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für den 18.08.2019

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Evangelische Klinikseelsorge

Patientenverfügungen lösen nicht alle ethischen Konflikte am Ende des Lebens

Am Donnerstag, 18. Juni 2009, hat der Bundestag eine neue Regelung zu Patientenverfügungen verabschiedet und diesen zukünftig eine weitgehende Verbindlichkeit zugeschrieben. Die evangelischen Klinikseelsorgenden sehen darin Chancen und Herausforderungen.

Was soll der Arzt und was muss er lassen? - Der in Patientenverfügungen niedergelegte Patientenwille soll zukünftig mehr Gewicht bekommen. Was soll der Arzt und was muss er lassen? - Der in Patientenverfügungen niedergelegte Patientenwille soll zukünftig mehr Gewicht bekommen.

Mit grundsätzlicher Zustimmung reagieren die evangelischen Klinikseelsorgenden auf die gestern verabschiedete Neuregelung von Patientenverfügungen. „Als Krankenhausseelsorgerin und evangelische Pfarrerin begrüße ich sehr, dass der Bundestag nach jahrelanger Debatte eine gesetzliche Regelung zu Patientenverfügungen verabschiedet hat“, sagt Astrid Klumb, evangelische Klinikpfarrerin an der Solinger St. Lukas-Klinik.  Gleichzeitig betonen die Theologinnen aber, dass auch durch die gestärkte Verbindlichkeit des schriftlich geäußerten Patientenwillens nicht automatisch alle Konflikte gelöst würden. „Sterbeprozesse verlaufen sehr individuell. Darum kann auch die gestern verabschiedete Regelung zu Patientenverfügungen nicht die einzelnen ethischen Dilemmata am Ende des Lebens lösen“, ergänzt die Pfarrerin am Städtischen Klinikum, Renate Tomalik.

Dilemma bleibt
Ein zentrales Dilemma, so Tomalik, bleibe auch zukünftig die Spannung zwischen dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten und der Fürsorgepflicht der Ärzte. Pfarrerin Klumb sieht dagegen in der neuen Regelung auch eine Entlastung für Angehörige und Ärzte, weil nun mehr Klarheit möglich sei.

 

 

Beraten Patienten zur "Christlichen Patientenverfügung": Pfarrerin Renate Tomalik, Pfarrerin Astrid Klumb und Pfarrer Karl-Heinz Leppelmann (v.l.). Beraten Patienten zur "Christlichen Patientenverfügung": Pfarrerin Renate Tomalik, Pfarrerin Astrid Klumb und Pfarrer Karl-Heinz Leppelmann (v.l.).

Keine aktive Sterbehilfe
Beide Pfarrerinnen betonen, dass aus christlicher Sicht einer Leidensverminderung im Sterbeprozess höchste Priorität zukäme. Darum seien sowohl die so genannte passive Sterbehilfe, also der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, als auch die indirekte Sterbehilfe, also eine Schmerzlinderung durch Medikamente, die einen schnelleren Todeseintritt in Kauf nimmt, ethisch und rechtlich zulässig, wenn keine Aussicht auf eine Heilung mehr besteht. Strikt abzulehnen sei aus christlicher Sicht aber jede Sterbehilfe, weil eine dauerhafte Behinderung oder eine Einschränkung der Lebensqualität als Folge einer Erkrankung vermieden werden soll. Hier handele es sich um ein Urteil über Wert und Unwert eines Lebens, das aus christlicher Sicht nicht zulässig sei. Tomalik: „Jeder Mensch hat sein Leben von Gott her. Darum hat kein anderer über Sinn und Wert eines menschlichen Lebens zu befinden – auch nicht über das eigene.“

Die Beschäftigung mit Patientenverfügungen biete eine Gelegenheit, so die beiden Pfarrerinnen, rechtzeitig mit Angehörigen, Freunden oder dem Hausarzt über Wünsche und Wertvorstellungen in Bezug auf den Sterbeprozess ins Gespräch zu kommen. In ihrem Seelsorgealltag machten sie immer wieder die Erfahrung, dass Patienten die Befürchtung äußern, anderen Menschen zu sehr zur Last zu fallen. Klumb: „Ich hoffe, dass Menschen lernen, sich einander auch dann zuzumuten, wenn sie leidend und gebrechlich sind. Ich hoffe nicht, dass sie ihr nun gestärktes Selbstbestimmungsrecht dazu nutzen, diesen Lebenssituationen unter allen Umständen auszuweichen.“

 

 

Mit Vertrauten sprechen
Patientenverfügungen gibt es in Deutschland seit Ende der 1970er Jahre. Derzeit sind etwa 100 Formulierungshilfen im Umlauf. Eine davon ist die so genannte „Christliche Patientenverfügung“, die die Kirchen gemeinsam entwickelt haben. Sie betont die Notwendigkeit, die persönlichen Vorstellungen nicht nur in einem Formular niederzulegen, sondern darüber mit Angehörigen, Vertrauten und dem Hausarzt zu sprechen. Sie ist in drei Teile gegliedert: die eigentliche Patientenverfügung für den Fall einer Behandlungssituation, in der man sich nicht mehr persönlich äußern kann, die Vorsorgevollmacht, in der eine Vertrauensperson beauftragt wird, erforderliche Entscheidungen gemeinsam mit den Ärzten im Sinne des Patienten zu treffen, wenn der sich selber nicht mehr äußern kann, und die Betreuungsverfügung, in der eine Person bestimmt wird, die die Betreuung übernehmen soll, wenn nicht mehr die volle Geschäftsfähigkeit gewährleistet ist.

 

Thomas Förster /

 



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