Umwelttag

"Wissen wird oft nur nicht angewendet"

Seit etwa vier Monaten ist Wolfram Walbrach im Landeskirchenamt für Umweltschutz zuständig. Für ihn ist der Umwelttag eine gute Gelegenheit auf weltweite Zusammenhänge im Umweltschutz hinzuweisen, sagt er im Interview mit ekir.de.

Wolfram Walbrach mit Blick auf die Solaranlage auf dem Dach des Landeskirchenamtes in Düsseldorf. LupeWolfram Walbrach mit Blick auf die Solaranlage auf dem Dach des Landeskirchenamtes in Düsseldorf.

Viele Kirchenkreise und Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland engagieren sich im Umweltschutz. Welche Projekte finden Sie besonders gelungen?

Da ich erst seit Februar 2009 diese Aufgabe übernommen habe, kann ich Ihnen kein konkretes Projekt nennen. Wichtig und gut finde ich aber all die Bemühungen, die darauf abzielen, zwei Dinge miteinander zu kombinieren: praktische Handlungsschritte mit der dauerhaften Änderung des Verhaltens. Also: in der Gemeinde die Glühbirnen auszuwechseln gegen Sparlampen, die Heizkörper im Gemeindehaus nicht soweit wie möglich aufzudrehen, um dann, wenn es zu warm wird, die Fenster aufzureißen, den Boiler auszuschalten, wenn warmes Wasser nicht gebraucht wird.

Energieverbrauch zu reduzieren ist sehr wichtig, um den CO2-Ausstoß zu vermindern. Aber um dies dauerhaft, nachhaltig also, zu erreichen, ist eine grundlegende Änderung des Bewusstseins nötig. Wir müssen wieder lernen, dass manche Dinge selbstverständlich sind. Dazu zählen Energie sparen, Fahrrad statt Auto nutzen, Standby bei Fernseher und Elektrogeräten ausschalten. Wir haben uns Vieles angewöhnt, was bequem war. Das haben wir gemacht, ohne nachzudenken. Weil Energie so billig war. Und dazu zählt auch die Frage, ob ich denn wirklich mit dem Auto einen Fußweg von zehn Minuten fahre, um einen Liter Milch zu kaufen. Das Problem ist, dass eigentlich alle alles wissen, es aber nicht anwenden.

 

 

Wie viele Photovoltaik-Anlagen auf Kirchen- oder Gemeindehausdächern gibt es?

Das weiß ich nicht, wir sind im Rheinland. Da macht jede Kirchengemeinde, wie sie es meint. Die Zahl ist nicht erhoben. Aber: wahrscheinlich sind es viel zu wenige. Einsparen und in veränderte Technik investieren, das ist der Weg, den wir gehen müssen.


Hat sich etwas verändert in der Bedeutung des Umweltschutzes in den Gemeinden und den Kirchenkreisen in den vergangenen Jahren? Und wenn ja, was?

Ich meine, dass in vielen Gemeinden zu langsam begriffen wird, dass Umweltschutz - Mitweltschutz - nicht nur etwas für gute Menschen ist, sondern durchaus auch in den Haushalten der kommenden Jahre zu Buche schlagen wird - siehe Energiesparen, Dämmen von Gebäuden. Bei den zu erwartenden Preisen für Öl und Gas müsste eigentlich jede Gemeinde schon gestern angefangen haben, zu investieren, um zu reduzieren. Aber das ist leider nicht so. Das Wissen ist da, es wird nur nicht oder nur sehr vereinzelt angewendet.


Was wünschen Sie sich da noch?

Wünschen würde ich mir, dass die weltweiten Zusammenhänge stärker ins Bewusstsein kommen. Wenn 30 Prozent eines Landes wie Bangladesh, das auf der Reichtumsliste der Welt ganz unten steht, einfach im Meer verschwinden, weil wir nicht davon lassen können, CO2 zu produzieren, dann haben die Probleme, die die Klimaflüchtlinge verursachen, schon etwas mit uns zu tun, auch wenn das alles tausende Kilometer weit weg ist. Wenn in Indonesien der Primärwald abgeholzt wird, damit man Palmöl fürs Autofahren bei uns ernten kann, dann hat das viel mit uns zu tun.

Welche Bedeutung hat der Umwelttag für Sie?

Eine hervorragende Gelegenheit, auf die Zusammenhänge hinzuweisen. Eine Gelegenheit, um Informationen zu den Gemeinden zu bringen, also zu den Menschen, die unsere Kirche ausmachen.

 

 

 

Petra Anna Siebert / ekir.de /