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Synodalbericht

Synodalbericht Kirchenkreis Moers

Männern ihr Zuhause in der Gemeinde zu erhalten oder neu zu öffnen, ist eine unverzichtbare Aufgabe der Kirche. Und doch habe die Klagen der Männerarbeiter in den letzten Jahren nicht abgenommen: Dass sie immer wieder ihre Arbeit rechtfertigen müssen.mehr

Thomas Schrödter

Synodalbeauftragter für Männerarbeit

 

Synodalbericht für die Synodaltagung am 11./12.11.2011

 

A. Männerarbeit aktuell

„Wo sind eigentlich die Männer in unserer Kirche?“ fragt Axel Reimann in seinem im Magazin ChrismonPlus erschienenen Artikel „Die Männer und die Gretchenfrage“. Er stellt fest: Wenn man allein die Mitgliederzahlen betrachtet, sind die Anteile von Männern und Frauen in der Evangelischen Kirche Deutschlands in etwa ausgewogen. Allerdings ändert sich dieser Eindruck schlagartig, wenn man genau hinschaut, wer tatsächlich in der Gemeinde aktiv ist: 74% der Hauptamtlichen und 69% der Ehrenamtlichen sind Frauen (2008). Besuchsdienste, Kindergottesdienstkreise, Eine-Welt-Arbeit und ähnliche Arbeitsfelder sind nahezu fest in weiblicher Hand. Die Männer, so der Autor, gehören eigentlich in die „Schäm-Ecke!“

            Frauen tun mehr in der Gemeinde. Oder anders herum: Männer finden in der Kirche immer weniger einen Ort, der sie zum Mittun reizt. Kirche ist überwiegend weiblich. Und das nicht nur aus statistischen Gründen. Wenn aber Kirche heute „missionarisch Volkskirche sein“ und gerade solche Bevölkerungsgruppen in den Blick nehmen will, die durch die bisherige Gemeindearbeit nur wenig angesprochen werden, müsste sie fragen: „Warum fehlen die Männer eigentlich?“ Und: „Wie kann man das ändern?“       

            Dass es nicht, wie oft vermutet, an einer „religiösen Taubheit“ der Männer liegt, zeigen neuere Studien, wie etwa „Was Männern Sinn gibt“ (2006) oder „Männer in Bewegung“ (2008). Diese Studien ergaben Unerwartetes: Männer interessieren sich heute viel mehr für Glaubensfragen als in vergangenen Jahren. Sie finden aber ganz offensichtlich in der Kirche nicht die entsprechende Begleitung auf ihrer Suche.

            Männer glauben anders, versammeln sich anders, reden anders, als es in der Kirche heute vielfach üblich geworden ist. Axel Reimann beschreibt dies mit einem Augenzwinkern. Er sagt: „Wir (Männer) hassen Bildmeditationen mit verwackelten Fotos südfranzösischer Kirchenfenster“, können aber prima über die Energieeffizienz von doppelt verglasten Gemeindehausfenstern sprechen. „Wir hassen die gestaltete Mitte, und zwar egal, ob sie mit Tüchern, Steinen, Blumen, Zweigen, Muscheln oder gefärbten Gänsefedern gestaltet ist“, weil wir dahinter die „gar nicht so subtile Aufforderung (wittern), die Hosen herunterzulassen und zwar existenziell-spirituell-authentisch“. Aber Männer öffnen sich lieber langsamer, in vertrauten Kreisen und gerne auf indirekte Art: Beim Wandern, Anstreichen oder im Gespräch über Sachthemen. „Wir hassen die ‚lasst uns‘-Floskeln“, also: „Lasst uns an die Armen denken“, „lasst uns die Schöpfung bewahren“, „lasst uns vergeben“, wenn sie inflationär, abstrakt und ohne konkrete Folgen gebraucht werden. Weil Männer es gerne konkret haben und konsequent und mit „gut, dass wir drüber geredet haben“ nicht zufrieden sind.

            Die angesprochenen Untersuchungen zeigen: Männer wollen Gemeinde! Aber sie wollen eine Gemeinde, die sie anspricht und die etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun hat. Sie wollen eine Gemeinde, die männliche Geselligkeitsformen akzeptiert, die Männerthemen anspricht und männliche Spiritualität ernst nimmt.

            Männern ihr Zuhause in der Gemeinde zu erhalten oder neu zu öffnen, ist eine unverzichtbare Aufgabe der Kirche. Und doch haben die Klagen der Männerarbeiter in den letzten Jahren nicht abgenommen: Dass sie immer wieder ihre Arbeit rechtfertigen müssen. Dass die Frage „Wozu brauchen wir das eigentlich?“ bei nahezu jedem Männerkreis, aber beispielsweise nie bei der Frauenhilfe gestellt wird. Dass unter dem aktuellen Spardruck das sowieso schon zarte Pflänzchen Männerarbeit bis zur Nichtexistenz gepresst wird: In so mancher Landeskirche gibt es nicht einmal mehr einen einzigen Hauptamtlichen in diesem Arbeitsfeld. Und andere Landeskirchen arbeiten daran, dies nachzumachen.

            Aber Männerarbeit ist kein Luxus, sondern selbstverständlich wie die Frauenhilfe, die Jugendarbeit und der Konfirmandenunterricht. Kirche muss sich anstrengen, verändern, öffnen, um die Männer nicht ganz zu verlieren.

 

B. Männerarbeit im Kirchenkreis

Der Runde Tisch Männerarbeit tut seit nunmehr 10 Jahren seine Arbeit. Einmal im Monat treffen sich durchschnittlich 8 – 12 Gruppenleiter und Interessierte aus acht Gemeinden des Kirchenkreises, um aktuelle Entwicklungen in der Männerarbeit zu diskutieren und diese Impulse in die beteiligten Gemeinden weiterzuleiten. Der Runde Tisch vernetzt die Männergruppen. Er gestaltet den synodalen Männergottesdienst, sowie einen synodalen Männertag. Außerdem hält der Runde Tisch den Kontakt zur landeskirchlichen Männerarbeit, berät über die Vertretung in landeskirchlichen Gremien und beteiligt sich an landeskirchlichen Tagungen. In diesem Jahr bin ich selbst, als Synodalbeauftragter, als theologisches Mitglied in das Leitungsgremium des Männerwerkes der EKiR gewählt worden.

            Vielleicht liegt es auch an der beharrlichen Arbeit des Runden Tisches, dass die Zahl der Kirchengemeinden im Kirchenkreis Moers, in denen Männerarbeit angeboten wird, mittlerweile auf 23 (von 28 Gemeinden) angestiegen ist: Eine bunte Palette vom Männerkochclub bis zum Männerbibelkreis, von der Kindergarten-Väter-Gruppe bis zum Männerseniorenkreis. Eine erfreuliche Entwicklung. Im Vergleich etwa mit der Frauenarbeit bleibt aber noch viel zu tun.

 

C. Ausblicke

Die regelmäßigen Veranstaltungen werden weitergeführt: Am 26.11. wird im Gemeindehaus an der Bendmannstraße in Kapellen ab 9.30 Uhr der 10. Männertag starten, diesmal in enger Kooperation mit der Jugendarbeit des Kirchenkreises als „Jungen- und Männertag“. Unter der Überschrift: „Mannsbilder – eine Zeitreise“ werden in einem innovativen, generationenübergreifenden Konzept, Jungen und junge Männer mit älteren Männern über das Mannsein in den letzten 70 Jahren ins Gespräch kommen.

            Der Runde Tisch bietet sich an, in die Gemeinde zu kommen, um Themen der Männerarbeit vorzustellen und bei der Gründung von Männerkreisen Erfahrungen und Tipps beizusteuern.

            Auf landeskirchlicher Ebene wird derzeit eine Projektstelle zur Unterstützung von Vater-Kind-Arbeit in den Kindertagesstätten vorgehalten. Björn Lohe, der Mitarbeiter dort, steht für Fragen zur Entwicklung dieses Arbeitsfeldes mit Rat und Tat zur Verfügung. Ein interessantes, aber zeitlich befristetes Angebot für die Gemeinden.

Thomas Schrödter, 19.10.2011

 

 

22.02.2012



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