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Kanzelabkündigung von Superintendentin Dr. Ilka Werner für Sonntag,13. März 2016

„Ich danke Ihnen für Ihre Menschlichkeit!“

Am Sonntag (13.03.2016) wird in vielen evangelischen Gemeinden die Kanzelabkündigung von Dr. Ilka Werner verlesen. Darin ruft die Superintendentin zu realistischer Menschlichkeit im Umgang mit geflüchteten Menschen auf 

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

Für eine realistische Menschlichkeit in der Begegnung mit den geflüchteten Menschen, die in Solingen in die geplanten Holzhäuser oder andere Wohnungen einziehen, spricht sich die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Dr. Ilka Werner, in ihrer aktuellen Kanzelabkündigung aus. Es entspreche einem christlichen Menschenbild, den Neu-Solingern nicht mit Vorurteilen oder falschen Idealisierungen gegenüberzutreten, „sondern indem wir neugierig auf die neuen Nachbarn zugehen“.

Dabei räumt die Theologin ausdrücklich ein, dass auch sie selbst keine einfachen Antworten habe, wie es gelingen kann, mit den Zuwanderern gut umzugehen, sie zu integrieren und den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft zu stärken. Gerade weil diese Aufgaben politisch so schwierig zu lösen seien, sollten Christinnen und Christen sich an einem Menschenbild orientieren, das sich auf Jesus Christus berufen kann: „Unser Menschenbild ist zusammengesetzt aus Mitfühlen, Respekt und Hilfe.“

Die Superintendentin erinnert anlässlich der bevorstehenden Karwoche und des bevorstehenden Karfreitags daran, dass Jesus selbst der Bevölkerung Jerusalems „geschlagen, ohnmächtig, hilfsbedürftig“ gegenübergetreten sei. Nach der biblischen Tradition sei es der römische Machthaber Pontius Pilatus gewesen, der daraufhin gesagt habe: „Seht doch! Da ist der Mensch!“ Seither wüssten Christen, dass sich eine realistische Menschlichkeit gerade in der Begegnung mit Menschen bewähren müsse, die alles verloren haben.

Als Beispiel dafür berichtet die Theologin von Erfahrungen bei der Essenausgabe in Wald. Dort habe sie sowohl von Dankbarkeit als auch von überzogenen Ansprüchen aufseiten geflüchteter Menschen gegenüber den Helferinnen und Helfern gehört, auch von manchem Ärger auf beiden Seiten, von klaren Grenzen und großem Engagement. Vor allem aber, so die Superintendentin, habe sie erlebt, wie normal der Umgang zwischen Helfern und Flüchtlingsfamilien meistens ablaufe, und wie in der alltäglichen Begegnung nicht idealisiert oder dämonisiert, sondern „der individuelle Mensch - die Frau, der Mann, das Kind gesehen wird“. Von dieser „Normalität des Umgangs“ sei sie sehr beeindruckt, schreibt Ilka Werner auch an die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer gerichtet: „Ich danke Ihnen allen für Ihre Menschlichkeit!“

Seit November letzten Jahres nimmt die leitende Pfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen in der Regel einmal im Monat in einer Kanzelabkündigung zu einem aktuellen Aspekt der gegenwärtigen Situation um die hohe Zahl zu uns geflüchteter Menschen Stellung. Die aktuelle wird am kommenden Sonntag in den meisten Gottesdiensten verlesen.

Kanzelabkündigung zum 13. März 2016
im Evangelischen Kirchenkreis Solingen

„Seht doch! Da ist der Mensch!“

Liebe Gemeinden in Solingen, liebe Schwestern und Brüder!

Vor ein paar Wochen habe ich in Wald bei der Essensausgabe für Flüchtlinge geholfen. Und ich war beeindruckt: von der Normalität des Umgangs, und davon, wie Patenfamilien sich um die Flüchtlingsfamilien kümmern, die schon in eine Wohnung umgezogen sind. Ich habe gehört von viel Dankbarkeit und Zuneigung, von als überzogen empfundenen Ansprüchen Einzelner, von Empfindlichkeiten und auch Ärger auf beiden Seiten und klaren Grenzen, von unermüdlichem Engagement. Und ich habe gesehen, wie normal das alles ist. Und wie in allen der individuelle Mensch – die Frau, der Mann, das Kind gesehen wird, ohne Idealisierung, ohne Dämonisierung. „Seht doch! Da ist der Mensch!“

Genau das soll Pontius Pilatus gesagt haben, der nachdenkliche Römer aus der Passionsgeschichte. Er soll es gesagt haben, als Jesus mit Dornenkrone und Purpurmantel, blutend von der Auspeitschung, vor das Volk gebracht wird. Die meisten Zeitgenossen sehen in diesem Leidenden das Zerrbild des Helden, den sie sich gewünscht haben, und sie schreien: „Kreuzige ihn!“ Sie halten es nicht aus, dass so das Bild des Menschen ist. Nur manche haben in diesem Jesus sich selbst erkannt in ihrem Leiden, geschlagen, ohnmächtig, hilfsbedürftig. Und sie haben gesagt: „Seht doch. Da ist der Mensch!“

Als Christinnen und Christen folgen wir Jesus nach. Und das heißt, unser Menschenbild ist zusammengesetzt aus Mitfühlen, Respekt und Hilfe. Es ist nicht zusammengesetzt aus Erfolg, Macht und Schönheit. Es zerbricht darum nicht, wenn Menschen verlieren, was sie haben, wenn sie bitter werden über ihrem Unglück oder wenn sie unflexibel werden in ihrem Leid. Und es gilt über alle Grenzen hinweg.

Es ist schwer, in diesen Tagen angemessene politische Wege zu finden, um mit den Zuwandernden gut umzugehen und sie zu integrieren. Es ist schwer, politische Mittel zu finden, um den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft zu stärken. Ich weiß keine Lösung, und ich denke, Sie auch nicht. Aber aus meinem christlichen Glauben heraus glaube ich zu wissen, wie wir den Menschen begegnen können, die in den nächsten Monaten in die Holzhäuser einziehen, die in Solingen gebaut werden. Nicht indem wir uns vorher ein Bild von ihnen machen - egal ob ein gutes oder ein schlechtes -, sondern indem wir neugierig auf die neuen Nachbarn zugehen: „Seht doch! Da ist der Mensch!“

Ich danke Ihnen allen für Ihre Menschlichkeit!

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Pfarrerin Dr. Ilka Werner
Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

 

 

11.03.2016



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