Losung

für den 01.12.2020

Der Herr sprach zu Isaak: 

Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen.

1.Mose 26,3

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Herbstsynode 2020

Synodalbericht von Superintendentin Dr. Ilka Werner

Zum achten Mal erstattete Superintendentin Dr. Werner ihrer Synode Bericht über das zurückliegende Jahr. Diesmal standen Corona, die Aufgaben der Kirche in der Stadt, das Eintreten für Menschen in Not und der Umbau der Evangelischen Kirche im Mittelpunkt.

Auch der Synodalbericht erreicht fast alle Synodalen per Livestream. Auch der Synodalbericht erreicht fast alle Synodalen per Livestream.

Bericht der Superintendentin zur Herbstsynode 2020 am 13. November 2020

Hohe Synode,
dieser Bericht ist der achte, den ich Ihnen erstatte, und er ist in mancher Weise besonders: Zum einen ist er deutlich kürzer als sonst, das liegt an der Corona-Situation und unserem Synoden-Setting. Zum anderen ist er meine Bewerbungsrede zur Wiederwahl und eine Werbung um Ihr und Euer Vertrauen für ein nächstes gemeinsames Wegstück. Ich möchte ein skizzenhaftes Bild dieses Jahres zeichnen anhand von vier Stichworten und dann schließen mit einem kurzen Rück- und Ausblick.

Corona

Mein erstes Stichwort ist Corona. Wenig verwunderlich. Das Virus, die Pandemie, unsere Mühen und Ängste prägen dieses Jahr. Wir haben als Kirche und als Gesellschaft erfahren, wie verwundbar, wie verletzlich wir sind. Als die erste Welle im Sommer abflaute, haben sich die meisten irgendwie berappelt und gefühlt wie Davongekommene. Aber die zweite Welle hat uns dann doch voll erwischt und zwingt uns, zu erkennen: Wir sind nicht nur verwundbar und verletzlich. Wir sind verwundet und verletzt.

Wir sind übermüdet durch lauter ‚verrutschte‘ Prozesse, Absprachen und Projekte, durch dauernde Mehrarbeit und Mehrfachplanungen. Wir sind verletzt durch eine öffentliche Kritik, die uns vorwirft, unsere Kirchen seien zugeschlossen und wir selbst abgetaucht gewesen – was so nicht stimmt, aber auch nicht pauschal zurückgewiesen werden kann, nicht von einer Kirche, für die Selbstkritik ein Identitätsmerkmal ist. Wir sind verwundet durch die Erkenntnis, nicht auf den ersten Blick systemrelevant zu sein und durch die Sorge darum, ob unsere Gemeinden bleiben oder zurückkommen. Wir sind überfordert, weil wir alle als kirchliche Mitarbeitende auch nur Menschen sind und unsere Belastbarkeit Grenzen hat und wir nie etwas anderes behauptet haben, aber von außen wird so viel erwartet und innen manchmal so viel voneinander verlangt. Wir sind das alles als eine Kirche, der gesagt ist: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2.Kor 12,9).

Vielleicht ist es diese Kraft in der Schwachheit, die trotzdem so viel ermöglicht hat: dass wir uns digital neu erfunden und analog nicht aufgegeben haben. Dass alle Mitarbeitenden in Gemeinden, Schulen und Krankenhäusern, in Diakonie und Kirchenkreis über die eigenen Kräfte hinaus Unmögliches möglich gemacht haben. Dass Corona-Läuten, kreative Einführungsrituale für neugewählte Presbyterinnen und Presbyter, Zoom-Synoden, kurzfristig organisierte Jugendfreizeiten, ‚Deutschland singt‘, ein improvisiertes Friedenskonzert und ein gemeinsamer Reformationsgottesdienst und so vieles mehr machbar wurden. Heute noch einmal herzlichen Dank für das alles!!!

Kirche in der Stadt Solingen

Wir und unsere verwundbare Kirche lebten natürlich auch in diesem Jahr in der Stadt Solingen. Die Stadt ist mein zweites Stichwort. Wir sind mit der Stadt unterwegs, ich persönlich als Mitglied im Bündnis für Toleranz und Zivilcourage und im Beirat nachhaltige Kommune, viele andere von uns in anderen Gremien und Begegnungen. Und dieses Unterwegssein führte uns auf die Straßen und Plätze, nach dem Anschlag von Hanau, zum Kippa-Tag und zur Mahnwache mit den Wölfen auf dem Neumarkt. Es führte mich in die Moschee zum Streitgespräch über die neue Nutzung der Hagia Sophia in Istanbul zum Gebet. Es führte uns dazu, unsere Stadtkirche am Fronhof zu öffnen anlässlich der Trauer um die ermordeten Kinder, für Gespräche bei der sommerlichen Oasenzeit und zum Kircheneintritt. Ich wünsche mir, dass das noch mehr wird: offene Kirchen in den Fußgängerzonen und viele von uns darin leicht erreichbar und ansprechbar. Im Theologischen Ausschuss der Landeskirche haben wir einen Text verfasst, der die zukünftige, kleinere Kirche in der gesellschaftlichen Minderheitensituation als „Lobbyistin der Gottoffenheit“ beschreibt – als Lobbyistin also nicht in eigener Sache, sondern für Gottes offenen Himmel, seine Liebe und Barmherzigkeit, ihre Macht und Orientierungskraft. „Fürchtet Gott, ehret den König“ sagt der Petrusbrief (1.Petr.2,17). Dazu rufen wir in der Stadt auf, und auch wenn wir keinen König, sondern einen wiedergewählten Oberbürgermeister haben, bleibt der erste Teil des Satzes und die Ermahnung zur Gottesfurcht auch im 21. Jahrhundert gültig.

United4rescue – gemeinsam retten

Dieser Gedanke führt mich zu meinem dritten Stichwort: United4rescue – gemeinsam retten. Für die Seenotrettung im Mittelmeer setzen wir uns im Kirchenkreis seit Jahren ein. Weil wir überzeugt sind, dass unser Auftrag nicht an den Grenzen Europas aufhört. Wir bilden uns nicht ein, die ganze Welt retten zu können, aber wir wollen doch auf der ganzen Welt da retten, wo es uns möglich ist. Wir meinen, es ist etwas dran an dem Vers aus dem Jakobusbrief „So ist der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber“ (Jak 2,17). Bei aller evangelischen Überzeugung, dass Gott uns aus Gnade rechtfertigt und annimmt, meinen wir doch, ein gewisses Maß an Verbindlichkeit aus Dankbarkeit gehöre zum Christsein dazu. Darum haben wir z.Zt. eine Kampagne zum Sammeln von Spenden und Unterschriften für united4rescue, darum unterstützen wir die agendapreisgekrönte Flüchtlingshilfe für Lesbos, darum unterstützen wir unsere indonesischen Partnerkirchenkreise Medan und Galang, die Lebensmitteltüten für die Ärmsten und die durch Corona in Not Geratenen packen, wie bei uns die Gemeinden Dorp und Luther und das Diakonische Werk. Die Welt, das sind nicht nur die Menschen, das ist die ganze Schöpfung und so haben wir vor, uns mit den nächsten Themenjahren verbindlich für die Bewahrung der Schöpfung und Nachhaltigkeit und Klimaschutz stark zu machen, zusammen mit denen in der Stadt, die das auch tun. Wir wollen unsere blinden Flecken aufspüren und besser werden – ohne moralischen Krampf, aber mit ernsthaftem Willen. Darum gehört auch das Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt hierher, an dem wir trotz Corona weiterarbeiten, wenn auch wegen Corona gegenüber unseren Plänen verzögert.

Zukunftsbild Klingenkirche 2030

Verzögerung gegenüber unseren Plänen bringt mich zum vierten Stichwort, unserem Zukunftsbild Klingenkirche 2030. Im Juni konnten wir entgegen unserem Vorhaben keine große Synode mit vielfältigen Diskussionsgängen machen. Bei der kleinen Zoom-Variante haben Sie aber sehr deutlich gesagt: Es ist richtig gut, dass ihr im KSV daran arbeitet. Das hat uns Rückenwind gegeben. Und weil wir im KSV heute mehr als vor anderthalb Jahren davon überzeugt sind, dass wir nicht einfach weitermachen können wie bisher, haben wir den Prozess umgestrickt und im August eine Reihe von Gesprächs- und Arbeitsaufträgen an Gemeinden, Gremien und Personen gegeben, über die morgen ein Zwischenbericht auf der Tagesordnung steht. Auch davon abgesehen gab es eine Menge Gespräche und Besuche, bei denen ging es um Finanzen, Personalplanung, die pastorale Arbeit, neue Ideen und neue Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen – Aspekte, die alle zur ‚Klingenkirche‘ gehören. Das Diakonische Werk, selbst dabei, sich neu und angemessen aufzustellen, macht sich die Idee zu eigen und fördert die ‚Klingenkirche‘ durch gemeinsame Projekte gemeindenaher Diakonie. Die beiden Erprobungsräume im Kirchenkreis in Rupelrath und gleich ganz Widdert sind Prototypen für die ‚Klingenkirche‘, auch der gemeinsame Webauftritt der evangelischen Friedhöfe und unser kreiskirchlicher youtube-Kanal ebenso. Will sagen: ‚Klingenkirche 2030‘ ist nicht bloß ein Strukturprozess, sondern ein Weg des Zusammenwachsens des evangelischen Engagements in Solingen. Ich will noch einmal deutlich sagen, warum ich davon überzeugt bin, dass wir tiefgreifende Veränderungen in Gemeinden und Arbeitsgebieten brauchen: 1. Weil wir gemeinsam für ganz Solingen zuständig sind. Wir könnten es niemandem erklären, wenn ab Mitte der 20er Jahre in einem Stadtteil etwa nicht mehr beerdigt würde. 2. Weil durch die zu erwartenden Kirchensteuereinbrüche auch unsere größeren Gemeinden ihre Stellen und Gebäude nicht mehr allein durchbringen und weil wir es noch einmal und jetzt gemeindeübergreifend schaffen müssen, uns geordnet und klug kleiner zu setzen, was Stellen und Gebäude angeht. 3. Weil es uns nur gelingen kann, das Kleiner-Werden nach Zahlen und Finanzkraft von unserer Ausstrahlungskraft und geistlichem Wachsen abzukoppeln, wenn wir gemeinsam eine Kirche bauen, die die Menschen verstehen.

Ich bin davon überzeugt, dass diese Sätze es erforderlich machen, unser Handeln komplett umzustellen, unsere Perspektive komplett zu ändern. Wir müssen, so meine ich, aufhören, so viel Vorhandenes zu erhalten wie möglich, weil wir dann nie Spielräume für Neues bekommen. Wir müssen, so bin ich überzeugt, anfangen, praktisch und geistlich Raum für Neues zu schaffen. Wir reden schon lange davon. Aber wir haben es noch nicht geschafft, konsequent damit anzufangen. Ab und zu gelingt schon etwas, so beispielsweise unser Brückenschlagprojekt für schulbezogene Jugendarbeit.

Wir haben endlich die hindernden Prozesse einigermaßen verdaut. Aus meiner Sicht können wir jetzt den Sprung schaffen. Darum ist mein Bibelvers für dieses Stichwort: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Ps 18,30). Ich mag den Vers sonst nicht so. Aber hier passt er als Losung. Und kann uns den nötigen Mut machen.

Wir werden morgen über verschiedene Klingenkirche-Themen reden, die unterhalb der Grundentscheidung für eine Verbandslösung oder die Bildung dreier größerer Gemeinden liegen. Sie greifen dieser Entscheidung also nicht vor, lassen aber spüren, wie sich welches Modell auswirken könnte. Ich möchte Sie bitten, sich morgen und in den nächsten Wochen mit der ‚Klingenkirche‘ zu befassen. Niemand möchte eine Entscheidung durchdrücken. Aber der KSV wird auch nicht warten, bis es den Letzten in den Kram passt, darüber nachzudenken.

Denn aus Sicht des KSV wollen wir die nächsten Jahre nutzen, uns intern und miteinander gut aufzustellen. In der zweiten Hälfte der 20er Jahre wird es dann dran sein, auf gute Weise Teil eines neuen, größeren Kirchenkreises zu werden.

Soweit dazu für heute.

Personalia

Ich komme zu den Personalia: Seit der letzten Herbstsynode haben wir Hartmut Schneider, Gunnar Krüger und Stephan Sticherling sowie Margit Rolla als Jugendreferentin und Friederike Stratmann als Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes aus dem Kirchenkreis verabschiedet. Christof Bleckmann haben wir auf die Pfarrstelle in Ketzberg eingeführt und Ulrike Kilp als neue Geschäftsführerin im DW. Dennis Längert hat als Jugendreferat und beim Projekt Brückenschlag angefangen – coronabedingt ist er noch uneingeführt, aber schon gut angekommen. Dr. Stephanie Bluth, Katharina Lang und Michael Mutzbauer haben ihr Vikariat im Kirchenkreis begonnen. Und Doris Schulz ist für ihre langjährige Arbeit im Dialog der Religionen mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

Persönlicher Rück- und Ausblick

Ich schließe mit meinem persönlichen Rück- und Ausblick. Es ist acht Jahre her, dass ich mich dieser Synode als Kandidatin vorgestellt habe. Damals habe ich gesagt, dass ich als hauptamtliche Superintendentin zu keiner Kirche einen Schlüssel haben würde. Und dass ich darum so nett sein müsse, dass Sie mich reinlassen. Und dass Sie mich umgekehrt einladen müssen, wenn Sie nicht mein Gehalt zum Fenster hinauswerfen wollen. Ich habe immer noch keinen Kirchenschlüssel. Aber ich bin in allen Kirchen und Gemeindehäusern ziemlich zuhause. Aus meiner Sicht hat das also wunderbar geklappt mit uns. Wir haben ungeheuer viel gearbeitet zusammen, aber auch großartig gefeiert. Haben miteinander gelacht, geweint, getrauert und die Zähne zusammengebissen, uns gestritten und wieder versöhnt, uns übereinander geärgert oder uns missverstanden; ich hoffe, ich habe niemanden so verletzt, dass die Wunde nicht mehr heilt. Und wo es doch geschehen ist, bitte ich um Verzeihung.

Die, die damals schon dabei waren, sind wie ich auch müder und grauer geworden. Aber auch, was viel mehr wiegt, vertrauter und weise. Wir haben einander irgendwie liebgewonnen und sind zusammengewachsen. Mir geht es hier sehr gut, mit Euch, mit Ihnen. Und ich möchte gern mit allen hier im Kirchenkreis und in der Stadt weiter unterwegs sein. Da ist noch die Idee mit dem lila Sofa für ungewöhnliche Begegnungen – sie hat sich verwandelt in ein Projekt mit zwei pinkfarbenen Klappstühlen.

Da ist noch vieles andere. Es steht noch eine Menge aus!

 

15.11.2020



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