Losung

für den 29.05.2022

Salomo sprach: 

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

1.Könige 8,27

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Service

Superintendentin Dr. Ilka Werner zum Ende der Klimakonferenz in Glasgow

„Aus dem Versprechen Gott gegenüber wächst eine innere Haltung“

Die Ergebnisse der Klimakonferenz von Glasgow sehen viele als nicht ausreichend an. Sie befürchten, dass viele Absichtserklärung bloß Lippenbekenntnisse darstellen. Superintendentin Dr. Werner erinnert das an die Opferkritik im Psalm 50.

Superintendentin Dr. Ilka Werner Superintendentin Dr. Ilka Werner

„Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein gewaltiges Wetter. Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle: »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.« Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter. Sela. »Höre, mein Volk, lass mich reden; Israel, ich will wider dich zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott! Nicht wegen deiner Schlachtopfer weise ich dich zurecht, auch deine Brandopfer bringst du mir regelmäßig. Doch ich brauche deine Opfer nicht - weder die Stiere aus deinem Stall noch die Böcke von deiner Weide. Denn alle Tiere gehören mir ohnehin: das Wild in Wald und Feld, die Tiere auf den Bergen und Hügeln. Ich kenne alle Vögel auf den Bergen; und was sich regt auf dem Felde, ist mein. Wenn mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdkreis ist mein und alles, was darauf ist. Meinst du, dass ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken? Darum bringe Gott dein Dankgebet als Opfer dar! Erfülle, was du dem Höchsten versprochen hast! Und wenn du in Not bist, rufe nach mir! Dann rette ich dich, und du wirst mich dafür ehren.“ (Psalm 50, 1-15)

 

Die Klimakonferenz in Glasgow ist zu Ende gegangen. Nicht so richtig erfolgreich. Es bleibt wieder bei langen Zeiträumen und vagen Absichtserklärungen. Die meisten Regierungen scheuen klare, harte Ansagen. Und natürlich spielen die Geschichten der Länder eine Rolle – während der alte industrielle Westen so langsam bereit ist, verbindliche Absprachen zu treffen, sind jetzt Länder mit jüngerem Reichtum zögerlich – auch sie wollen noch ein Stück vom fossilen Kuchen haben. Verständlich. Aber dieses Herumlavieren wird voraussichtlich fatale Folgen haben.

Als ich den Psalm 50 gelesen habe, schien mir das vergleichbar: die halbherzigen Verabredungen von heute und die ritualisierten Brandopfer von damals. Es ist schon mal was, überhaupt etwas zu vereinbaren oder überhaupt Opfer zu bringen. Aber es bleibt äußerlich, und die innere Haltung fehlt. Wie die sein soll, steht in den letzten Versen die ich gelesen habe: „Darum bringe Gott dein Dankgebet als Opfer dar! Erfülle, was du dem Höchsten versprochen hast! Und wenn du in Not bist, rufe nach mir! Dann rette ich dich, und du wirst mich dafür ehren.“

Keine Stiere oder Ziegen, keine Abschlussdokumente und Absichtserklärungen, sondern unser Dankgebet. Das klingt einfacher und billiger. Ist es aber nicht. Denn um ein Dankgebet sprechen zu können, machen wir uns zuerst klar, wofür wir dankbar sein können, was wir nicht uns selbst und unserer Arbeit verdanken. Was fällt uns ein? Genug zu essen und zu trinken, ein Dach über dem Kopf, Sicherheit, Kleidung, Arbeit, Freiheit und Freizeit, und Zeit und Geld für ein bisschen Luxus und Hobbys. Das alles verdanken wir nicht bloß uns selbst. Wir verdanken es auch unserer Elterngeneration, einer vernünftigen und humanen weltpolitischen Konstellation nach der Zeit des Faschismus, dem Zufall, dass wir hier geboren wurden oder hier Heimat fanden. Uns fällt ein, dass es vielen Menschen nicht so geht, dass viele nicht nur ärmer, sondern bitter arm sind und nicht genug zum Leben haben, dass viele nicht einmal ein Land haben, in dem sie zuhause sind. Mir fallen aktuell die Flüchtlinge zwischen Belarus und Polen ein, die im Niemandsland festgehalten werden. So ein Dankgebet bringt uns die ganze Welt in Erinnerung. Das soll unser Opfer sein: Über dem Danken die ganze Welt ins Gebet nehmen.

Und dann: Erfülle, was du dem Höchsten versprochen hast. Was ist das? Was haben wir versprochen? Dass wir an dich, Gott, glauben wollen. Dass du, Gott, unser Gott sein sollst. Und dass wir deinen Willen tun wollen, deine Gebote halten wollen. Dass wir unsere Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Wenn uns so über dem Danken die ganze Welt ins Gebet kommt, so kommt uns auch der oder die Nächste ins Gebet und legt sich uns ans Herz. Und dann geht das nicht mehr mit den halbherzigen politischen Absichtserklärungen. Weil die Not ein Gesicht bekommt, das Gesicht der Flüchtlinge an der polnischen Grenze, das Gesicht der jungen Generation hier bei uns, das Gesicht der vom Hungertod bedrohten afghanischen Kinder.

Aus dem Danken und einem erfüllten Versprechen Gott gegenüber wächst eine innere Haltung, die sich mit langen Zeiträumen und vagen Absichtserklärungen zur Bekämpfung des Klimawandels nicht mehr abfinden will. Die die ritualisierten Brandopfer durchschaut. Die mehr Verbindlichkeit und wirksamere Verabredungen will. Und die bereit ist, bei sich selbst anzufangen.

Aber dann kommt eine verblüffende Wendung. Es heißt jetzt nicht: Mensch, nun mach, mach ernst. Es heißt: Und wenn du in Not bist, rufe nach mir! Dann rette ich dich. Rufe nach mir. Dann rette ich dich. Also Danken, Versprechen erfüllen, nach Gott rufen. Was heißt das, nach Gott rufen? Anerkennen, dass wir allein diesen Klima-Mist nicht in den Griff bekommen. Demütig werden und aufhören, zu meinen, dass wir schon irgendwie durchrutschen. Stattdessen: Reichtum teilen. Gefährdete retten. Nächstenliebe üben. Beten und Hoffen. Das heißt, nach Gott rufen. Damit rechnen, dass Rettung heißt, dass sich alles ändert. Und dazu bereit sein.

Und dann: Gott dafür die Ehre geben. Nicht uns selbst. Aussprechen, dass Gott es ist, der/die die Schöpfung erhält. Dass wir es nicht können. Aber dass wir entschieden dabei mithelfen wollen. Und das dann auch tun, das gehört zum Ehre geben dazu. Amen.

Superintendentin Dr. Ilka Werner

 

25.11.2021



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