Ansprechpartner

Männerarbeit der EKiR:

mehr
Ev. Erwachsenen- bildung Nordrhein
Ev. Erwachsenen- bildung Nordrhein

Anerkannte Familien- bildungsstätte über die
Ev. Erwachsenenbildung Nordrhein

Unsere AGB finden Sie auf der Homepage der
eeb Nordrhein

mehr
Zertifizierung
Zertifizierung mehr
Service

Synodalbericht

Synodalbericht Kirchenkreis Moers

Die aktuelle Statistik der EKiR belegt, was das normale Gemeindeglied bei einem Blick in den sonntäglichen Gottesdienst schon längst geahnt hat: Der evangelischen Kirche fehlen die Männer! Vor allem im Ehrenamt: Lediglich 29% der Tätigen sind Männer!

Thomas Schrödter

Synodalbeauftragter für Männerarbeit im Kirchenkreis Moers

1. Allgemeines und Grundsätzliches

Es sind tatsächlich nicht mehr als 29 %! Die aktuelle Statistik der EKiR belegt, was das normale Gemeindeglied bei einem Blick in den sonntäglichen Gottesdienst schon längst geahnt hat: Der evangelischen Kirche fehlen die Männer. Vor allem im Ehrenamt: Lediglich 29 % der ehrenamtlich Tätigen im Bereich der rheinischen Landeskirche sind männlich. Mit fallender Tendenz. Mancher sucht diesen offensichtlichen Mangel an männlichem Einsatz in der Kirche schnell mit griffigen Klischees zu erklären: „Typisch Mann! Frauen engagieren sich, während die Männer sich lieber bedienen lassen.“ Ein Blick über den kirchlichen Tellerrand hinaus zeigt allerdings schnell, dass diese Erklärung zu kurz greift: Während die Kirche das fehlende männliche Engagement beklagt, sucht etwa der Deutsche Olympische Sportbund händeringend nach den Frauen im Ehrenamt. Denn im Bereich des Sports sind Männer auf allen Ebenen deutlich engagierter als Frauen. Und eine Studie des „Deutschen Zentrums für Altersfragen“ von 2013 belegt, dass sich insgesamt gesehen in Deutschland Frauen in der untersuchten Altersgruppe von 40 bis 85 Jahren deutlich weniger häufig ehrenamtlich engagieren als gleichaltrige Männer. Offensichtlich liegt das von der kirchlichen Statistik festgestellte Fehlen der Männer nicht an einer grundsätzlichen „Ehrenamts-Faulheit“. Männer wollen sich engagieren – aber eben nur selten in dieser Kirche! Dieser Umstand muss die Gemeinden erschrecken. Vor allen Dingen, da neuere soziologische Studien (Männerstudie 1998, Sinnstudie 2005 und Männerstudie 2008) eindeutig belegen, dass das Interesse von Männern an religiösen Themen in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Offensichtlich gelingt es aber nur unzureichend, dieses Interesse aufzugreifen und Männer so anzusprechen, dass sie sich in der Kirche beheimatet fühlen. In seinem Vortrag „Das Schweigen der Männer“, gehalten im Rahmen eines Studientages der Männerarbeit, bringt Prof. Okko Herlyn den Hörer auf die Spur einer Erklärung: Er erzählt von vielfältigen Beispielen gelungener Männerarbeit, die bei aller Verschiedenheit, einen gemeinsamen Kern in sich tragen: Annahme. Männer anzunehmen, ohne ihr Mannsein abzuwerten. Ihre Eigenarten und Sprachformen zuzulassen, sie in ihren Gedanken und Sorgen ernst zu nehmen. Sie in ihren Nöten zu trösten und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten - und zwar auf eine Weise, die ihnen gemäß ist - das sind die Voraussetzungen für eine Beheimatung von Männern in der Kirche. Eigentlich seelsorgerliche Selbstverständlichkeiten. Wie weit diese Selbstverständlichkeiten allerdings bisweilen von der kirchlichen Realität entfernt sind, zeigt, stellvertretend für viele ähnliche Äußerungen, der Blick in eine Bibelarbeit des Theologen Jörg Zink vom Kirchentag 2009 in Bremen. Zink fasst dort seine Auslegung zu 1. Mose 3 in einer persönlichen Anekdote zusammen und erzählt: „Als ich zehn Jahre alt war, sprach ich einmal in der Familie verächtlich über ‚die Mädchen‘. Da sagte meine Mutter - und das ist mir mein ganzes Leben über geblieben, ich höre es heute noch: ‚Junge, in dir lebt auch ein Mädchen. Mit dem musst du gut umgehen. Es ist ein Stück von dir. Es kann dir helfen, später nicht nur ein Mann zu werden, sondern ein Mensch.‘“ Spontaner, lang anhaltender Beifall beim meist weiblichen Publikum. Ein charismatischer und mit vielen Preisen bedachter Theologe. Aber es müsste auch ihm eigentlich klar sein: Eine Kirche, die von den Männern verlangt, sie müssten sich selbst aufgeben und weiblich werden, bevor sie bereit ist, sie als Menschen anzusehen, und die dies zudem als biblische Botschaft verkündet, darf sich nicht wundern, wenn Männer ihre Gottesbeziehung lieber an anderer Stelle ausleben. Ihrem Anspruch „missionarisch Volkskirche“ zu sein wird sie damit ebenso wenig gerecht wie ihrem seelsorgerlichen Auftrag. Das Männerwerk der EKiR hat darum in einer Erklärung vom 21.9.2013 formuliert: „Männer brauchen verstärkt männerspezifische – nicht männerdominante – Angebote, die ihnen einen neuen Zugang zu Kirche ermöglichen. Sie werden von Gott in einer eigenen Weise angesprochen und antworten darauf in ihren eigenen Formen.“ Und dazu brauchen sie, neben der grundsätzlichen Gewissheit, so angenommen zu sein, wie sie als Männer nun einmal sind, ihren spezifischen Raum im Tableau der kirchlichen Angebote. Gar nicht anders als es bei Frauenhilfe, Mütterkreis, Frauengesprächskreis oder Frauenfrühstück in nahezu jeder Gemeinde längst schon selbstverständlich ist. Männer brauchen hauptamtliche Begleitung, vor allem aber Freiraum zu Selbstorganisation und männerspezifischem Engagement. Das Zentrum für Männerarbeit der EKiR hat dazu einige sehr erfolgreiche Modelle erarbeitet: 1. Pilgerwege bringen Männer auf den Weg zu neuen religiösen Erfahrungen und zum Austausch über Glauben und Leben. 2. Die Vater-Kind-Arbeit in enger Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten spricht erfolgreich jüngere Männer an. In gemeinsamen Wochenenden erleben sie sich und ihre Kinder neu und werden gezielt auch auf existentiell-religiöse Fragen angesprochen. Für beide Arbeitsbereiche werden durch das landeskirchliche Zentrum ehrenamtliche Leiter und Multiplikatoren ausgebildet, die abrufbar sind und gemeinsam mit den Gemeinden solche Aktionen durchführen. Das Düsseldorfer Zentrum bietet zudem weitere praktische, in der Gemeinde direkt verwertbare Informationen und Anregungen zur Männerarbeit „vor Ort“.

2. Männerarbeit im Kirchenkreis

Der „Runde Tisch Männerarbeit im Kirchenkreis Moers“ bietet Raum für die Vernetzung von gemeindlichen Männergruppen, hält den Kontakt in die landeskirchlichen Gremien der Männerarbeit, beteiligt sich dort an Planungen, Tagungen und Aktionen, etwa auf dem Kirchentag 2013 in Hamburg oder bei verschiedenen Studientagen. Der Synodalbeauftragte ist Mitglied im Landesarbeitsausschuss des Männerwerkes sowie im Beirat der landeskirchlichen Gender- und Gleichstellungsstelle. Der Runde Tisch führt ebenso eigene Veranstaltungen durch. Exemplarisch sind hier die synodalen Männertage und Männergottesdienste zu nennen: 29.4.2012 Männergottesdienst in Rheinhausen: „Was nennst du mich gut? Männliche Vorbilder, vorbildliche Männer“, 27.09.2012 Männertag in Alpen: „Was gilt denn heute noch? Ethik und Moral in der modernen Gesellschaft“, 14.4.2013 Männergottesdienst in Scherpenberg: „Abraham, Vater des Glaubens“, 28.9.2013 Männertag in Kapellen: „Argumentieren gegen Stammtischparolen“

 

 

23.02.2012



© 2019, Männerarbeit der EKiR
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung