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Landespfarramt für Notfallseelsorge
der Evangelischen Kirche im Rheinland
Missionsstr. 9 a/b 
42285 Wuppertal

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Tel.: 0202 / 2820-352
Fax: 0202 / 2820 361
E-Mail: 
bianca.vanderheyden@ekir.de

Klaus Bilstein
Referent
Mobil: 0172 1717805
Tel.: 0202 / 2820-353
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klaus.bilstein@ekir.de

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Assistentin
Tel.: 0202 / 2820-352
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Service
Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland

10. Jahrestag der Tsunami-Katastrophe

Ein Team der Notfallseelsorge der Ev. Kirche im Rheinland und des Deutschen Roten Kreuzes war vom 22. bis zum 28. Dezember 2014 in Khao Lak, Thailand, um anlässlich des 10. Jahrestages der Tsunami-Katastrophe deutsche Angehörige der Opfer und Überlebende der Katastrophe seelsorglich zu begleiten.

Für dieses Angebot wurde die 2005 begonnene Kooperation zwischen DRK und Ev. Notfallseelsorge im Rahmen des Projektes „hoffen bis zuletzt“ wieder aufgenommen.
Im Mittelpunkt der Begleitung stand am Jahrestag der Katastrophe, dem 26. Dezember 2014, eine deutschsprachige Gedenkfeier am Strand im Norden von Khao Lak, an der über 120 Betroffene der Katastrophe teilnahmen.
Der deutsche Botschafter in Bangkok Rolf Schulze mit seiner Gattin,
die Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener sowie der Botschaftsvertreter der Republik Österreich Mag. Stephan Heisler waren Gäste der Gedenkfeier. Auch die deutschen Auslandspfarrer der ev. und der kath. Kirche reisten aus Bangkok zum Geden-ken an. Der deutsche Botschafter verlas ein Grußwort des Deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck.
Weitere Angebote unseres Teams waren Angehörigentreffen, ein Heiligabend-Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein, an denen jeweils über 50 Personen teilnahmen und eine Andacht am Ersten Weihnachtstag.
Damit öffneten wir willkommene Gelegenheiten und Räume für das Gespräch unterei-nander. Bewegend war zu erleben, mit welcher Detailgenauigkeit die Ereignisse von 2004 erzählt wurden und wie stark das Bedürfnis war, sich ermutigen zu lassen für die Zukunft und in der Schicksalsgemeinschaft von Betroffenen die seither gegangenen Lebenswege und Formen der Bewältigung auszutauschen.
Es gehört zum Prozess der Verarbeitung, wenn der Schicksalsgemeinschaft und den Team-Mitgliedern die Verluste von nächsten Angehörigen und die Geschichte des eige-nen Überlebens erzählt werden. Es hat uns beeindruckt, mit welcher Achtsamkeit dabei die Lebenswege der letzten 10 Jahre untereinander gewürdigt wurden und vom Tod durch emotionalen Schmerz einiger Hinterbliebener, Erkrankungen anderer Überle-bender bis hin zu Eheschließungen und Kindertaufen von Schicksalsgefährten berichtet wurde.
Bei gemeinsamen Fahrten wurde die von der Firma Thyssen-Krupp errichtete Gedenkstätte für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Ban Nam Khem besucht. Hier wurden 57 von Angehörigen individuell entworfene Gedenktafeln für die Verstorbenen durch die Stiftung Notfallseelsorge angebracht. Nach einer Ansprache und Würdigung der Opfer wurden alle Tafeln liebevoll mit einem Blumengesteck geschmückt.
Der Kreis der Betroffenen setzte sich zusammen aus Überlebenden der Tsunami-Katastrophe und aus Hinterbliebenen, die Kinder, Partner, Geschwister, Eltern, Großeltern oder enge Freunde verloren haben. Etliche Betroffene, so besonders Hinterbliebene von verstorbenen Kindern, kommen jedes Jahr nach Khao Lak, um ihren Lieben nahe zu sein. Es gab aber auch Menschen, die zum ersten Mal nach Thailand reisten. Sie begriffen es als besondere Chance, nach 10 Jahren die Orte zu besuchen, an denen nahe Angehörige bei der Katastrophe ums Leben kamen.
Bei Begleitungen an Unglücks- und Gedenkorte der Katastrophe begaben sich Angehöri-ge und Überlebende auf Spurensuche. Die erstmalige oder erneute Begegnung mit Un-glücksorten nach 10 Jahren half, bisher ungeordnete Erinnerungsfetzen zu vergegenwär-tigen und ließen schwelende Ungewissheit über die damaligen Ereignisse klarer werden.
Das Thailändische Rote Kreuz als auch das Thailändischen Außenministerium nahmen die deutschsprachige Gedenkfeier und unser Begleitangebot deutlich wahr; auch bei der thailändischen Bevölkerung und in den gastgebenden Hotels wurde unsere Arbeit sehr wohlwollend und zugewandt unterstützt. Zeichen dieser nationenübergreifenden Solida-rität war die Einladung an Dr. Uwe Rieske, gemeinsam mit Kindern von deutschen Tsunami-Betroffenen bei der Internationalen Gedenkveranstaltung am Nachmittag des 26. Dezember 2014 in Khao Lak als Repräsentant der ausländischen Kirchen und Hilfsor-ganisationen mitzuwirken.
Unsere Eindrücke zeigen, dass Angebote, mit denen Betroffene nach Katastrophen und Unglücksfällen zu Treffen eingeladen werden, für diese von besonderer Bedeutung sein können, um mittel- und langfristig Erlebtes und Verluste zu bewältigen. Insbesondere der 10. Jahrestag ist ein Datum, an dem eine nach einer Katastrophe gebildete Schicksalsge-meinschaft einen Orientierungsrahmen und Stationen sucht, an denen würdiges Erin-nern und Gedenken stattfinden kann. Um Trauer zu spüren, braucht es aber offenkundig eine vorhergehende jahrelange Auseinandersetzung mit einem erlittenen Trauma. Die Initiierung der Trauer kann durch Rituale und Gemeinschaft erreicht werden. Betroffene, die nicht nach Thailand reisen konnten, fanden auch Angebote in Lübeck und Berlin. Andere nahmen in Gedanken und mit Ihren Wünschen an der Begegnung teil: „Wir sind mit dem Herzen bei Euch!“ Und damit verband sich die Gemeinschaft der Hinterbliebe-nen und Vermissenden der Opfer und der Überlebenden der Tsunami-Katastrophe über alle Grenzen hinweg.
Viele der Betroffenen, die bereits seit 2005 an Angeboten unseres Projektes „hoffen bis zuletzt“ teilnahmen, äußerten, dass ihnen diese Treffen und die dadurch ermöglichten Kontakte und Begleitangebote maßgeblich geholfen haben, sich zu orientieren, Lebens-wege wieder aufzunehmen und sie Formen eines heilsamen Umgangs mit ihren Erlebnis-sen gefunden haben.
Wir danken allen, die durch ideelle und finanzielle Unterstützung und Kooperation diese Angebote unterstützt haben.
Für das Team von „hoffen bis zuletzt“
Klaus Andrees, Dr. Hartmut Jatzko, Dr. Uwe Rieske, Christine Scholl und Jutta Unruh

Gedenken in Deutschland
Zeitgleich zum Treffen in Thailand fand auch in Deutschland ein Begleitangebot der Notfallseelsorge statt. Familie Gatzke aus der Angehörigengruppe Lübeck/Travemünde hatte gemeinsam mit Pastor Kai Gusek und Dr. Christoph Lindenstromberg einen Rahmen für die Begleitung vom 25.12.2014 bis 27.12.2014 erarbeitet.
Das Gedenken in Lübeck zum 10. Jahrestag der Katastrophe am Vormittag des 26.12. bildete den Mittelpunkt des Treffens.
Aber auch das gemeinsame Essen, Raum für Begegnung und Gespräch, eine Abendandacht und ein Gedenkkonzert am 27.12. fanden statt.
Auch in Berlin gab es die Möglichkeit, im Kreise von Angehörigen zum 10. Jahrestag zusammen zu sein. Am 26.12.2014 um 14.30 Uhr fand ein Gedenken an die Opfer des Tsunami in der Dorfkirche Tempelhof statt. Die Kirchgemeinde Alt-Tempelhof und die Notfallseelsorge/Krisenintervention Berlin waren die Ausrichter.

Warum ist der 10. Jahrestag von solcher Bedeutung für die Angehörigen und Überlebenden einer Katastrophe?
Sybille Jatzko (seit 25 Jahren in der Nachsorge tätig) beantwortet die Frage so:
„10 Jahre ist eine lange Zeit für Außenstehende, für den Trauernden aber nicht.
Dennoch kann mit etwas mehr emotionalem Abstand noch einmal intensiv an Verstorbene gedacht werden ohne damit bewertet (es ist ja schon so lange her) zu werden.
Dieser Tag ermöglicht auch noch einmal, die betroffenen Menschen der Schicksalsgemeinschaft zu sehen und von deren Leben zu hören.
Traumatisierte haben die Chance sich in Ihrem Fortschritt zu spüren, wenngleich einige sicher mit Symptomen weiterleben müssen.
10 Jahre eine so lange und doch so kurze Zeit. Viele Angehörige antworten immer mit: was schon 10 Jahre? Geht die Zeit so schnell vorbei. Wenn sie das in unserem Empfinden rückwirkend tut, ist es wichtig Stationen einzubauen, wo das intensive Gedenken noch einmal bewusst vorgenommen wird.
Ich glaube, diesen Wert hat die 10. Jahresfeier:
Ein Gedenken mit Abschluss und Neubeginn wird möglich.“

 

Gedenken in Khao Lak, Thailand

Viele Anrufe und Mails haben uns im Landespfarramt für Notfallseelsorge erreicht und wir sind dankbar, ein Angebot für die besonders sensiblen Tage rund um den Jahrestag vorstellen zu können. Ihre und Eure Anfragen haben uns zu einer Neuaufnahme des Projektes „hoffen bis zuletzt“ veranlasst, das von der Evangelischen Notfallseelsorge und dem Deutschen Roten Kreuz nach dem Seebeben Anfang 2005 begonnen wurde.
Ein Team der Notfallseelsorge und des DRK wird in Thailand zur Verfügung stehen und eine psychosoziale Begleitung vom 23. bis 27. Dezember 2014 anbieten.
Die Gedenkfeier zum 10. Jahrestag der Katastrophe am 26.12. am Strand von Khao Lak um 10.00 Uhr steht im Mittelpunkt der Begleitung. Aber auch Angehörigentreffen - um Mut schöpfen zu können und auf die vergangenen Jahre und deren Bewältigung zurückzublicken, ein gemeinsamer Heiligabendgottesdienst und die Begleitung an Unglücksorte sind weitere Angebote.
Auch in Deutschland wird es Angebote geben.

Gedenkwand in Ban Nam Khem Gedenkwand in Ban Nam Khem

Notfallseelsorger: Konfrontation mit Erlebtem ist unausweichlich

Der rheinische Landespfarrer für Notfallseelsorge, Uwe Rieske, hat zum zehnten Jahrestag der Tsunami-Katastrophe in Südostasien die Bedeutung von Gedenkfeiern betont. Am Jahrestag einer Katastrophe oder Großschadenslage sei die Konfrontation der Angehörigen oder Betroffenen mit dem Erlebten unausweichlich, sagte Rieske dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bonn.
Hier seien unterstützende Angebote wichtig. So werde das langjährige Begleitprojekt der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), „hoffen bis zuletzt“, für Angehörige von Opfern des Tsunamis in den Urlaubsregionen Thailands und Sri Lankas zum zehnten Jahrestag wieder aufgenommen.
Zwischen 80 und 100 Überlebende und Angehörige aus Deutschland wollen an der Gedenkfeier am Strand von Khao Lak am 26. Dezember teilnehmen. Diese Gedenkfeier am zweiten Weihnachtstag, dem Datum der Katastrophe mit schätzungsweise 230.000 Toten, stehe im Mittelpunkt der psychosozialen Begleitung der rheinischen Notfallseelsorge und des DRK in Thailand vom 23. bis 27. Dezember, sagt Rieske. Bereits ein Jahr zuvor hätten sich viele zum neunten Jahrestag bei der rheinischen Notfallseelsorge gemeldet.
Die Begleitung von Betroffenen unmittelbar nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in dem Projekt „hoffen bis zuletzt“ sei anfangs eine Begleitung der „vermissenden Angehörigen“ gewesen, erläutert Rieske. Aus ihnen wurden dann mit der Identifizierung von Toten „Hinterbliebene“. Mit der Zeit hätten sich die Hinterbliebenen dann bundesweit zu relativ eigenständigen Gruppen zusammengefunden, so dass sich die rheinische Kirche bald auf Angebote zu den Jahrestagen beschränken konnte.
„Die langjährige Begleitung von Trauernden nach einer Katastrophe macht deutlich, dass die Erstversorgung unmittelbar nach dem Ereignis wichtig, aber nicht alles ist“, betont der Notfallseelsorger, der auch nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg 2010 Treffen der Hinterbliebenen und Überlebenden leitete. „Was in der Akutversorgung angeboten wird, ist nur ein erster Baustein für einen längerfristigen Bewältigungsprozess - es braucht 'follow ups'.“
Die Kontinuität der Ansprechpartner etwa schaffe Vertrautheit und gebe Stabilität, sagte Rieske. Von den fünf nun nach Thailand mitreisenden Team-Mitgliedern seien vier bereits bei der Gedenkfeier 2005 dabei gewesen. Dies habe viele Betroffene ermutigt, sich auch zum zehnten Jahrestag gemeinsam auf den Weg zu machen.
Das Gedenken in Khao Lak nach zehn Jahren finde naturgemäß vor einer veränderten Lebenssituation der Angehörigen statt, sagte Rieske. Es gebe diejenigen, die sagten, ihnen gehe es nun gut. Aus den Treffen hätten sich sogar Paare gefunden, die er getraut habe. Diese Menschen bräuchten die regelmäßigen Treffen nicht mehr. „Doch genauso gibt es auch diejenigen, die mit dem Verlust nicht zurechtkommen, die unter Belastungsstörungen leiden und die aus dem Leben herausgekippt sind.“

Von Gabriele Fritz
Rhein Zeitung

 

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04.03.2015



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