mit unseren weltweiten ökumenischen Partnern in Indonesien und Ruanda, dazu ein Besuch bei der Diakonie Kosovo. Sieben- oder achtmal war ich in Kırsehir, der türkischen Partnerstadt von Remscheid, oft habe ich Besucher von dort begrüßt. In Psalm 31,9 heißt es: „Du Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das war in diesen Begegnungen spürbar. Gastfreundschaft zu erfahren und zu geben, Vorurteile zu korrigieren, sich dem Fremden zu öffnen: das waren sehr wichtige Erfahrungen.
Daneben halte ich ein Photo neben Bundespräsident Köhler bei der Gefährdetenhilfe Scheideweg in Ehren, denke gerne an die Begegnung mit Frau Käßmann im Zelt auf dem Schützenplatz oder mit Nikolaus Schneider in der Wagenhalle.
An zwei liebgewordene Weggefährten denke ich, die ich ohne dieses Amt nicht kennengelernt hätte, Thomas Kaster als katholischer Stadtdechant in Remscheid und Andre Carouge als Pastor der Friedenskirchengemeinde in der Schützenstraße. Die Weite und Vielfalt der Begegnungen in diesem Dienst waren oft tief beglückend. Das wird mir fehlen. 

Welche Entscheidung ist Ihnen im Rückblick auf Ihre Tätigkeit besonders schwer gefallen?

Ich bin kein Mensch einsamer Entscheidungen: Gerne berate ich mich mit anderen und setze auf die Stärke der „Schwarmintelligenz“ oder den Segen über gemeinschaftlichen Entscheidungen. Ein schwerer Schritt war der Wieder-Ausstieg aus einem wesentlichen Teil unserer Flüchtlingsarbeit und damit verbunden die Trennung von Charles Donkor. Die Arbeit wurde inzwischen weitgehend durch die Städte und Kommunen betrieben, und doch war unser Beitrag etwas Besonderes. Das war ein schwerer Entschluss, der mich lange begleitet hat. Überhaupt sind es zumeist Personalentscheidungen gewesen, die mir besonders schwer gefallen sind. Bei vielen Entscheidungen gibt es nur begrenzten Spielraum. Dann geht es darum, das Beste daraus zu machen. Ach ja: Was haben wir um die Frage gerungen, ob wir uns wirklich mit einem Gottesdienst in das große Zelt auf den Schützenplatz wagen! Das war mit manchen schlaflosen Nächten und vielen Gebeten verbunden. Und der Erfahrung, dass man irgendwann sowieso auch die schweren Entscheidungen in Gottes Hand legen muss. 

Noch viele Pläne für die Zeit nach seiner Verabschiedung als Superintendent: Pfarrer Hartmut Demski Noch viele Pläne für die Zeit nach seiner Verabschiedung als Superintendent: Pfarrer Hartmut Demski

Wie hat Ihnen Ihr Glaube in Ihrem Amt geholfen?

In den Jahren haben ich es mir zur Gewohnheit werden lassen, in der Regel jede Sitzung oder Besprechung mit dem Hören der Texte aus den Herrenhuter Losungen zu beginnen. Ich war vorher kein Freund davon: aus dem Zusammenhang gerissene Einzelverse, zufällig einem Tag zugeordnet; ich wollte lieber passende Texte suchen, eigene Gedanken formulieren. Angesichts der Fülle anstehender Termine war mir das gar nicht möglich. Bevor ich einen derartigen Beginn dann ganz ausfielen ließ, habe ich zu den Losungsversen gegriffen und schloss nach und nach meinen Frieden mit dieser kurzen Dosis biblischer Weisheit zu Beginn unserer Gespräche. Wichtiger manchmal als der konkrete Inhalt war der geordnete Anfang, der Einstieg auf einer ganz anderen als der nur sachlichen Ebene. Der kurze Blick von uns weg, bevor wir uns in unsere Themen vertiefen. 

Manchmal ergab es sich dann im Gespräch, dass sich auch bei Meinungsunterschieden diese Verbundenheit mit Gesprächspartnern auf einer höheren Ebene zeigte. Es ist schon eine besondere Art, wie wir in der Kirche unter diesem Vorzeichen miteinander reden und umgehen. 
Daneben war und ist mir der Glaube die entscheidende Voraussetzung, auch in  dickster Hektik zu einem Stück Gelassenheit zu finden. Ja, du wirst Fehler machen und du darfst Fehler machen. Mit Gottes Hilfe entsteht dabei kein großer Schaden. Du darfst etwas ausprobieren. Und von größer Bedeutung:  Vertrauen auf die Kraft des Gebets

Die Ev. Kirche ist im Umbruch, in Zukunft werden ihr weit weniger Menschen angehören. Blicken Sie pessimistisch auf die Zukunft der Evangelischen Kirche?
Nein, nicht pessimistisch; aber schon ein Stück sorgenvoll. Kirche wird kleiner: weniger Menschen, weniger Pfarrstellen, weniger Beachtung. Das muss man erst einmal sagen dürfen, ohne gleich als Schwarzseher, Pessimist oder als „Einer mit zu wenig Glauben und Hoffnung“ verschrien zu werden. Erst dann werden wir lernen, auch damit umzugehen. Denn das bedeutet auch: Weniger Verwaltung, weniger Behörde, weniger Schnörkel, weniger Aufwand. Es gibt in diesem Umbruch auch Positives zu entdecken, darin liegen Chancen, das eröffnet auch Segen. So wie uns auch diese elende Corona-Zeit Möglichkeiten zeigt, die wir vorher ignoriert haben: z.B. in der Nutzung von Medien, in kleinen Gesten und Begegnungen; weniger Worte, aber mehr zum Ausdruck bringen; das Mehr im Weniger entdecken. Was da kommt, ist kein Unglück, das uns überfällt. Es ist eine Zeit und Erfahrung, in die Gott uns führt. 


Welche Frage, die hier nicht gestellt wurde, würden Sie gern noch beantworten?
Eine Frage, die mich gerade in diesen Wochen beschäftigt, in denen ich mein Dienstende vorbereite: Was bleibt unerledigt? Ich würde ja gerne zu dem Punkt kommen, wo man sagen kann: Okay, alles fertig. Leider gibt es diesen Punkt nicht. Unerledigt und im Fluss ist manches. Zwei Punkte möchte ich nennen:
Wir haben vor fünf Jahren eine neue gemeinsame Verwaltung geschaffen. Dazu stehe ich nach wie vor. Diese Zerfaserung in eine Fülle kleiner Verwaltungseinheiten, die alle irgendwie das gleiche doch ganz anders machten: das ging so nicht weiter. Jetzt sind wir gut aufgestellt und müssen einen Schritt weitergehen: Wir müssen geordnet unseren Verwaltungsaufwand zurückschrauben. Wenn Kirche insgesamt kleiner wird, können auch die Verwaltungsansprüche zurückgehen. Dass die Landeskirche uns soeben mit einem neuen, großen Buchhaltungsprogramm beglückt hat, war ein Schritt in die falsche Richtung. Kleiner und einfacher – und dann auch billiger - muss es werden; unsere Verwaltungsvorschriften gehören zu 100% auf den Prüfstand. 

Und der zweite unerledigte Punkt?
Unsere internationale ökumenische Partnerschaft braucht neue Impulse: Wir waren mit unserer trilateralen Beziehung nach Ruanda und Indonesien wirklich gut unterwegs. In vorsichtigen Schritten lösten wir uns aus der Rolle des reichen Onkels aus dem Norden und fanden hin zu Themen und geistlichem Austausch. Viele Fragen berühren uns gemeinsam: Klimawandel, Armutsbekämpfung, Was bedeutet gute Schule?, Senioren in der Kirche. Doch es fehlen uns mehr Menschen, die das zu ihrer Sache machen. Dabei ist Partnerschaft eine großartige Möglichkeit, seine Weltsicht zu erweitern und Grenzen zu überwinden.

Die Liste „Unerledigtes“ ließe sich fortsetzen. Ein Projekt zum Klimawandel war in der Vorbereitung. Eine schöne Idee; total engagierte Mitstreiter. Corona hat uns leider ausgebremst. Aber in der Idee steckt noch einiges drin. Die, die jetzt weitermachen, werden bald auf die Fragmente stoßen.

Was möchten Sie fortführen?

Zwei Dinge weiß ich schon, die ich weitermachen werde: Den Vorsitz im Kırsehir-Freundschaftsverein werde ich abgeben; aber wenn der Verein für seine Arbeit Hilfe braucht, werde ich gerne dabei sein. Und in der Diakonenschule im Tannenhof werde ich weiter Kirchengeschichte unterrichten. Alles andere muss sich finden wie es sich immer gefunden hat. 

Vielen DANK für das Gespräch!

 

28.08.2020



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