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für den 11.04.2021

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Stefanie Mergehenn zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

#2021JLID will jüdisches Leben in Deutschland sichtbar und erlebbar machen

Die Journalistin Stefanie Mergehenn ist Presbyterin in Rupelrath und Mitglied im Fachausschuss Öffentlichkeitsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Sie arbeitet für den Verein 321 und möchte, dass jüdisches Leben in Deutschland sichtbar wird.

Stefanie Mergehenn arbeitet in der Pressestelle des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (Foto: Ute Klein) Stefanie Mergehenn arbeitet in der Pressestelle des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (Foto: Ute Klein)

„Nur wenn Juden hier vollkommen sicher, vollkommen zuhause sind, ist dieses Deutschland vollkommen bei sich“, betont Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Dass das Judentum in Deutschland schon immer zuhause war, zeigt die Tatsache, dass Jüdinnen und Juden seit mindestens 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands leben. Durch ein Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 steht das nachweislich fest, in diesem Jahr wird daran erinnert. 2021 soll jedoch nicht nur in die Vergangenheit geschaut, sondern vor allem die Gegenwart gefeiert werden.

August 2019: Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bergisches Land, Leonid Goldberg, spricht beim Kippa-Tag vor dem Rathaus (zum Vergrößern bitte klicken!). LupeAugust 2019: Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bergisches Land, Leonid Goldberg, spricht beim Kippa-Tag vor dem Rathaus (zum Vergrößern bitte klicken!).

Jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen ist darum das Ziel des deutsch-jüdischen Festjahres #2021JLID, das mit rund 1000 Veranstaltungen bundesweit gefeiert wird. „Vielfach wird über Jüdinnen und Juden nur als Opfer gesprochen und nicht als lebendiger Teil unserer Geschichte und heutigen Gesellschaft“, hat Sylvia Löhrmann beobachtet. Die ehemalige stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und engagierte Katholikin gestaltet als Generalsekretärin des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ das Festjahr mit. Natürlich bleibe es „weiterhin unsere Verantwortung, der Shoah, dem größten Zivilisationsbruch der Menschheit, als Mahnung und Auftrag zu gedenken“, betont sie. Dazu gehöre aber auch die Begegnung mit der ganzen Geschichte und dem heutigen Judentum. Das findet auch Andrei Kovacs, leitender Geschäftsführer des Vereins und Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Köln: „Jüdinnen und Juden sollten in Deutschland als Lebende und nicht als Überlebende wahrgenommen werden!“ Vor allem junge Jüdinnen und Juden seien es leid, auf die Opferrolle reduziert zu werden.

Das Festjahr, das am 21. Februar offiziell durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet wird (Festakt um 16.30 Uhr in der ARD), soll jüdisches Leben im gegenwärtigen Deutschland zeigen. Vieles muss wegen der gegenwärtigen Lage digital geschehen. In ihrem Podcast interviewen die jüdischen Journalist*innen Shelly Kupferberg, Mirna Funk und Miron Tenenberg wöchentlich wechselnd interessante jüdische Zeitgenossen. Um schon Kindern jüdisches Leben nahezubringen, erklärt das Puppentheater „Bubales“ die jüdischen Feiertage und in der Clip-Ausstellung „Jewersity“ beschreiben junge Frauen und Männer, was ihr „Jüdisch sein“ ausmacht. Alles ist leicht zu finden auf YouTube, Facebook und der vereinseigenen Website www.2021JLID.de

Zudem will das Festjahr #2021JLID ein Zeichen gegen den erstarkenden Antisemitismus setzen. Denn wenn Deutschland 1700 Jahre jüdisches Leben feiert, tut es das in einer Zeit, in der Hass und Hetze Hochkonjunktur haben. Das Jahr 2020 hat einen neuen Höchststand an judenfeindlichen Angriffen zu verzeichnen: Insgesamt 2275 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund wurden bundesweit bei der Polizei aktenkundig. Hatespeech und Shitstorms im Netz seien für Juden traurige Normalität, so der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Gründungsmitglied des Vereins 321 Abraham Lehrer: „Es sind nicht mehr Menschen zu Antisemiten geworden. Es ist heute aber viel einfacher, die Grenzen auszutesten.“

1969 schrieb Theodor W. Adorno den berühmten Satz: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Gerade in diesen Tagen, in denen Verschwörungsmythen unter Corona-Leugnern und Impfgegnern wieder Hochkonjunktur haben, ist es umso wichtiger, den Gerüchten über „die Juden“ etwas entgegenzusetzen. Eine Antwort darauf möchte das Festjahr #2021JLID geben – mit Konzerten, Lesungen, Schul-Projekten, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen, der Sonderbriefmarke „Chai – Auf das Leben!“, dem Kulturfestival „Mentsh“ im Sommer und dem weltweit größten Laubhüttenfest „Sukkot XXL“ im September, zu dem über 100 jüdische Gemeinden in Deutschland einladen. Denn wer miteinander redet, isst, trinkt und feiert, begegnet einander und lernt sich kennen – im günstigsten Fall auch schätzen. Dazu soll das Festjahr beitragen: Dass man nicht übereinander, sondern miteinander spricht. Damit aus den Lehren der Vergangenheit eine Gegenwart gestaltet werden kann, die eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen in Deutschland ermöglicht.

Stefanie Mergehenn
 

 

17.02.2021



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