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Landespfarramt für Notfallseelsorge
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Tel.:0202 / 2820-352
Fax:0202 / 2820 361
E-Mail: 
bianca.van_der_heyden@ekir.de

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Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Flugzeugabsturzes von Air France AF 447 und deren Angehörige Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Flugzeugabsturzes von Air France AF 447 und deren Angehörige

Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Flugzeugabsturzes von Air France AF 447 und deren Angehörige

Eine Absturzmeldung, und die Welt zerbricht

„Hiobsbotschaft. Ein einziger Satz und meine Welt zerbricht.“ Mit diesen Zeilen aus einem Gedicht wandte sich Präses Nikolaus Schneider an die Angehörigen von Passagieren und Besatzungsmitgliedern der Air-France-Maschine, die am Pfingstmontag abstürzte.

An dem zentralen bundesweiten, ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Johanneskirche in Düsseldorf nahmen zahlreiche Angehörige der 33 deutschen Opfer teil. Neben Präses Schneider leitete Weihbischof Dr. Rainer Woelki vom Erzbistum Köln die Feier. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und der französische Botschafter Bernard de Montferrand gehörten zu den Teilnehmern aus der Politik, gekommen war unter anderem auch der baden-württembergische Ministerpräsident Oetinger und die NRW-Justiziministerin Roswitha Müller-Piepenkötter.

Ansprachen, Gebete, Fürbitten, einfühlsame Musik

Und für jede und jeden Vermissten wurde eine Kerze entzündet mit ihrem oder seinem Namen, wurde der Name verlesen.

Für die Angehörigen sei der Gottesdienst ein kleiner Baustein unter den benötigten Hilfen, erklärte vor dem Gottesdienst der Vorsitzende der Konferenz Evangelische Notfallseelsorge, Pfarrer Ralf Radix. Er erinnerte auch daran, dass möglicherweise zahlreiche tote Körper von Vermissten nicht mehr gefunden werden und die Angehörigen sich nicht an einem Grab werden verabschieden können.

 

„Ein einziger Satz – die Absturzmeldung für den Flug AF 447 - und Ihre Welt ist zerbrochen“, fühlte sich Präses Schneider in der Predigt in die Seelen der Angehörigen ein. Die Angehörigen haben Menschen verloren, die sie liebten, mit denen sie ihr Leben teilten, haben Vertrauen verloren in die angeblich sichere Technik. Und auch das Vertrauen in Gott, den Schöpfer und Erhalter des Lebens, mag Risse bekommen haben. „Wir wollen und können keinen Sinn darin entdecken, dass dieses Unglück geschehen ist, dass 228 Menschen ihr Leben verloren haben“, so Präses Schneider.

Gott ist die Adresse für Fragen und Klagen

Obwohl Gottes Wege mit der Welt und mit den Menschen oft erschreckend befremdlich seien, obwohl durch dieses Unglück so viele Lebenswege zerstört wurden, „haben wir in Gott eine Adresse für unsere Zweifel, Fragen und Klagen“. Nicht nur das, so der Präses. Schließlich verheiße die Bibel eine Hoffnung, die nicht an realen Todeserfahrungen zerbrechen lasse. „Nicht Kreuz und Tod sind die letzten Gottesworte, auch nicht für Sie und Ihre Verstorbenen. Gott hat Jesus Christus auferweckt von den Toten, und Gott wird auch uns und unsere geliebten Toten auferwecken zu neuen, unvergänglichem Leben in seinem ewigen Gottesreich.“

Diese Hoffnung, stellte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und EKD-Ratsmitglied klar, wische Leid, Wut, Fragen und Zweifel nicht einfach weg. Kein Mantel des Schweigens, Verdrängens. Auch „die Fragen nach der Verantwortung für dieses Unglück müssen gestellt und beantwortet werden, damit Wunden heilen können“.

Die schwere Gegenwart annehmen

Aber: Der österliche Glaube und die Hoffnung können helfen, die leidvolle, schwere Gegenwart anzunehmen, den Alltag, wenn auch unter Tränen, neu zu gestalten. Glaube und Hoffnung öffnen unsere Herzen für die Liebe zu den Menschen, die uns geblieben sind, sie lassen die Erinnerungen an die Verstorbenen pflegen, vielleicht auch ihre Vermächtnisse aufnehmen.

Der Segen am Ende des Gottesdienstes möge für die Angehörigen ein erster Vorgeschmack auf künftigen Frieden sein, sagte Weihbischof Woelki und legte ihnen ans Herz, die Hilfen der Kirchen und Behörden anzunehmen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach am Ende des Gottesdienstes kurz zu den Familien und Freunden der Opfer. „Es gibt Momente, da wird das Leben zerschnitten in ein Vorher und ein Nachher, der Pfingstmontag war ein solcher Tag.“ Im eigenen Namen und für die Bundesregierung sprach er den Angehörigen tiefe Anteilnahme aus.

Bildung einer Schicksalsgemeinschaft

Im Anschluss an den bewegenden und von Angehörigen und Gästen als sehr persönlich empfundenen Gottesdienst folgten viele der weit über 100 Familien-angehörigen der Einladung der NOAH (Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) in Kooperation mit der Notfallseelsorge zu einem Angehörigentreffen.

Auch wenn zu den Inhalten dieses Treffens an dieser Stelle keine Angaben gemacht werden können, so lässt sich allgemein sagen, dass es unter den Angehörigen ein hohes Bedürfnis nach Treffen mit Angehörigen des gleichen Unglücks gibt. Das gilt in besonderer Weise für Angehörige der Opfer des Air-France-Unglücks, da bislang von den 228 Personen an Bord erst so wenige Körper gefunden wurden und (Stand 13.06.2009) noch alle Angehörigen Vermissende sind.

Nach allen bisherigen Erfahrungen erschwert sich der Beginn der Trauer und der Trauerweg, wenn nach einem Unfall ein Angehöriger keine gesicherten Erkenntnisse über das konkrete Schicksal und den genauen Verbleib des Opfers erhalten kann.

Aus der mittel- und langfristigen Nachsorge vergangener Unglücke und Katastrophen werden sich folgende Bedürfnisse sehr wahrscheinlich entwickeln: Da ist zum einen das große Bedürfnis nach authentischer Information. Welche aktuellen Informationen über das Ereignis gibt es? Wie können wir sicher sein, dass uns keine Informationen vorenthalten werden?

Zum anderen besteht das besondere Bedürfnis nach Expertenwissen. Aus der Arbeit von „hoffen bis zuletzt“, der mittel- und langfristigen Begleitung für Angehörige nach dem Tsunami wissen wir, welche Bedeutung die Fragen nach der sicheren Identifikation durch die Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes gehabt haben.

Aber auch Expertenwissen im Zusammenhang mit dem Verschollenengesetz ist bedeutsam. Pflegschaften, Versorgungs- und Lebensversicherungsfragen können im Einzelfall komplizierte Züge tragen und machen kompetente Beratung und Begleitung unverzichtbar.

Nicht zuletzt entwickelt sich bei Angehörigen in besonderer Weise der Wunsch und das Bedürfnis, sich mit denen auszutauschen, die die gleichen Erfahrungen zu machen hatten. So kann sich eine Schicksalsgemeinschaft entwickeln, die über viele Jahre Bestand haben kann. Eindrückliche Beispiele dafür sind die Ramstein-Gruppe nach dem Flugtagsunglück 1988 und die BirgenAir-Gruppe nach dem Flugzeugabsturz vor der Dominikanischen Republik 1996. Auch nach dem Tsunami 2004 gab es viele regionale und bundesweite Angehörigentreffen, bei denen der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt stand.

Im Laufe des ersten Jahres nach einer solchen Katastrophe entwickelt sich schließlich auch der Wunsch, einen festen Ort des Gedenkens zu bekommen, der für die Trauerverarbeitung hilfreich sein kann. So sind nach Ramstein, dem BirgenAir-Unglück wie nach dem Tsunami die Jahrestage in der Regel möglichst nahe an den Orten begangen worden, an denen die Opfer gestorben sind. Die Begleitung zu den individuellen Todesorten war daher auch fester und intensivster Bestandteil der Nachsorge.

Es ist den Angehörigen der Opfer des Air France Flugzeugabsturzes der AF 447 sehr zu wünschen, dass auch sie das Angebot für eine intensive mittel- und langfristige Nachsorge erhalten. Einige Angehörige konnten schon ein erstes Treffen in Paris wahrnehmen, andere erlebten den Tag des Gedenkens am 13. Juni 2009 in Düsseldorf als ersten Schritt in eine Schicksalsgemeinschaft. Andere werden möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt die Gruppe aufsuchen wollen.

Für die Angehörigen stehen bei Fragen oder dem Wunsch nach Vermittlung weiterführender psychosozialer Betreuungsangebote über das Vermissendentreffen hinaus die NOAH, die Notfallseelsorge und Sybille Jatzko zur Verfügung.

Die Hotline der NOAH ist weiterhin im 24-Stunden-Betrieb erreichbar unter:

Telefon: 0228 99 550-2444 oder kostenlos 0800 1888 433
Telefax: 0228 99 550-2459

E-Mail: noah@bbk.bund.de

Die Notfallseelsorge der EKiR ist erreichbar unter:

Telefon: 02208 8229 (Mo bis Do von 8.30 bis 13. 00 Uhr, darüber hinaus mit Anrufbeantworter)

Telefax: 02208 1704

E-Mail: notfallseeldorge@ekir.de

www.notfallseelsorge-rheinland.de

Sybille Jatzko ist erreichbar unter:

www.jatzko.de

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30.06.2009



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