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8. November 2008 - Herbstsynode

"Eine neue Form des Feudalismus"

In seinem Hauptreferat erläuterte der Bochumer Sozialethiker Traugott Jähnichen biblische Sichtweisen auf das Thema „Armut“ und legte ihre Bedeutung für die heutige Gestaltung unserer Gesellschaft dar.

Hält die Ungleichheit der Bildungschancen für einen Skandal: der Bochumer Sozialethiker Traugott Jähnichen (Foto: ekir.de). LupeHält die Ungleichheit der Bildungschancen für einen Skandal: der Bochumer Sozialethiker Traugott Jähnichen (Foto: ekir.de).

Darin machte er deutlich, dass bereits in der Bibel Armut nicht nur als Folge von Lebenskrisen, von gesellschaftlichen Katastrophen oder von fehlendem persönlichem Engagement erscheinen kann, sondern auch als Folge falscher sozialer und wirtschaftlicher Strukturen. So gäbe es bereits im biblischen Israel eine breite Kritik von Propheten an staatlichen Regelungen, die Menschen in die Armutsfalle führten. Dagegen bräuchten von Armut bedrohte und betroffene Menschen den Schutz eines sozialen und demokratischen Rechtsstaates.

Verteilungsgerechtigkeit und Befähigungsgerechtigkeit
Die Bibel halte daran fest, dass die Absicherung der „großen“ Armutsrisiken wie Krankheit, Alter oder Tod des Ernährers durch ein sozial ausgewogenes Sicherungssystem Aufgabe der ganzen Gesellschaft sei. Jähnichen verwies hier auf das im 5. Buch Mose erhobene Gebot, wonach vom eigenen Verdienst der zehnte Teil an die Gemeinschaft abzuführen sei. Ein Drittel dieser Abgabe sollte den Armen zugute kommen. Diese „Sozialsteuer“ im Umfang von 3,3 Prozent des Einkommens sei historisch einzigartig, betonte der Bochumer Theologieprofessor. Neben dieser Forderung nach „Verteilungsgerechtigkeit“ gäbe es in der Bibel aber auch den Aspekt der „Befähigungsgerechtigkeit“. Das bedeute, die Gesellschaft habe die Voraussetzungen zu schaffen, dass Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft an den Grundgütern der Gesellschaft wie Bildung, Kultur und Rechtssicherheit teilhaben und es dadurch schaffen könnten, wieder aus ihrer Armutssituation heraus zu kommen. Eine Gesellschaft, die Armut als Herausforderung verstehe, müsse sich um Verteilungsgerechtigkeit und Befähigungsgerechtigkeit gleichermaßen bemühen. In diesem Zusammenhang bezeichnete Jähnichen es als Skandal, dass in Deutschland der Bildungserfolg maßgeblich von der sozialen Herkunft abhänge. Das, so der Theologe, sei eine neue Form des Feudalismus.

Integration von Armut betroffener Menschen
Die Aufgabe von Kirchengemeinde sieht Jähnichen darin, einen Kontrast zur gesellschaftlichen Orientierung auf Erfolg und Geld zu bieten: „Kirchengemeinden haben sich als Orte zu profilieren, an denen eine allein auf Leistung und materielle Orientierung fußende Lebensführung kritisch hinterfragt werden muss.“ Sie hätten stattdessen an die Rechtfertigungsbotschaft zu erinnern, die allen Menschen ihren besonderen Wert unabhängig von der Lebensführung zusage. Von Armut betroffene Menschen und dadurch in vielerlei Hinsicht ausgegrenzte Menschen müssten in der Kirchengemeinde die Erfahrung machen dürfen dazu zu gehören. Das gehöre zum kirchlichen „Kerngeschäft“. Die Kirche in der Nachfolge Jesu habe Kirche der und mit den Armen zu sein, so Jähnichen.

Mehr Solidarität zwischen Kirchengemeinden
Kritisch betrachtete der Theologe die fehlende Vernetzung von Kirchengemeinden beim Umgang mit der Armut. Er regte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden in reichen und solchen in armen Stadtbezirken an: Reiche Gemeinden müssten sich mehr als bisher auch bei der Armutsbekämpfung in armen Gemeinden solidarisch zeigen.


 

 

 

 

Thomas Förster /

 



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