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Interview im Remscheider General-Anzeiger

Menn: „Die Kirche muss klar Position beziehen"

Pfarrerin Antje Menn wird ab 1. Oktober 2020 Superintendentin des Kirchenkreises Lennep. In der außerordentlichen Tagung der Kreissynode setzte sie sich gegen ihre zwei Mitbewerber durch. Hier stellte sie sich den Fragen des rga-Journalisten Axel Richter.

Antje Menn ist ab 1.10.2020 neue Superintendentin im Kirchenkreis Lennep. Foto: Jürgen Moll LupeAntje Menn ist ab 1.10.2020 neue Superintendentin im Kirchenkreis Lennep. Foto: Jürgen Moll

Frau Menn, Ihre Wahl zur neuen Superintendentin war ein echter Krimi. Wie aufgeregt sind Sie noch?

Antje Menn: Ja, mittlerweile ist die Aufregung der Vorfreude gewichen. Aber Sie haben recht, der Abend war sehr aufregend für mich. Und eigentümlich. Es waren ja nur 30 Wahlberechtigte vor Ort, die anderen 71 verfolgten alles am Bildschirm und wählten zuhause. Eine Wahl in Coronazeiten eben.

Was haben Sie danach gemacht?

Menn: Angestoßen im kleinen Kreis mit der Familie. Auch unser Jüngster war extra aufgeblieben.

Und am nächsten Tag ...

Menn: Gab es unglaublich viele Telefonate, E-Mails und Blumen. So viele Glückwünsche aus nah und fern. Das war wirklich überwältigend und schön.

Warum hat die große Mehrheit der Synodalen Sie gewählt und nicht einen Ihrer Mitbewerber?

Menn: Tja, Herr Richter. . . Das weiß ich natürlich auch nicht genau. Aber ich hoffe meiner Ideen für den Kirchenkreis wegen.

Sie sind für zunächst acht Jahre gewählt. Was haben Sie sich vorgenommen?

Menn: Es gibt Studien, die sagen uns bis 2060 die Hälfte der heutigen Mitglieder und die Hälfte der heutigen Finanzen voraus. Mit anderen Worten: Die Kirche steht vor großen Umstrukturierungen. Mein Ziel ist es, diesen Umbruch als Aufbruch zu gestalten, der es uns ermöglicht, trotz weniger Geld und trotz weniger Personal in der Fläche präsent zu sein. Das Ehrenamt wird in diesem Zusammenhang eine noch größere Rolle spielen. Es gibt unter den Menschen eine große Bereitschaft, sich zu engagieren. Wir müssen gut gucken, was wo für wen passt.

Wie bleiben Sie in der Fläche präsent, wenn Ihnen Pfarrstellen wegbrechen?

Menn: Wir müssen Verbindungen ausbauen und stärker in Regionen denken. Es gibt Gemeinden, die schon eng zusammenarbeiten. In Zukunft wird nicht jede Gemeinde vor Ort mehr alles anbieten können und müssen. Dieser Prozess ist ja bereits angestoßen. Superintendent Hartmut Demski hat viel auf den Weg gebracht.

Hartmut Demski ist noch bis Ende September im Amt. Dann folgen Sie als erste Frau an der Spitze des Evangelischen Kirchenkreises. Ist das etwas Besonderes?

Menn: Viele Gratulanten haben mir gegenüber betont, wie schön sie es finden, dass jetzt mit mir eine Frau an der Spitze steht. Insofern ist das etwas Besonderes. Laut Studien sollen Frauen in Führungspositionen ja offener für Neues und auch kreativer sein als Männer. Das will ich gern glauben, aber so wichtig nehme ich selbst die Frage des Geschlechts eigentlich nicht.

Sie haben Ihre Arbeit unter den Satz „Du siehst mich" gestellt. Was meinen Sie damit?

Menn: Es handelt sich um einen Satz aus der Bibel. Eine Sklavin erfährt in großer Not Hilfe und sagt zu Gott: „Du siehst mich." Zum Reformationsjubiläum 2017 war der Satz das Motto des Evangelischen Kirchentags. In meinen Augen bringt er die Kernbotschaft unseres Glaubens auf den Punkt. Egal, was der Einzelne zu leisten in der Lage ist, egal wie er drauf und dran ist, da ist einer, der ihn sieht und der ihm damit auch ein Ansehen gibt. Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun, die wir in unserer Gesellschaft gut gebrauchen können.

Sie sind Pfarrerin, demnächst werden Sie die Dienstvorgesetzte für die Geistlichen und kirchlichen Mitarbeiter im Kirchenkreis sein. Beschäftigt Sie dieser Rollenwechsel?

Menn: Ja. Ich bin mit Leib und Seele Pfarrerin. In sechster Generation. Jetzt trete ich aus dem Kollegenverhältnis in die Leitungsfunktion. Natürlich habe ich mich in Fortbildungen darauf vorbereitet, die eigentliche Herausforderung kommt allerdings erst im Oktober. Ich sehe ihr aber mit großer Zuversicht entgegen.

Wird Ihnen die seelsorgerische Arbeit fehlen?

Menn: Ja, wobei die nicht gänzlich wegfällt. Zum Beispiel werde ich in jedem Monat reihum in den Gemeinden einen Gottesdienst feiern. Das ist mir wichtig. Gottesdienste als der Ort, wo wir alle zuerst Hörende sind. Nur wer hört, auf Gott und auf Menschen, kann selbst etwas sagen. Vermissen werde ich die eigene Gemeinde. Ich habe Paare getraut und später ihre Kinder getauft. Manchmal auch die Großeltern beerdigt. Diese kontinuierliche Lebensbegleitung wird mir fehlen.

Hartmut Demski hat sein Amt immer auch politisch verstanden und klar Position bezogen, zum Beispiel gegen rechte Hetze. Werden Sie sich ähnlich positionieren?

Menn: Ja. Ich bin ihm für seine Klarheit sehr dankbar. Denn eine klare Position zu beziehen, das ist in meinen Augen die große Aufgabe und auch Chance der Kirche in unserer Gesellschaft. Was die Bekennende Kirche in der Nazidiktatur an Widerstand geleistet hat, ist für uns Verpflichtung bis heute. Wo die Menschenwürde auf dem Spiel steht, muss die Kirche das Wort ergreifen.

Sie wollen die Kirche wieder zur Heimat werden lassen. Um im Bild zu bleiben: Viele Gläubige haben ihre Heimat verlassen. Wie bewegen Sie sie zur Rückkehr?

Menn: Wenn Sie mir dazu ein Rezept reichen könnten, wäre ich dankbar. Es ist leider so, dass viele Menschen das, was Kirche und ihre Botschaft sind, für sich persönlich nicht mehr als relevant erleben. Wir wollen Orte schaffen, an denen die Menschen andocken können und spüren: Hier fühle ich mich wohl, hier bringe ich mich sinnstiftend ein. Dazu müssen wir neue Formate, auch neue Gottesdienstformate erproben. Ohne das Bewährte zu vernachlässigen. Wir müssen also das Bewährte stärken und das Neue wagen.

Hätten Sie sich eigentlich auch woanders als neue Superintendentin beworben?

Menn: Nein. Ich habe mich bewusst für eine Kandidatur im Kirchenkreis Lennep entschieden. Weil ich den Kirchenkreis und auch die Vielfalt, wie Glaube hier gelebt wird, sehr mag. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass unser Kirchenkreis einladend, vielfältig, bergisch ist und bleibt.

 

 

23.06.2020



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