Losung

für den 27.09.2021

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

Psalm 119,67

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Corona-Aktion der Kircheneintrittsstelle

„Den Menschen zeigen: Du bist mir wichtig!“

Auch die Kircheneintrittsstelle musste im Frühjahr wegen Corona für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Pfarrerin Almut Hammerstaedt-Löhr berichtet, wie sie die Zeit nutzte, um Menschen per Brief oder Telefon nachzugehen.

Freut sich über die Resonanz ihrer Postkarten- und Telefonkampagne während der Corona-Schließung: Pfarrerin Almut Hammerstaedt-Löhr Freut sich über die Resonanz ihrer Postkarten- und Telefonkampagne während der Corona-Schließung: Pfarrerin Almut Hammerstaedt-Löhr

„Kontakt in Zeiten der sozialen Distanz – das war die Devise für meine Arbeit als Pfarrerin an der Kircheneintrittsstelle während der Schließung im Frühjahr. Alle Menschen, die seit Beginn meiner Tätigkeit über die Kircheneintrittsstelle in der Stadtkirche Mitte in die Kirche eingetreten waren, schrieb oder rief ich an. Und ich habe den Eindruck, dass ich damit in dieser besonderen Zeit einen Nerv getroffen habe.

 ‚So stelle ich mir Kirche vor‘, sagte eine Frau, die bei mir den Schritt zurück in die Evangelische Kirche getan hatte als ich so unverhofft bei ihr anrief. „Da kümmert man sich um einen!“, war die spontane Reaktion eines Mannes, mit dem sich dann ein langes Gespräch ergab. „Sie sind der einzige Mensch, der mal fragt, wie’s einem geht“, hieß es von einer anderen Frau. Solche berührenden Sätze empfand ich als Ausdruck eines ganz besonderen Bedürfnisses nach persönlicher Ansprache in der Corona-Zeit.

Angefangen hatte ich meine Aktion mit etwa 60 Osterkarten. Dabei hatte ich gerne auf das Angebot des Kirchenkreises zurückgegriffen, der in diesem Jahr eine Solinger Osterkarte mit situationsbezogenem Text zur Verfügung gestellt hatte. Wichtig war mir dabei, den freien Platz auf diesen Karten handschriftlich zu nutzen, damit die Angeschriebenen sich persönlich gemeint fühlen konnten.

Weiter ging es dann mit etwa 80 Telefonaten. Die Reaktionen reichten von Verblüffung über Freude bis hin zu Tränen. Manchmal waren Eingetretene in der Zwischenzeit bereits verstorben. Aber mit Angehörigen ergaben sich lange, intensive Trauer- und Nachtrauergespräche. Andere Angerufene waren in der Zwischenzeit schwer erkrankt. Auch das waren sehr tiefgehende und berührende Gespräche.

Aber natürlich gab es nicht nur traurige Ereignisse, die die Menschen mitzuteilen hatten: Eine junge Frau war soeben Mutter geworden. Weil sie gerade so sehr mit ihrem Kind beschäftigt war, nahm der Ehemann erfreut den Anruf entgegen und kündigte an, das Kind bald von der Pfarrerin taufen zu lassen. Auch der mögliche „Nachfolgeeintritt“ eines Ehepartners an oder Überlegungen zu einer ungewöhnlichen Trauung in naher Zukunft kamen zur Sprache. Solche erfreulichen Nebeneffekte hätten sich möglicherweise nie ergeben, wenn wir die Leute nicht von unserer Seite her angesprochen hätten!

Und was sich sonst ergab: Gespräche über die persönliche Situation – Kurzarbeit, Homeschooling, Sorge um Angehörige, Vermissen der Enkelkinder – ein Spiegel der gesellschaftlichen Situation. Und auch der geistlichen Situation: Was will uns Gott mit dieser Pandemie sagen? Diese und ähnliche Fragen kamen gerade von Menschen, die nicht besonders ‚fromm‘, sondern durchaus volkskirchlich eingestellt sind. Fragen und auch Antworten: ‚Gott will uns zeigen, was wirklich wichtig im Leben ist. Drei Viertel von meinem ganzen Kram brauche ich nicht.‘ ‚Ich denke an die ägyptischen Plagen.‘ ‚An die apokalyptischen Reiter.‘ Drei Beispiele für theologische Deutungen, die in diesen Gesprächen von unterschiedlichsten Menschen in den Raum gestellt wurden. Ich habe diese Gespräche als bereichernd und wertvoll erlebt. Und als einzigartige und besondere Gelegenheit, mit Menschen anlassbezogen ins Gespräch zu kommen.

Erwähnung fanden auch die sichtbaren Aktivitäten der Gemeinden: Eine junge Frau freute sich über das tägliche Glockenläuten, eine andere nahm gern die Päckchen an der Walder Kirche für sich und ihre Familie mit. Manche nutzten die verschiedenen Online-Angebote der Gemeinden oder nahmen Hinweise darauf gern an, eine andere Frau freute sich auf Gottesdienste im Freien statt der gestreamten Videos.

Auf die 60 Karten gab es sieben Antworten per SMS, Brief oder Rückruf. Das ist eine gute Quote. Aus mehreren Telefonaten ergaben sich längere seelsorgliche Begleitungen, die teilweise bis jetzt andauern.

Ich finde aber auch wichtig, dass sich niemand gezwungen fühlt, ein Gespräch mit ‚der Kirche‘ zu führen. Der Angebotscharakter muss deutlich sein. So gaben von den 80 Angerufenen insgesamt vier auf unterschiedliche Weise das Signal, kein Gespräch zu wünschen. Ich finde, das ist kein hoher Prozentsatz.

Wie so viele meiner Kolleginnen und Kollegen nehme ich aus der Coronakrise die Erkenntnis mit: Die Menschen wünschen sich von uns als Kirche, dass wir für sie da sind und ihnen zeigen: Du bist mir wichtig. Das ist Seelsorge in dem Sinne, die Menschen in der Nachfolge Jesu im Angesicht Gottes wahrzunehmen.“ (Text: Pfarrerin Almut Hammerstaedt-Löhr)

 

22.10.2020



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