Umwelttag

„Die Menschen sind oft betriebsblind“

Dr. Peter Müller kennt viele Gemeindehäuser und Kirchen im Kirchenkreis Altenkirchen besser als seine Westentasche. Seit vergangenen September ist er mit Bernhard Paul dort unterwegs in Sachen Umweltschutz, natürlich ehrenamtlich.

Dr. Peter Müller (li.) und Bernhard Paul auf ihrer Tour durch die Gemeindehäuser des Kirchenkreises Altenkirchen. LupeDr. Peter Müller (li.) und Bernhard Paul auf ihrer Tour durch die Gemeindehäuser des Kirchenkreises Altenkirchen.

„Wir wollen nicht nur über Umweltschutz sprechen, sondern auch lokal was bewegen“ erzählt der zertifizierte Gebäudeenergieberater. Seit sechs Jahren ist er Vorsitzender des Umweltausschusses Kirchenkreis Altenkirchen. Im vergangenen September hat der gelernte Maschinenbauingenieur, der an einer Berufsbildenden Schule Versorgungstechnik unterrichtet, einen Informationsabend mit Kirchmeistern und Presbytern im Kirchenkreis veranstaltet. Energieeinsparverordnung und Energieausweise für Gebäude waren das Thema.

Seitdem hat er gemeinsam mit Bernhard Paul, einem Fachmann für ökologische Dämmstoffe, Gemeinde- und Pfarrhäuser inspiziert und die erforderlichen Gebäudeenergieausweise ausgestellt. „Ein bis zwei Gemeinden, die schon mitgemacht haben, sind das beste Sprachrohr für unsere Arbeit, sie überzeugen andere Gemeinden. Bis jetzt waren wir in sechs Gemeinden aktiv“, so Müller.

 

 

Unsachgemäße und unvollständige Dachdämmung mit ersten Bauschäden durch Pilzbefall in einem Gemeindehaus. LupeUnsachgemäße und unvollständige Dachdämmung mit ersten Bauschäden durch Pilzbefall in einem Gemeindehaus.

„Die Menschen sind oft betriebsblind“, schildert er. Zehn Prozent aller Einsparungen veranschlagt er schon allein bei Verhaltensänderungen. Ihm fällt ein zwanzig Jahre alter Kühlschrank ein, den eine Gemeinde geschenkt bekommen und in den Jugendraum gestellt hat. Oft steht nur ein Joghurt drin. „Wenn man fragt, warum der Kühlschrank da steht, wo ihn doch eigentlich keiner braucht und er nur unnötig viel Strom verbraucht, lautet die Antwort, den haben wir doch geschenkt bekommen“, erzählt Müller. Und er denkt an eine Gemeinde, in der das Presbyterium immer in einem bestimmten Raum tagt, der im Winter extra geheizt werden muss, während andere, schon geheizte Räume, in der Zeit leer stehen. „Dann sagen alle, das haben wir immer so gemacht“. In diesen Fällen ist schnell und unkompliziert Abhilfe zu schaffen.

 

 

Müller freut sich über das Engagement der Gemeinden, findet es aber wichtig, alle Aktionen zu hinterfragen. „Gemeinden wollen gerne attraktive und nach aussen sichtbare Dinge, wie thermische Solaranlagen oder Photovoltaikanlagen, aber oft ist das nicht durchdacht und sinnig. Warum eine thermische Solaranlage auf dem Dach eines Kindergartens, wenn der nur wenig warmes Wasser braucht und im Sommer für Wochen geschlossen ist“, fragt er. Unattraktive Dinge wie Sanierung veralteter Heizungssysteme und Wärmedämmung der Gebäude bringen „oft viel mehr für die Umwelt und den Geldbeutel“.

 

Petra Anna Siebert / ekir.de /